Donnerstag, 19. Juni 2014, 17:56 Uhr

Fliegen bei Youtube jetzt auch die Independent-Labels raus?

In einem Streit zwischen YouTube und unabhängigen Musik-Labels könnten Künstler wie Adele oder die Arctic Monkeys von der Google-Plattform verschwinden.

Es geht um die Vergütung bei einem geplanten neuen Abo-Dienst, die Independent-Firmen lehnen das Google-Angebot als zu niedrig ab. YouTube-Manager Robert Kyncl kündigte in einem Interview an, die Plattform werde in wenigen Tagen damit anfangen, Musikvideos zu entfernen.

YouTube wolle nicht mehr auf die unzufriedenen Musikfirmen warten und das Angebot auch ohne sie starten, sagte Kyncl der «Financial Times». Schließlich hätten Label, die 95 Prozent der Musikindustrie vertreten, den neuen Konditionen zugestimmt. Das Löschen der restlichen Videos solle sicherstellen, dass alle Inhalte auf der neuen Plattform unter die neuen Vertragsbedingungen fallen. YouTube argumentiert, es wäre ein schlechtes Erlebnis für die Nutzer, wenn sie Video, die kostenfrei mit Werbung verfügbar sind, nicht auch in dem neuen werbefreien Abo-Dienst sehen könnten. Wann das Bezahlangebot starten soll, ist bisher unbekannt.

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In Deutschland sind wegen des Dauerstreits der Plattform mit der Verwertungsgesellschaft Gema ohnehin weniger Musikvideos verfügbar als in anderen Ländern. Eine Blockade der Indie-Label würde ausgerechnet zu großen Teilen Musik treffen, die man bisher hierzulande sehen konnte. Die entfernten Videos wären weltweit nicht mehr verfügbar, auch wenn der Abo-Dienst zunächst nur in ausgewählten Märkten starten dürfte.

Nach bisherigen Informationen sperren sich unter anderem die Plattenfirmen XL Recordings und Domino gegen die neuen YouTube-Konditionen. XL Recordings hat Adele sowie Musiker wie Jack White oder Sigur Rós unter Vertrag, bei Domino sind unter anderem die Artic Monkeys oder Franz Ferdinand zu Hause.

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Die unabhängigen Musikfirmen lassen sich in den Gesprächen mit YouTube von der Rechteagentur Merlin vertreten, der über 20 000 kleinere Labels angehören. Ihre Branchenvereinigung Impala wirft dem YouTube-Eigentümer Google vor, der Internet-Konzern wolle die kleinen Plattenfirmen mit seiner Marktmacht zu ungünstigen Konditionen drängen. Die drei Großen der Branche – den Marktführer Universal Music sowie Warner Music und Sony Music – hat Google für den neuen Abo-Dienst im Boot. (dpa)

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