Donnerstag, 29. Mai 2014, 13:19 Uhr

Tanja Schumann ist wieder happy: "Ich habe das neue Auto in bar bezahlt"

Mitte der 1990er war Tanja Schumann (51) eine der ganz großen deutschen Comedians und brachte als Teil der ‘RTL Samstag Nacht’-Crew regelmäßig ein Millionenpublikum zum Lachen.

Das Lachen verging der sehr sympathischen Blondine 2009 aber schlagartig, nachdem sie sich mit Ost-Immobilien verspekuliert hatte und Privatinsolvenz anmelden musste. Seit über einem Jahr ist die taffe Fernsehfrau nun ihre Schulden wieder los und hatte ein Buch über diese Zeit geschrieben, dass nun in einer neuen Auflage erscheint. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit Tanja Schumann über ihr Buch, ihre Schulden und das Leben in der Insolvenz unterhalten.

Worum geht’s in „Sechs Jahre Taschengeld“?
Das ist im Grunde genommen mein biografischer Insolvenzratgeber. Das heißt: Es ist natürlich eine Biografie, in der ich schreibe wie ich aufgewachsen bin, wie ich zu Samstagnacht kam und natürlich verarbeite ich darin meine sechs Jahre Privatinsolvenz und versuchen den Leuten, die auch finanzielle Schwierigkeiten haben, drin stecken oder so etwas vor sich haben, Mut zu geben und zu sagen: „Leute, haltet durch. Ich habe es geschafft und schreibe wie ich das gemacht habe und was mir geholfen hat“.

Wie schwer war es über die Insolvenz in den Medien zu hören?
Ich bin selbst damit an die Medien gegangen, weil ich als doch relativ bekannte Person immer Angst hatte, dass das irgendwie rauskommen könnte. Ich habe immer weitergearbeitet, immer mehr Leute wussten davon und in jeder Branche wird viel getuschelt. Deswegen habe ich mir nach zwei Jahren gesagt, dass ich das öffentlich mache, weil es ein wahnsinniger Druck gewesen wäre diese Sache sechs Jahre lang geheim zu halten. Ich habe aber auch diese zwei Jahre für mich gebraucht um die Sache mit mir klarzumachen, um zu realisieren, dass mir das passiert ist und dass ich das akzeptieren muss, das ich Fehler gemacht habe. Als ich an die Öffentlichkeit gegangen bin habe ich festgestellt, dass das ein großes Thema ist. Viele Menschen stecken in dieser Situation oder kennen Leute, denen es so geht oder ging. Deswegen habe ich mich dann dazu einschlossen, das alles aufzuschreiben und kann damit auch einen Schlussstrich ziehen. Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich die Restschuldenbefreiung hinter mir habe und wieder aktiv am Wirtschaftsleben teilnehmen kann, obwohl das noch seine Nachwehen zieht. Die Schufa-Einträge bleiben drei bis vier Jahre bestehen. Da gibt es dann Probleme, wenn du beispielsweise ein Handy kaufen oder einen Vertrag abschließen möchtest, obwohl du dir sechs Jahre absolut hast nichts zu schulden kommen lassen. Das ist schon ziemlich schwierig. Darüber habe ich im Buch geschrieben. Es ist aber kein depressives Buch – ganz im Gegenteil.

Hattest Du nach deinem – ich nenne es jetzt mal „Outing“ – mit Häme zu kämpfen?
Um ehrlich zu sein kamen die dummen Kommentare eher aus dem familiären Bereich. Die konnten das absolut nicht verstehen, während ich von fremden Menschen, von der breiten Masse, Mut zugesprochen bekommen habe. Ich habe oft Sachen gehört wie: „Das finde ich echt mutig und toll, dass du da so offen und ehrlich mit diesem Thema umgehst und dich nicht versteckst.“ Von ganz oben nach ganz unten zu rutschen ist eine Spannbreite, die man erst einmal verkraften muss.

Was rätst du Menschen, bei denen gegen Ende des Monats das Konto immer fett im Minus ist?
Bei mir waren es die Ost-Immobilien, die mich aufgefressen haben. Ich war nie ein Mensch, der mit Geld um sich geschmissen hat. In der heutigen Zeit hast du ja eine regelrechte Reizüberflutung. Für Null Prozent kannst du das und das kaufen. Der Eine hat einen riesigen Fernseher zuhause stehen und dann muss ich den auch haben. Das geht einfach nicht. Deshalb sage ich: „Leute, macht euch echt eine Aufstellung mit dem, was ihr im Monat habt. Man verliert nämlich sehr schnell den Überblick“. Aber sobald man merkt, dass es ein, zwei Monate gegen Monatsende immer sehr dünn wird, dann geht es gar nicht anders, als die Augen aufzureißen und sich dem Ganzen zu stellen. Man sollte dann eine Auflistung machen und sich sagen: „Gut, dann muss ich jetzt ein paar kleinere Brötchen backen. Ob der Nachbar oder der Freund das und das hat, interessiert keine Sau. Du musst mit dem was du hast klarkommen, oder du musst einen Zusatzjob annehmen. Sonst geht es eben nicht“.

Du konntest dir sechs Monate nichts gönnen. Gab es eine Sache, die du dir während dieser Zeit sehnlichst gewünscht hast?
Ich habe mir wie jeder andere, wenn er sich denn ein Auto kauft, das dann auf Kredit geholt oder per Leasing. Jetzt und nicht zuletzt durch den Dschungel, wo ich auf einen Schlag einen Batzen Geld bekommen habe, habe ich das Auto in bar bezahlt. Das war ein sensationelles Gefühl. Das ist aber auch etwas ganz großes. Das muss es auch nicht sein. Es ist einfach schön, wenn man mit seinem Geld einfach hinkommt. Das ist für mich auch beruhigender als wenn ich ständig so ein bisschen auf Pump lebe. Ich bin auch ein Mensch, der ein kleines Polster braucht. Lieber habe ich einen Zehner in meinem Geldbeutel, als dass ich mir irgendwie eine teure Creme kaufe und tagelang nichts zu futtern habe. Das geht nämlich gar nicht.