Donnerstag, 29. Mai 2014, 12:38 Uhr

Filmkritik "Maleficent": Das war's dann mit der rosaroten Prinzessinnenwelt

Die Disney-Studios starten mit einer neuen Dornröschen-Version in den Kino-Sommer, ab heute ist der 3D-Film auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Die Disney Studios erzählen den Märchenklassiker „Dornröschen“ mit Hollywood-Ikone Angelina Jolie (38, “Original Sin”) in der Rolle der bösen Fee neu. Doch wer ist gut und was ist böse? Die sonst so typische schwarz-weiß-Malerei in der Charakteristik von Märchenfiguren existiert in „Maleficent. Die dunkle Fee“ nicht mehr.

Die Geschichte von der dunklen Fee und Dornröschen – Dornröschen heißt hier Aurora (Elle Fanning, 16, ‘Super 8’) – steigt überhaupt nicht düster in die in sich geschlossene Welt der Fee Maleficent ein. Mit der jungen Fee (Ella Purnell – sehr süß) kann sich wohl wirklich jeder Zuschauer – ob jung oder schon erwachsen – sehr schnell identifizieren: sie ist witzig, frech und schön. Andererseits ist sie die Herrin des Feenreiches und das heißt natürlich auch Verantwortung für all die anderen skurrilen Bewohner. Sie ist Friedensrichterin und hat quasi auch die oberste Befehlsgewalt über alle Kreaturen – das wird Maleficent später im Film auch sehr eindrucksvoll demonstrieren.

Aber zurück in die Kindheit. Beginnen dort nicht alle Dramen? Maleficent trifft auf einen Menschen-Jungen, Stefan. Es beginnt eine Freundschaft und hinterlässt bei der Fee ein großes Vertrauen in die Menschheit. Ein trügerisches, falsches Vertrauen, dass mit vernichtenden Verrat und Verlust für sie endet. Aus dem Freund Stefan wird auf ihre Kosten König Stefan und die Dornröschengeschichte nimmt ihren unheilvollen Lauf. Wie immer wo Disney drauf steht ist auch Disney drin: zu Herzen gehende Schicksale, die ganz großen Gefühle – und das ganz ohne Gesang (!) und am Ende kriegt jeder was er verdient.

Auch wenn Kulisse und Kostüme aufwendig sind, wirkt der Film dennoch nicht überfrachtet oder glitzer-rosa-süß. Dafür sorgt vor allem das Spiel der Farben, das mit seinem Wechsel zwischen licht und düster eine magische Stimmung hervorbringt. Wie ein Schatten legen sich Maleficents Rachegelüste über die Feenwelt. Statt saftigem Grün, Orange und Gold dominieren Schlammtöne: ocker, grau und schwarz. Nur Maleficents knallrot geschminkte Lippen leuchten grell, ebenso der giftgrüne Rauch, der ihre Zaubereien geheimnisvoll umwabert.

Ihr zur Seite steht ihr treuer Diener Diaval, ein Rabe, den Maleficent nach Lust und Laune in einen Menschen, einen Wolf oder jedes andere Wesen verwandelt. Er ist ebenso finster wie seine Herrin, ist aber fest davon überzeugt, dass auch in Maleficents Herz irgendwo das Gute versteckt ist.

Das ist auch die Botschaft des Films: Wer böse ist, hat oft einen Grund dafür. Bei Maleficent ist es der Verrat, der sie zutiefst erschüttert hat. Anders als in früheren Verfilmungen von Dornröschen weckt sie deshalb Sympathien. Der wirkliche Bösewicht ist ein ganz anderer. Deshalb ist auch das Ende des Films nur folgerichtig, das zudem die Stärke der Frauen beschwört.

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‘Maleficent’ liegt damit ganz auf der Linie von Filmen wie ‘Merida – Legende der Highlands’, einer trotzigen und mutigen Prinzessin. Sie sind nicht länger hilflose Wesen, die auf einen starken Retter in Gestalt eines edlen Prinzen warten wollen. Im Gegenteil. Die Frauen wollen ihr Schicksal selbst gestalten – im Film wie auch in der Realität. So könnte ‘Maleficent’ dazu beitragen, junge Mädchen auf sanfte Art aus der rosaglitzernden Prinzessinnenwelt ins wirkliche Leben zu begleiten. (Katrin Wessel/KT, Cordula Dieckmann, dpa)

Fotos: Disney