Samstag, 14. Juni 2014, 13:44 Uhr

Mehrzad Marashi: "Ich habe keine riesigen Hallen gebucht, ich bin Realist"

Aus Mehrzad Marashi, dem einstigen ‚DSDS‘-Sieger, wurde nun schlicht und einfach Mehrzad, der künftig nur noch auf Deutsch singen wird.

Sein neues Album heißt ‚Entfesselt und frei‘ und zeigt gleichzeitig auch sein Lebensmotto an. Denn mit seinem eigenen Musiklabel ‚M8‘ kann er endlich die Musik machen, die er gerne möchte. Dazu gründete er seine eigene TV-Produktionsfirma und produziert u.a. Musikvideos und kleine TV-Beiträge. klatsch-tratsch.de traf Mehrzad.

Du hast dich in den letzten drei Jahren etwas zurückgezogen und startest nun auf Deutsch und mit ‚neuem Namen‘ durch.
Ja das stimmt, ich habe mich bewusst die letzten Jahre ein wenig aus dem Geschäft gezogen. Ich habe aber dennoch viel gearbeitet und versucht etwas zu erschaffen, was zu 100 Prozent mich wiederspigelt. Ich wollte auch ein wenig dieses Stigmata von ‚DSDS‘ verschwinden lassen. Der Auslöser war ein innerlicher Drang,  mein eigenes Ding zu machen. Ich wollte mich musikalisch ausleben, so wie ich es wollte und das ist mir damals mit meinem zweiten Album nicht wirklich ermöglicht worden. Schon da hatte ich den Wunsch geäußert, da hieß es jedoch immer: Nein, das ist gerade nicht angesagt! Sing auf englisch! Mach Dancefloor-Musik! Und da ich Verträge hatte, habe ich mich halt mitreißen lassen. Obwohl ich finde, das mein zweites Album besser produziert war als mein erstes ist dieses leider total untergegangen. Doch es war alles eine Erfahrung und ich musste diese auch machen, um jetzt hier sitzen zu können.

Dein Album heißt ‚Entfesselt und frei‘, ist es denn wirklich so, das du dich davor eben nicht so gefühlt hast
Na klar, es bedeutet schon, das ich mich nun abnabeln will. Es bedeutet aber auch, dass ich mich von allen Regeln, die die Musik mir vorschreibt, befreien will. Früher hieß es immer, ein Song darf nicht länger als dreieinhalb Minuten lang sein, ein Song muss eine bestimmte Hook habe und es muss ein angesagter DJ mit dabei sein. Ich wollte mich von dem Schema befreien und mir einfach keine Grenzen mehr setzen.

Deine erste Single ,Fahrtwind’ gibt einen kleinen Einblick in dein drittes Studioalbum. Auf was können sich deine Fans in Zukunft freuen? Und was hat sich außer der Sprache musikalisch noch verändert?
Das ganze Album ist schon sehr durchmischt. Ich habe z.B. auch mit drei Rappern Features auf dem Album. Moses hat auch einen Track auf dem Album, also man kann sagen, es ist wirklich sehr vielfältig. Manches ist mehr soulig, dann gibt es auch jazzige Songs, es ist wirklich viel dabei. Ich würde mein Album nun als viel erwachsener einstufen. Menschen die es hören werden, werden sich wie in Trance befinden.

Du sagst selbst, es hat sich musikalisch viel getan, kannst du dich jetzt noch mit früheren Songs identifizieren?
Das sind alles Wege, die ich gehen musste. Mein erstes Album mit Dieter Bohlen,war in zwei Tagen aufgenommen. Das kann man mit einem Album, welches ich über zwei Jahre aufgenommen habe, keineswegs vergleichen. Damals stand ein Dieter Bohlen dahinter und es herrschte ein gewisser Druck. Mein jetziges Album muss ich ganz alleine stemmen. Natürlich entsteht dadurch ein ganz anderer Druck. Doch durch mein eigenes Label und die Filmproduktionsfirma, bin ich so aufgestellt, das ich zum Glück nicht auf die Musik angewiesen bin. Und ich bin mir sicher, egal wer mein neues Album hört, der wird davon begeistert sein.

Du wirst auch demnächst auf Tour gehen.
Ich werde mit Band, Backroundsängern, Streichern und Bläsern auf Tour gehen. Alles in einer sehr ruhigen und chilligen Atmosphäre. Ich habe natürlich keine riesigen Hallen gebucht, ich bin schließlich Realist.

Würdest du sagen, du hast es als ‚DSDS‘-Sieger nun im nach hinein schwerer deine Karriere fortzusetzen?
Viel schwerer sogar! Es ist immer noch so, das Radiosender einen boykottieren. Und obwohl ich mit den besten Menschen zusammenarbeite, die können auch nicht zaubern. Es ist frustrierend, wenn Radiosender meine Musik nicht spielen, wenn sie hören es ist von Mehrzad. Ich mache nun seit über 20 Jahren Musik und habe zuvor als Marasco größeren Respekt genossen als jetzt. ‚DSDS‘ ist wie ein Arschgeweih, was du dir in der Jugend hast stechen lassen und nicht mehr loswirst. Und wenn du es entfernen lassen willst, dann nur unter Schmerzen!