Dienstag, 03. Juni 2014, 21:20 Uhr

Susanne Blech über ihr großartiges Album und die Katzen von Beate Zschäpe

Bei manchen Bands weiß man nicht so genau, ob man sie doof oder cool finden soll. Humor und Musikalität sind ja immer sehr dehnbar und subjektiv.

Zugegebenermaßen stellte sich klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis bei Susanne Blech diese Frage: Mucke aufdrehen vs. Mp3-Player aus dem Fenster werfen. Der war sich beim Interview nicht ganz sicher, ob er die sechsköpfige Herrenkapelle aus NRW lieber drücken oder mit einer Kopfnuss bedenken sollte. Die Niederschrift des emotionalen Wechselbads mit Sänger Timon gibt es hier.

Wer Susanne Blech jetzt gerne singend drücken und herzen will, kann hier ein Fan-Goodie-Bag gewinnen bestehend aus dem neuen Album „Welt verhindern“ als CD und für die Hipsters sogar als Vinyl! Einfach an [email protected] schreiben mit der Bemerkung ‘Susanne Blech’.

Wie kam es zum Bandnamen? Rennt irgendwo eine Dame mit dem Namen herum, auf die Ihr damit anspielt?
Wie bei allen schlechten Entscheidungen im Leben fiel auch diese fernab jeder Intention. Es gibt keine Susanne Blech, ich kenne noch nicht einmal eine Susanne – und das ist wahrscheinlich auch schon das Beste, das sich über diesen Bandnamen sagen lässt.

Ihr sagt „Man kann die Welt nicht retten“. Warum geht das denn nicht?
Dazu müsste man ja erst einmal sagen, in welchen Zustand hinein man sie denn retten will. Also mir fiele jetzt spontan kein Zeitalter ein, das tendenziell erstrebenswerter wäre als das gegenwärtige. Allerdings gibt es da einen sehr schlauen Witz des US-amerikanischen Standup-Comedians Louis CK, in dem er davon erzählt, dass man es als weißer Mann ja eigentlich immer recht gut hatte im Laufe der Geschichte. Ach, sagen wir es so, ich weiß die Antwort nicht.

Auf Eurem Album ist ein Song namens „Die Katzen von Beate Zschäpe“. Wie kommt man denn auf so eine Idee?
Also da muss ich ein wenig ausholen, denn die Katzen gibt es ja wirklich. Beate Zschäpe besaß tatsächlich zwei Katzen und am Tag, an dem sie mit der Sprengung ihrer Wohnung hilflos versuchte, die Spuren des NSU-Terrors zu zerstören, hatte sie die Tiere extra vorher zu ihrer Nachbarin gebracht. Katzenliebe halt, das sagt ja schon alles. Und nach ihrer Festname dann entbrannte ein Streit darüber, was mit den Katzen geschehen soll, das Tierheim wollte sie nicht, die Stadt nicht, die Nachbarin nicht – auch klar. Also ich weiß nicht, ob die Tiere heute noch leben, aber diese Farce steht für mich stellvertretend für den ganzen traurigen Irrsinn dieses Falles. Wo Akten geschreddert werden, ist kein Platz für Katzen.

Was ist die Aussage von diesem Track?
Unfassbares staatliches Versagen und schamlose Vertuschung seitens des sog. Verfassungsschutzes garantieren noch keine Tierliebe. Oder: Auch Nazis mögen Katzen.

Wie entstehen Eure Texte?
Durch intensives Nachdenken.

Ihr habt einen sehr – sagen wir mal – speziellen Humor, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Kann man mit Euch auch ernste Gespräche führen?
Das hier ist doch ein ernstes Gespräch, oder nicht?

Geht so. In Eurem aktuellen Video zu „Welt verhindern“ ist TV-Star Simon Gosejohann zu sehen. Warum habt ihr Euch für ihn entschieden?
Unser Regisseur Andreas Potulski ist sehr gut mit ihm befreundet und ich mochte Simons Arbeit schon immer. Seine langjährige Sendung ‘Comedy Street’ fand ich in den besten Momenten hinreißend subversiv. Er hatte Lust, mitzuspielen, das hat uns sehr gefreut und schon war er mit im Boot.

An Eurem Album ist ein Song mit MC Turbo B von Snap Wie kam es denn dazu?
Wir hatten diese Zeile ‘Killer is a man who don’t fuck with the music’ schon seit Jahren im Kopf und plötzlich entstand daraus ein Song. Wir schrieben eine Hook dazu, nahmen sie auf und dachten plötzlich: Verdammt, das muss MC Turbo B rappen! Wir haben ihn dann über unser Management ausfindig gemacht und er fand es gleich toll. Er nahm die Spuren in den Staaten auf und schickte sie rüber – wir haben tagelang gelacht.

Welchen Song vom Album feiern Eure Eltern am meisten?
Also ich bin mir nicht sicher, ob meine Eltern diese Frage verstehen würden. Aber insgesamt sagen sie immer, die Musik wäre absolut unhörbar – womit sie auch schon sehr viel von dem ganzen Projekt sehr gut verstanden haben.

Was habt Ihr Euch mit dem ersten Geld, das Ihr mit Eurer Musik verdient habt, gekauft?
Leider bleibt ja immer so wenig über, weil wir sechs Leute in der Band sind. Ich wünschte, ich wäre Solokünstler, dann wäre ich jetzt schon reich – kommt vielleicht noch.

Ihr seid seit dem 16. auf Tour. Irgendwelche Schmankerl, auf die man sich live freuen kann?
Wir können versprechen, dass es live jetzt noch einmal wunderbarer ist als zuvor. Wir beherrschen unsere Instrumente jetzt und haben auch alle Texte auswendig gelernt.

Großartig! Was ist 2014 noch so geplant?
Wir haben tatsächlich schon mit den Produktionen fürs vierte Album begonnen, wir werden sehr schnell neues Zeug hinterherwerfen. Gerade haben wir – ganz ironiefrei – richtig Bock.

Fotos: Bernhard Handick