Mittwoch, 04. Juni 2014, 7:29 Uhr

Cro: Alles über sein Album "Melodie" und den Mann hinter der Maske

Am 6. Juni erscheint das neue Cro-Album „Melodie“. Die erste Single-Auskopplung „Traum“ besetzt bereits den 1. Platz der Singlecharts.

Cro ist ein Phänomen, ein Phantom, der Maskenmann 2.0, Deutschlands erfolgreichster Rapper, der Rapper mit der Pandamaske. Obwohl inzwischen jeder von 11 bis 49 Jahren etwas über ihn zu berichten hat, weiß man immer noch relativ wenig über den Anfang Zwanzigjährigen. Ohne es zu wollen, prägte er mit seiner Musik und seinem Look eine ganze Generation. Er hat Musikgeschichte geschrieben und Deutschrap verändert, wohlgemerkt alles Independent und ohne ein Major-Label im Rücken. Mit “Raop” hat er sogar sein eigenes Genre erfunden. In seinen Produktionen mischt er Samples aus Indie und Pop mit klassischem Rap zu etwas Neuem, Großem und vor allem Eigenem. Das Prinzip ist nicht neu, sondern so alt wie Hip Hop selbst und damit realer als es manchen Kritikern lieb wäre.

Wer aber ist dieser Typ, der einfach so aus dem Nichts auftauchte, alle überholte und Hits mit einer Leichtigkeit aus dem Ärmel schüttelt, die fast beängstigend ist? Der Rummel um Cro kam urplötzlich: 2011 war er auf einmal da, das Easy-Mixtape gab es zum kostenlosen Download im Netz, das Video zum Titelsong ging durch die komplette Blogosphäre und wurde als der neue heiße Scheiß aus Deutschland sogar in Amerika gefeiert.

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Mittlerweile hat Easy über 39 Millionen Views auf YouTube und auf Facebook zählt Cro inzwischen über 2 Millionen Fans zu seiner Gang. Ohne Marketing-Tricks und gekaufte Likes. Easy wurde zum Selbstläufer. Geliebt, geteilt und so zur Sommerhymne 2011. Ein neuer Popstar war geboren. Jung, kreativ, immer am Zeitgeist. Ein Grund für den großen Erfolg war wohl, dass Cro es schafft in seinen Texten genau die Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte und Ängste auszudrücken, die eine ganze Generation beschäftigen ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Cro ist Teil dieser Generation und er schreibt auf was ihn bewegt. Es geht natürlich um Liebe, die Wechselwirkung zwischen Nähe und Freiheit, über Selbstverwirklichung und – natürlich – um Zweifel. Darüber auf alles zu scheißen, aufzubrechen und einfach mal zu machen.

Anfang Juli 2012 wurde dann mit Raop schließlich Cros Debütalbum veröffentlicht. Mit “Easy”, “Hi Kids”, “Du”, “King of Raop” und “Meine Zeit” befanden sich alle fünf seiner bis dahin veröffentlichten Singles gleichzeitig in den Top-100 der deutschen Single-Charts. Sein Album und die Singles wurden inzwischen über 2,5 Millionen Mal verkauft und jede seiner veröffentlichten Singles genießt mittlerweile Platin-Status. Das hatte vor ihm kein anderer Rapper in Deutschland erreicht. Somit war klar: Cro ist kein One-Hit-Wonder.

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Aber auch wenn es nicht danach aussieht: bei aller Leichtigkeit steckt hinter dieser Karriere viel Arbeit. Cro fängt schon als Kind an Musik zu machen. Angefangen mit Klavier und Gitarre, hört er über seinen großen Bruder schon mit 11 Jahren um ersten Mal Rap und nimmt mit 13 seinen ersten Song auf. Er beginnt selber zu produzieren, zu schreiben und baut sich zuhause im Keller sein erstes kleines Homestudio auf. Hier nimmt er die inzwischen legendären Trash und Meine Musik Mixtapes auf, später dann Easy und Raop. Natürlich kommt immer wieder neues Equipment dazu, aber Cro braucht nicht viel um die Hits aus den Maschinen zu kitzeln. Er hat mehr als nur Talent, er ist ein musikalisches Genie und ein Tausendsassa. Ein Multitalent. Neben der Musik interessiert er sich für Mode und startet schon mit jungen Jahren sein eigenes, kleines Modelabel Vio Vio. Das ist inzwischen – genau wie Cro – gewachsen und die neusten Releases sind regelmäßig ausverkauft, genauso wie die Server des Shops regelmäßig zusammenbrechen.

Jetzt steht das zweite große Album an und das ist bekanntlich am schwersten. “Melodie” wird es heißen und am 6. Juni 2014 über Chimperator im Vertrieb von Groove Attack erscheinen. Cro wird es nicht leicht haben, eben weil “Raop” so stark gefeiert wurde und die Erwartungen kaum höher sein könnten. Um sich selbst den Druck zu nehmen, stellte Cro im Sommer 2013 das Sunny-Mixtape komplett zum free Download ins Netz. Ein ganzes Album. Einfach so. Macht sonst auch keiner. Dürfen auch die Wenigsten. Bei „Internet“ und „free Download“ werden die Majors gerne nervös. Besonders bei Doppelplatin-Artists.

Seit April läuft jetzt die erste Single “Traum” im Radio auf heavy Rotation und brachte am Airplayday direkt den MPN-Server zum erliegen. Wer den Song schon gehört hat, weiß: der Sommerhit 2014 wird wahrscheinlich wieder von Cro kommen. Es fühlt sich zumindest ein bisschen so an. Auch wenn sich sein Stil etwas verändert hat, statt auf sanfte Instagram-Optik setzt er nun auf Kanten, sein Look ist düsterer, doch seine Musik gewohnt positiv, zumindest oberflächlich betrachtet. Subjektiv schlägt Cro härtere Töne an, er reflektiert und verarbeitet was alles passiert ist. Erfolg, Kritik an ihm und seiner Musik, Liebe für ihn, Hass auf ihn. Er kritisiert Selbstdarstellungssucht und Abhängigkeit von virtuellen Likes und dem Leben der anderen: Permanent klebt man an kleinen Bildschirmen, gierig nach fremden Abenteuern. Aus Angst, langweilig zu sein, füllt man die Chronik mit falschen Erinnerungen. Statt tatsächlich loszuziehen und aufzubrechen, verpasst man sein eigenes Leben. Und natürlich die Girls: verlieben, lieben, nicht mehr lieben, suchen, finden, aufgeben und weitermachen. Die Liebe ist immer ein großes Thema.

Das alles fasst Cro auf der neuen Platte in Worte und Musik: Teenage-Angst, Reflektion und Rückblicke, Liebeslieder und natürlich Rap. Beattechnische Referenzen an Eminem, Dre, Jay-Z, natürlich auch Indie-Anleihe und den guten alten Boombap. Wie bei seinen letzten Veröffentlichungen produziert zum Großteil von Cro selbst, bis auf ein paar Ausnahmen, die Shuko beigestäuert hat. Der junge Schwabe ist zurück und hat ein Album mitgebracht, das reifer klingt als “Raop”, immer noch so frisch ist wie Meine Musik und wieder die Hits hat.

„Melodie“ erscheint am 06. Juni 2014, die erste Single „Traum“ ist bereits im Mai erschienen.

Fotos: Delia Baum