Mittwoch, 11. Juni 2014, 11:16 Uhr

Lothar Matthäus: "In Deutschland will man keine Helden“

Lothar Matthäus ist Weltmeister, Weltfußballer, Weltsportler und Rekordnationalspieler. Trotzdem gilt er hierzulande für viele nicht als Fußball-Held oder gar Idol.

In der aktuellen Ausgabe des Männer-Stil-Magazins ‘GQ’ zeigt sich der 53-Jährige enttäuscht über das Verhältnis der Deutschen zu ihren Sporthelden: „Ich kenne kein anderes Land, das so übel mit seinen Idolen umgeht. (…) Woanders würden solche Leute verehrt bis sie sterben – und über ihren Tod hinaus. In Deutschland will man keine Helden.“ Dies sei auch der Grund dafür, dass er in Budapest lebe, sagte Matthäus in dem Gespräch: „Weil ich dort ein Privatleben habe. (…)  In Deutschland hingegen haben die Medien dafür gesorgt, dass man sich über mich lächerlich machen darf.“ Die logische Konsequenz für Matthäus: „Es gibt einen privaten Lothar Matthäus und einen öffentlichen Lothar Matthäus. Insofern gibt es zwei Lothar Matthäus.“

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Bei der Frage nach seinen Favoriten für die Fußball-WM will er sich nicht festlegen: „Niemand hat eine Titelgarantie. Auch Brasilien nicht.“ Vielmehr gebe es Mannschaften, die für Deutschland bereits im Achtelfinale ein Stolperstein sein könnten: „Es gibt Teams, die noch keiner richtig auf dem Zettel hat. Kolumbien, Uruguay, Chile. Belgien und Frankreich.“ Im deutschen Team fehlt dem 53-Jährigen bisher die Spannung: „Nur Friede, Freude, Eierkuchen darf nicht sein. Vom aktuellen Team habe ich einen rechten Kuscheleindruck“, bemängelt Matthäus. Mit diesem Problem habe die Nationalelf bereits bei der letzten Europameisterschaft zu kämpfen gehabt: „Im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien hat jedenfalls ein Drecksack gefehlt, der die Mannschaft wachrüttelt.“ Spieler wie Khedira und Lahm seien da in der Führungsverantwortung, glaubt Lothar Matthäus: „Ein bisschen lauter als Lahm darf man als Kapitän schon sein. Auch heutzutage.“

Foto: WENN.com