Sonntag, 22. Juni 2014, 15:11 Uhr

Afrojack auf dem Weg nach ganz oben: Interview mit einem Aufsteiger

Nick van de Wall (26) besser bekannt als Afrojack, ist gerade dabei sich an die Spitze der einflussreichsten Djs hochzuarbeiten und Dance-Blondie David Guetta vom Thron zu kicken.

In diesem Jahr wurde er auf den neunten Platz der legendären ‘Djmag Top 100’ gewählt. Jetzt will es der zeitweilige Kumpel von Paris Hilton wissen und hat gerade sein erstes Album auf den Markt gebracht. Es trägt den Titel „Forget The World“ und kommt mit mehrere Songs, die quasi schon die Plätze als unsere Sommer 2014-Hymnem reserviert haben. klatsch-tratsch.de hat sich mit Afrojack über sein Album und seine Arbeit als DJ unterhalten.

Du hast bisher sehr erfolgreich als DJ, Produzent und Remix-Artist gearbeitet. War die Arbeit an deinem Debüt-Album sehr anders?
Natürlich ist es anderes, weil man nicht nur einen Song macht, sondern quasi einen 85-minütigen Song. Und das ist was. Das, wenn es einmal fertig ist, nicht mehr verändert werden kann. Du präsentierst dich selbst, gibst etwas preis und deswegen habe ich über zwei Jahre daran gearbeitet. Um sicher zu gehen, dass die Musik stimmt, dass der Vibe stimmt und dass alle Songs und Genres, die ich abdecken möchte, auf dem Album vertreten sind. Es war die Chance, meine Geschichte durch die Musik zu erzählen, was ziemlich cool war! Und das ist wahrscheinlich auch das Wichtigste wenn man es damit vergleicht, nur einen Song zu erschaffen.

Welche Bedeutung steckt hinter dem Albumtitel „Forget the World“?
Es ist meine Botschaft an alle meine Fans und all die Leute, denen es bislang nicht möglich war, ihre Träume zu verwirklichen oder überhaupt damit zu beginnen, sie zu verwirklichen. Ich möchte, dass sie wissen, dass alles möglich ist – das einzige was sie tun müssen, ist zu vergessen, was andere Leute sagen oder denken. Nur dein Kopf und dein Herz müssen sich einig darüber sein, was sie wollen und dann musst du es raus in die Welt tragen! So ging es mir als ich 15/ 16 war. Ich habe die Schule verlassen obwohl ich es nicht wollte. Es hat sich angefühlt als ob es falsch wäre, weil es in der Gesellschaft üblich, ist zur Schule und zur Uni zu gehen, um anschließend einen netten Job in einer Bank zu bekommen und so weiter. Eigentlich war es meine Großmutter, die mir klar machte, dass ich nie glücklich sein würde, wenn ich nicht das tue, was ich tun will und was mich glücklich macht auch wenn es Leute gibt, die es vielleicht für falsch oder uncool halten.

Hat dir diese Botschaft auch schon selbst geholfen?
Als ich 15 war entschied ich: „Ich werde DJ !“. Die Leute sagten: „Nein, wirst du nicht! Das ist so dämlich, du wirst niemals ein DJ sein!“ Und natürlich hat mich das beschäftigt, aber ab einem gewissen Punkt habe ich es einfach ausgeblendet. Ich begann durchzustarten und einfach nur Musik zu machen, zu arbeiten und zu lernen, in Clubs zu gehen und einfach aufzulegen. Ausprobieren – das ist der einzige Weg, es zu schaffen. Es spielt keine Rolle, ob du vor 100 Leuten spielst oder vor Tausenden, das einzige was zählt, ist dabei glücklich zu sein. In den kompletten letzten sieben Jahren war ich genauso glücklich wie zu Beginn meiner Karriere – es ist genau dasselbe Gefühl. Als mich das erste Mal jemand als DJ bezeichnet hat, war es etwas sehr Besonderes. Es hat mich wirklich stolz gemacht, es war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich bin ein DJ – das ist das einzige was zählt – und es spielt keine Rolle, ob ich um die ganze Welt fliege oder in einem Club auflege. Was immer du tust oder was immer du sein willst oder werden willst: du musst die Welt vergessen – und um die Welt zu vergessen, brauchst du mein Album (lacht). Nein, aber das ist die Botschaft dahinter.

