Mittwoch, 18. Juni 2014, 18:43 Uhr

"Die Erde brennt": Joachim Witt hat eine neue Pop-Hymne am Start

Dieser Typ treibt uns noch alle in den Wahnsinn.

Bisher war es immer so gut wie ausgeschlossen bei Joachim Witt, dass bereits der Titel eines Stücks verrät, was dessen Inhalt eigentlich ausmacht. Und selbst die abgedruckten Lyrics waren recht schwer zu knacken. Wer hätte zum Beispiel beim ersten Hören gedacht, dass der „Goldene Reiter“ eine schwer depressive Phase des Meisters in den Endsiebzigern beschreibt? Oder dass sein clownesker „Herbergsvater“ in Wahrheit ein flammender Appell gegen Zwang, Disziplin und Uniformierung ist?

Mehr zum Thema Joachim Witt: Hier in das neue Album “Neumond” reinhören!

Ganz zu schweigen von der harschen „Bayreuth“-Ästhetik… nichts als versteckte Botschaften hier, hintersinniger Humor da, und zwischendurch immer wieder bitterböser Subtext. Und jetzt das. „Die Erde brennt“ meint tatsächlich einfach nur: Die Erde brennt. Apokalypse. Schluss, aus, Feierabend, liebe Leute. Stühle hochstellen. So viel Klartext ist neu bei Witt.

Aber… macht das nicht irgendwie auch die Faszination an Witts Gesamtwerk aus? Nie vor einer Veröffentlichung zu wissen, auf welche Reise uns dieser unruhige Geist da schicken will? Genau.

Kurz zu den Fakten: „Die Erde brennt“ ist, was Melodie und Instrumentierung angeht, Martin Englers Sachverstand entsprungen, der, wie die meisten wohl wissen, als Frontmann der Band „Mono Inc.“ eine nicht unerhebliche Bekanntheit erreicht hat. Eben dieser hat den Song auch produziert, und das, wenn man das jetzt mal so sagen darf, mit – räusper – Tanzflächengarantie. Witts Text, so jedenfalls hat es Joachim durchsickern lassen, hat seine Ausrichtung durch ganz reale tägliche Nachrichtenbilder erhalten. „Die Erde brennt“ ist demnach eine Bestandsaufnahme ganz ohne Umschweife. Da hatte man schon wieder voller Enthusiasmus nach der eigentlich obligatorischen Meta-Ebene gesucht, und dann gibt´s ausnahmsweise gar keine.

Mann, Witt, du machst uns irre. Aber hey, geiler Song.

Foto: Carsten Klick