Donnerstag, 26. Juni 2014, 9:00 Uhr

"Finding Vivian Maier": Eine unglaubliche Geschichte kommt heute ins Kino

Die Geschichte ist so unglaublich, dass man denken könnte, die hat sich jemand ausgedacht. Doch die Story hinter ‘Finding Vivian Maier’ ist echt.

Vivian Maier (Foto unten im Spiegel) ist erst posthum wirklich bekanntgeworden. Einen Großteil ihres Lebens hat die 1926 geborene Amateur-Fotografin nämlich als Kindermädchen in Chicago gearbeitet.

Maier lebte als Nanny in Chicago und New York. Sie galt als exzentrische Frau, die nie ohne ihre Kamera das Haus verlies. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie Streifzüge auch in die Teile der Stadt, in der die weniger Privilegierten lebten.

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Zahlreiche Fotos zeigen Menschen in einem zufälligen, aber höchst berührenden Moment. So gab es auch Sitiationen, in denen sie, statt zu helfen, lieber fotografierte…

2007, zwei Jahre vor ihrem Tod, stieß John Maloof bei einer Versteigerung zufällig auf den Nachlass der total unbekannten Künstlerin: rund 100.000 Negative. Maier hat zudem 8mm-, sowie 16 mm-Filme hinterlassen, ihr Werk gilt als große Entdeckung.

Der Film berührt das Mysterium einer Frau, die ihr Leben für die Photographie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit Niemand teilte. Heute gilt Vivian Maier als eine der wichtigsten Straßenfotografen des 20. Jahrhunderts.

‘Finding Vivian Maier’ ist die spannende Spurensuche im Leben einer Frau, die ihre Umwelt und sich selbst in bewegenden Momenten auf ihren Fotos festhielt – selbst aber keine Spuren hinterließ. Die Person Vivian Maier bleibt ein Geheimnis.

Regisseur Charlie Sisjkel sagte dazu: “Maier war eine Art Spionin. Sie dokumentierte das Leben auf der Straße – oft mit den ihr anvertrauten Vorortkindern im Schlepptau. Sie nahm die Menschen auf, wie sie aussahen und wo sie sie fand – in den Viehhöfen, Slums und auch in den Wohnvierteln selbst. Als Ku?nstlerin war Maier eine Außenseiterin – deshalb entwickelte sie Sympathie für die Randexistenzen, die sie oft fotografierte. Doch die Besessenheit, mit der sie ihre Kunst betrieb, forderte einen hohen Preis.”

Regisseur John Maloof fügter hinzu: Meine Besessenheit spornte das Team an, rund um die Welt eine große Anzahl von Interviews und merkwürdige Geschichten zu sammeln. Wir fanden etwa hundert Menschen, die mit Vivian Maier in Kontakt gekommen waren. Im Film lassen wir diese Personen selbst zu Wort kommen. Hoffentlich erscheint diese Geschichte ehrlich und authentisch, hoffentlich lüftet sie nicht nur das Geheimnis einer mysteriösen Künstlerin. Hoffentlich erzählen wir eine Story, die die Geschichte der Fotografie verändert hat.”

Maloof und Siskel zeichnen das Porträt dieser Frau, zeigen ihre Fotos und Filme. Dem Mensch Vivian Maier versuchen sie durch Interviews mit ihren ehemaligen Kindern und Auftraggebern näher zu kommen. Ab heute läuft der Film in den deutschen Kinos. (KT/dpa)

Fotos: NFP