Donnerstag, 05. Juni 2014, 14:04 Uhr

Jennifer Lopez zurück in der Bronx - ein Konzertbericht

Die Tränen fließen schon gleich zu Beginn. “I’m coming home, tell the world that I’m coming home” (Ich komme nach Hause, erzähle es der ganzen Welt, dass ich nach Hause komme), singt Jennifer Lopez, als sie unter dem Jubel von etwa 16. 000 Fans in einem knappen grünen Glitzerkostüm auf einer Open-Air-Bühne mitten im Pelham Bay Park erscheint.

“Das ist so ein großartiger Moment für mich”, ruft sie mit tränenerstickter Stimme ins Publikum. “Ich bin so glücklich, zu Hause zu sein. Das hier heute machen zu können, ist für mich die Erfüllung eines Traums.”

Der Pelham Bay Park, der größte und gleichzeitig wohl unbekannteste Park der Millionenmetropole New York, liegt mitten im Stadtteil Bronx. Ganz um die Ecke ist Lopez einst als Tochter puerto-ricanischer Einwanderer in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen.

Inzwischen ist sie 44 Jahre alt, dreimal geschieden und zweifache Mutter mit einem jungen Toyboy hat weltweit mehr als 80 Millionen Platten verkauft, ist als J.Lo zum Superstar und zur Multimillionärin geworden – und nun zum ersten Mal in ihrer Karriere für ein Konzert an ihren Geburtsort zurückgekehrt. Eine Versicherungsfirma hat das Spektakel am Mittwochabend (Ortszeit) organisiert. Die kostenlosen Eintrittskarten waren innerhalb kurzer Zeit weggegangen.

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Rund 1,4 Millionen Menschen leben in der Bronx, viele von ihnen in Armut, die Kriminalitätsrate ist vergleichsweise hoch und das Straßenbild vielerorts trist – aber an diesem Abend soll es nur um den Spaß und die guten alten Zeiten gehen.

“Habt ihr etwas dagegen, wenn wir uns zurück in die J.Lo-Tage versetzen?”, ruft Lopez in ein mit Glitzersteinchen besetztes Mikrofon und die Menge jubelt. Teenager, Großmütter und ganze Familien mit Kinderwagen und Picknick-Decken sind gekommen, viele haben ‘J.Lo’-Plakate und puerto-ricanische Flaggen dabei. Ein kleines Mädchen hält seine ‘J.Lo’-Barbie fest im Arm.

Lopez gibt ihnen genau das, was sie wollen. Rund zwei Stunden lang singt sie einen Mix aus neuen Songs wie ‘First Love’ und alten Hits wie ‘Love Don’t Cost a Thing’, ‘Ain’t it Funny’ und ‘Waiting For Tonight’.

Immer wieder holt sie sich auch Rapper aus der Bronx wie Fat Joe zur Verstärkung auf die Bühne. Dazu tanzt sie zwischen Feuerwerk und Konfettiwolken mit schier nicht enden wollender Energie an der Seite ihres derzeitigen Partners und Background-Tänzers Casper Smart, räkelt sich in nacheinander grünen, weißen, schwarzen und roten knappen Fummeln auf Sofas und Fahrrädern, schwingt die Hüften und schüttelt ihren berühmten Hintern. “Liebt ihr nicht auch alle den Sommer in der Bronx?”

Zwischendurch scherzt Lopez und trällert auf Spanisch als wäre sie nie weggewesen. Ihrer Mutter im Publikum widmet sie einen Song aus dem Musical ‘Cats’, “ihrem Lieblingsmusical”. “Dieses Lied ist für dich, Mami. Ich liebe dich.” Und als Zugabe für die “guten Menschen aus der Bronx, die heute hier sind” spielt Lopez zum Schluss dann auch noch den Song, der symbolhaft für den ganzen Abend stehen soll: ‘Jenny from the Block’. “Lass dich nicht von meinen Juwelen täuschen, ich bin immer noch die alte Jenny”, singt sie mit goldenglitzernder New-York-Kappe auf dem Kopf – und die Bronx jubelt ihr zu.

“Es war großartig”, sagt eine Zuschauerin. “J.Lo wird in der Bronx geliebt. Sie hat hart für das gearbeitet, was sie hat, und sie ist immer noch eine von uns.” Er sei wegen seiner Tochter da und höre eigentlich nur Heavy Metal, sagt ein Mann daneben – aber Lopez habe ihn überzeugt.

“Es war eine tolle Show. Man konnte sehen, dass es für sie emotional war, wieder hier zu sein.” Aber wirklich aus der Bronx sei die Sängerin für ihn nicht mehr. “Sie war mal von hier. Jetzt ist sie doch aus Beverly Hills, oder was auch immer.” Sie sei auch zuerst skeptisch gewesen, ruft seine Tochter dazwischen. “Aber es ist wirklich super, dass J.Lo sich die Mühe gemacht und etwas für unsere Gemeinschaft hier getan hat. Das muss man ihr hoch anrechnen.”

Die Sängerin steht unterdessen im Konfettiregen auf der Bühne und genießt den Schlussapplaus. Mit Tränen in den Augen schüttelt sie immer wieder ungläubig den Kopf. Dann geht sie auf die Knie, verbeugt sich vor den Zuschauern und schaut ein letztes Mal ins Publikum. “Ich liebe euch, ich liebe euch, ich liebe euch, ich liebe euch.” (Christina Horsten, dpa)