Und hat dir diese Botschaft auch bei der Arbeit an deinem Album geholfen?
Hätte ich das nicht gemacht, würdest du denselben Mist hören, den ich die letzten zehn Jahre gemacht habe, und das nur, weil das jeder mag. Natürlich sagen die Leute: „Mach einfach das, was du immer schon gemacht hast!“, aber wenn du darauf hörst was andere Leute dir sagen, dann würden die anderen Leute deine Musik machen. Darum ist der Sound komplett neu – er ist etwas verrückt und er beinhaltet verschiedene Genres. Einige würden ihn vielleicht sogar als experimentell bezeichnen und natürlich ist er das auf eine bestimmte Art und Weise auch, weil ich einfach keine Ahnung habe, ob ihn die Leute mögen werden oder nicht. Der Sound ist besonders, der Sound bin ich und er ist ehrlich! Ich denke, dass jeder in dieser Welt für sich selbst stehen und sich auf sein eigenes Leben konzentrieren sollte.

Auf deinem Album finden sich Features mit Wiz Khalifa, Snoop Dogg und Sting. Wie kam es zu diesen Zusammenarbeiten?
Das war ganz unterschiedlich – mit Wiz Kalifa war ich nicht mal im selben Studio. Die Zusammenarbeit mit Sting entstand durch einen gemeinsamen Freund – Martin Kierszenbaum – er spielte Sting den Song, den ich eigens für ihn geschrieben habe, vor und es hat ihm wirklich gefallen. Martin hat uns zusammen in ein New Yorker Studio gebracht, um den Song aufzunehmen. Das war ziemlich abgefahren. Es ist ein wirklich verrücktes Gefühl, wenn du neben Sting sitzt und deine eigene Platte mit ihm machst. Es ist so: „Ok! Das ist Sting! Ich muss etwas wirklich gut gemacht haben, wenn Sting mein Song gefällt!“ Mich kümmert es nicht so sehr was andere Leute möglicherweise über den Song denken könnten. Sting liebt ihn, er kennt sich mit Musik gut aus und deswegen bin ich ziemlich glücklich damit.

Mit Snoop Dogg hast Du den Track „Dynamite“ aufgenommen.
Mit Snoop Dogg habe ich zusammen in Amsterdam in meinem Studio gearbeitet. Es war so in etwa „… lass uns ins Studio gehen und ein paar Tracks aufnehmen“ und das haben wir dann gemacht. Im Studio mit ihm zu sein, hat viel Spaß gemacht – Snoop D-O-Double Jizzle. Ich habe ihn schon vorher ein paar Mal getroffen. Wir haben auf einigen Parties zusammen aufgelegt. Er ist toll. Es ist Snoop Dogg! So wie man sich ihn vorstellt, so ist er! Als ich Snoop Dogg in den Videos sah, dachte ich immer: „Wow man, es wird so mega-cool sein, mit dir abzuhängen“. Und es war genauso, wie ich es vermutet hatte. Es war cool!

Du hast schon Remixe für Künstler wie Madonna, Beyoncé, Will.I.Am, Pitbull oder Leona Lewis gemacht. Lernst du diese Leute persönlich kennen oder läuft das alles rein geschäftlich über Plattenfirmen und Labels?
Man trifft viele Leute bei den Award Shows – ich habe Paul McCartney ein paar Mal getroffen. Diana Ross letztes Jahr. Eigentlich habe ich jeden Künstler getroffen, den du erwähnst und das ist wirklich cool! Sie kennen dich, weil du die Remixe für sie gemacht hast – wir haben zusammen abgehangen oder einen gemeinsamen Song gemacht.
Aber das Remix-Business ist meistens vom Label gesteuert, die fragen einen Remix an – das ist dann das übliche Geschäft. Aber wenn ich den Künstler mag und der Künstler es selbst will oder den Song mag, yeah, dann mache ich das natürlich! Über die Jahre habe ich auch einige Remixes umsonst gemacht.
Ich mag einige der Leute, die bei den Plattenfirmen arbeiten, aber wenn es darum geht, dass sie dir sagen was du tun sollst, dann reicht’s auch mal. Das ist wirklich schon einmal passiert. Die meisten Leute, die die großen Künstler managen, behandeln die kleinen Künstler wie Dreck. Es ist eine gute Sache, wenn man größer wird und dieses Spiel nicht mehr spielen muss. Ich liebe es, die Regeln zu brechen! (DA)

Fotos: AEDT/WENN.com, Universal Music