Samstag, 05. Juli 2014, 17:56 Uhr

Manuel Neuer: Der Teufelskerl, der alles richtig macht

Der unangefochtener Liebling der WM in Brasilien ist zweifelsfrei der deutsche Nationaltorhüter Manuel Neuer. Und längst ist er auch ein Internet-Star. Nicht nur auf Twitter wird er gefeiert.

4. Juli 2014. Brasilien, Maracana-Stadion, WM-Viertelfinale, kurz vor acht. Nachspielzeit im Spiel der europäischen Rivalen Deutschland gegen Frankreich. Der Franzose Karim Benzema schießt aus kurzer Distanz kraftvoll auf das deutsche Tor. Er trifft nicht. Reflexartig, einer Maschine gleich, schnellt blitzartig der Arm des Nationaltorhüters nach oben. Mit seiner Hand, und nicht wie der erste Eindruck erweckt, der Querbalken, entschärft Manuel Neuer die Großchance der Franzosen in allerletzter Sekunde.

Diese Szene ist exemplarisch für sein bisheriges Turnier-Auftreten. Manuel Neuer ist vielleicht der wichtigste Baustein in der Mannschaft von Bundestrainer Jögi Löw. Sein rechtzeitiges Fitwerden nach dem Schulterproblem war und ist für das Team überlebenswichtig. Mit seinen nunmehr 28 Jahren zählt das “Reflexmonster” (Jargon n-tv) zu den älteren, zu den erfahrenen Spielern und neben Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zu den Führungsspielern.

Mehr zum Thema: Mats Hummels und Manuel Neuer zu sexiesten Nationalspielern gekürt

Neuer, der Junge aus Gelsenkirchen, den die Schalker Fans noch immer vergöttern und die Bayern-Anhänger immer mehr, hatte es nach dem Bekanntwerden seines Wechsels zum FC Bayern mit beiden Seiten schwer. Die Anhänger der Königsblauen sahen den Mann mit der Superfaust als Verräter, für die Bayern-Anhänger war er ebenfalls unwillkommen. Untermauert wurde dies mit den bekannten „Koan Neuer“-Transparenten. Unbeirrt von allem spielte Neuer sein Spiel. Unaufgeregt, diszipliniert und vorbildlich im Einsatz. Diese Eigenschaften zeichnen ihn heute mehr denn je aus.

Bemerkenswert ist seine scheinbar gelassene Präsenz, die , 1,93m und 93kg schwere große Modelathlet ausstrahlt. Für die eigenen Spieler Antrieb, für den Gegner das Gefühl, eine Mauer befände sich im Tor. Seine Ruhe, Eiswasser statt Blut fließt durch seinen Körper, sein Mitspielen, sein Antizipieren, mögliche Chancen des Gegners schon im Keim ersticken lassen, seine Athletik und nicht zuletzt sein Grundlinienspiel, auch das Herauslaufen auf’s Feld ist konstant sehr gut geworden. Nicht jeder begrüßt das risikobehaftete Spiel Neuers, doch bleibt er auch in solch Situationen cool und weiß sich zu behaupten, wie er der ‘Bild’-Zeitung erklärte: „Ich habe in der einen oder anderen Situation Kopf und Kragen riskiert. Aber wenn ich Angst hätte, würde ich auf der Linie bleiben. Das ist wirklich ein schmaler Grat.“

Medien ziehen längst Vergleiche mit anderen Torhüter-Größen. ‚Die Welt‘ titelt: „Kahn war das Gesicht des Bösen. Neuer ist eher einer zum Knuddeln.“ Und die Bild-Zeitung nennt den hübschen Kerl einen „ganz normalen Helden“.

Manuel Neuer: so cool, so stark, so Neuer! Im Halbfinale und hoffentlich auch im Finale wird er wieder versuchen sein Tor sauber zu halten, dass die gegnerischen Spieler an der Weltklasseleistung des deutschen Torhüters verzweifeln werden. Das gönnt ihm ganz Fußball-Deutschland.

Manuel Neuer – ein Teufelskerl, ein Torhüter, der auf der Welt seinesgleichen sucht. Er ist vor allem auch ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck trägt – was seine Stiftung für sozial benachteiligte Kinder zeigt. Seit 2010 engagiert sich der Torwart mit seiner „Manuel Neuer Kids Foundation“ für benachteiligte Kinder im Ruhrgebiet. Sein Credo : „Mit der Kids Foundation möchte ich mein Glück teilen und meiner sozialen Verantwortung gerecht werden, indem ich benachteiligten Kindern in meiner Heimat etwas von dem zurückgebe, was ich in meiner Jugend haben durfte: Chancen und Perspektiven für mein Leben“, schreibt Neuer auf der Seite seiner Stiftung.

Auf Facebook folgen Neuer mittlerweile über über 4 Millionen, dort erfahren sie auch, was er in seiner Freizeit macht. So spielt Bayerns Stammkeeper gerne Tennis und Tischtennis, aber auch Snooker, Billard und Dart und gelegentlich mit Spielern der Nationalelf Schafkopf. Und er veranstaltet mit seinem ein Jahr älteren Bruder Marcel, der ist weniger blond und Schiedsrichter in der DFB-Klasse, an der Playstation gerne mal Karaoke-Duelle. Dieser sagte mal stolz im Interview mit ‚Der Westen‘: „Manuel hat für seinen Erfolg hart gearbeitet, auf vieles verzichtet, worauf ich nicht hätte verzichten wollen. Für ihn gab es nur die Schule und den Fußball“, erklärt Marcel.

Ach und wer ist die Frau an seiner Seite, die ihn offensichtlich stärkt und diese “eiskalte” Ruhe gibt? Der 28-Jährige ist seit 2008 mit der 30-jährigen Friseurin Kathrin Gilch liiert, die er Medienberichten zufolge im Urlaub kennengelernt haben soll. Bald will das Paar von München an den Tegernsee in eine neugebaute Villa umziehen, berichtete das Magazin ‚Joy‘ jüngst. (FE)

Mehr zum Thema: Top-Quote – Bis zu 29 Millionen sahen Frankreich – Deutschland

Fotos: ATP/WENN.com, Clive Rose/Getty Images for Sony