Samstag, 21. Juni 2014, 17:50 Uhr

Conchita Wurst über ihr erstes Album, Celine Dion und Gaga-Gerüchte

Fußball, Bartpflege, Essgewohnheiten und Lady Gaga – das waren Themen von Conchita Wurst im Interview vor der ‘Stonewall Gala’ des Berliner Christopher Street Day Vereins.

Frau Wurst, für welche Mannschaft schlägt denn Ihr Herz bei der Fußball-WM?
Für Österreich, aber die sind ja nicht dabei. Oh Gott, ich bin bei Fußball überhaupt nicht bewandert.

Finden Sie denn Fußballer attraktiv?
Fußball ist überhaupt nicht mein Thema (lacht). Mein Interesse an Männern mache ich auch nicht an ihrer Arbeit und Aktivität fest. Aber was ich so gesehen habe: Ein gestählter Körper allein beeindruckt mich nicht.

Nun denn – Themawechsel. Wie schaffen Sie es eigentlich, dass Ihr Bart immer so perfekt aussieht?
Meine Bartpflege ist eher unspektakulär. Ich benutze einen Barttrimmer. Und da ja mein ganzes Gesicht schon angemalt ist, habe ich nicht verstanden, warum ich beim Bart aufhören sollte. Der wird einfach aufgehübscht. Es gibt einen Geheimtipp: einen breiteren Pinsel und Lidschatten in der entsprechenden Haarfarbe.

Gäbe es denn irgendwas, wofür Sie den Bart abnehmen würden?
Es gäbe eine Sache, und zwar wenn ich sage: Ich mach ihn ab. Aber das passiert ganz lange nicht.

Und für einen guten Zweck vielleicht?
Wenn wir daraus eine gemeinnützige Auktion machen, dann könnte ich mir unter Umständen vorstellen, ihn abzurasieren. Aber da sprechen wir von sehr hohen Summen. (lächelt)

Ist Ihr Beruf und das Schminken und chic aufzutreten denn manchmal anstrengend?
Ich kann das gar nicht Job nennen. Es macht mir so dermaßen Spaß, dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt. Und ich weiß, wie privilegiert ich bin und wie glücklich ich sein kann darüber.

Wie schaffen Sie es, so schlank zu sein? Treiben Sie viel Sport?
Das ist immer der Moment, wo ich vielen unsympathisch werde (lächelt). Denn: Ich habe das letzte Mal ein Fitnessstudio von innen gesehen, das ist, glaube ich, vier Jahre her. Ich esse immer, wann und was ich will.

Mögen Sie dann vielleicht nur gesunde Sachen?
Das ist nicht der Fall. Ich esse wahnsinnig gerne Pizza, Burger, Gegrilltes, Sachen mit viel Zucker. Ich habe ja gesagt, dieses Thema macht mich unglaublich unsympathisch.

Isst Conchita Wurst denn auch Currywurst?
Natürlich esse ich Currywurst. Ich mag das so gerne, dass ich sogar schon mal versucht habe, so ein Fertigprodukt aus dem Kühlregal zu essen. Aber die hat mir nicht so geschmeckt.

Und Sie sind nie ohne Energie?
Ich wollte immer, dass mein Leben so ist, wie es gerade ist. Und deswegen kann ich es nur genießen. Es ist überhaupt keine Anstrengung. Manchmal merke ich abends, wie lang der Tag schon war. Aber ich hatte noch keinen einzigen Tag, wo ich dachte: «Oh Gott, jetzt muss ich mich wieder schminken».

Haben Sie denn Zeit, Ihr Album fertigzustellen?
Daran arbeiten wir. Wir wollen wahrscheinlich noch dieses Jahr das Album veröffentlichen. Aber es gibt kein festes Datum: zum einen, weil noch einige Songs gefunden werden müssen, zum anderen bin ich einfach Perfektionistin und das muss gut sein, was da rauskommt. Ich weiß, unsere Gesellschaft ist wahnsinnig schnelllebig und vielen wäre am liebsten gewesen, am nächsten Tag ein Album von mir zu haben. Wäre auch schön gewesen. Ist aber nicht so.

Der Grammy ist Ihr Lebensziel – gibt es denn schon USA-Pläne?
Es gibt keine konkreten Angebote, keinen amerikanischen Plattendeal. Es gibt aber schon Termine, die in Übersee stattfinden werden. Aber wir lassen uns Zeit. Der ESC-Sieg hat mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Ich verspüre jetzt auch im künstlerischen Bereich eine tolle Freiheit, weil es zum Beispiel eben nicht mehr unmöglich scheint, Lady Gaga kennenzulernen. Es ist einfach ein wahnsinnig schönes Gefühl, Ideen zu haben und sich nicht gleich innerlich dafür zu bestrafen, dass man jetzt so einen Wahnsinn denkt.

Apropos Lady Gaga – hat sie wirklich nach dem ESC-Sieg bei Ihnen angefragt?
Wenn sie sich gemeldet hätte, hätte ich nicht Nein gesagt. Mich hat aber keiner angerufen. Es gab ja dieses Gerücht und auch schon Tourdaten und der ganze Wahnsinn. Ich hab dann meinen Manager angerufen und gesagt: Was ist da los? Check sofort deine E-Mails. Es war aber nicht die Wahrheit. Ich übe mich in Geduld. (lächelt)

Mit welchem Künstler würden Sie denn noch gerne zusammenarbeiten?
Mit so wahnsinnig vielen…

Nur die drei Wichtigsten…
Okay, ganz spontan: es ist Celine Dion, es ist Tina Turner und es ist Cher. Am besten ein Quartett. Eine Girlband. (lacht)

Interview: Dirk Steinmetz und Gregor Tholl, dpa. Fotos: Patrick Hoffmann/WENN.com