Samstag, 28. Juni 2014, 10:43 Uhr

Sylvester Groth: Deutsche TV-Schauspieler nicht gut behandelt

Schauspieler Sylvester Groth (“Polizeiruf 110”) ist unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen beim deutschen Fernsehen.

“Hier geht es zu viel um das Finanzielle und nicht mehr um das, was vor der Kamera stattfindet”, sagte der 56-Jährige jetzt der ‘Neuen Osnabrücker Zeitung’. “Diese ständige Verknappung von Drehtagen ist bereits jetzt schon heikel, weil man einfach nicht mehr die Ruhe hat, etwas auszuprobieren. Auch wenn ein Drehbuch ganz toll geschrieben scheint, muss doch die Zeit da sein, mal zu gucken, ob nicht noch etwas Besseres da ist.”

Beim Fernsehen würden die Schauspieler “nicht gut behandelt”, klagte Groth: “Wenn man dann mal im Ausland arbeitet, merkt man schon, wie wichtig ein Schauspieler ist, dass er sich wohlfühlt, in die Lage versetzt wird, seinen Beruf auszuüben, und nicht mit tausend Problemen konfrontiert wird, die ihn gar nichts angehen.”

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Als besonders nervend empfindet der Schauspieler “diese dämliche Diskussion”, ob es für die Schauspieler am Drehort einen Wohnwagen oder eine Garderobe gibt: “Verdammt noch mal, es ist doch die Grundvoraussetzung, dass ich mich mal zurückziehen und auf die nächste Szene vorbereiten kann. Aber hierzulande denkt man dann immer gleich, ich hätte sie nicht alle, ich stelle Ansprüche. Das ist kein Anspruch, das ist die Grundvoraussetzung, sonst braucht man doch gar nicht erst anfangen. Soll ich mich etwa auf der Straße umziehen?”

Am kommenden Sonntag (6. Juli) ist Groth in ‘Abwärts’ zum zweiten Mal in der Rolle des Magdeburger ‘Polizeiruf’-Kommissars Jochen Drexler zu sehen. Privat setzt der 56-Jährige auf regelmäßige Ayurveda-Kuren: “Das ist mir ganz wichtig zur Entgiftung des Körpers. Ich versuche, es jedes halbe Jahr zu machen, manchmal schaffe ich es aber auch nur einmal im Jahr.”

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Dabei bevorzuge er “die Turbovariante über zehn oder elf Tage. Dadurch, dass ich es ziemlich regelmäßig mache, erinnert sich der Körper schneller, und der Effekt setzt früher ein. Das ist unheimlich anstrengend, gerade am Anfang bin ich immer ziemlich fertig und denke: Warum tue ich mir das eigentlich an? Aber am Schluss weiß ich dann, wofür es gut war. Es kippt plötzlich um, auf einmal ist die Energie da, man sieht anders aus und hat eine andere Ausstrahlung. Und vor allem komme ich zur Ruhe, bin nicht mehr so hibbelig. Das ist wirklich toll.”

Foto: MDR/Oliver Feist