Dienstag, 08. Juli 2014, 13:39 Uhr

Diane Kruger, wie deutsch sind Sie eigentlich noch?

Die amerikanische Serie ‘The Bridge’ über eine Mordserie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ist bei Publikum wie Kritikern gleichermaßen beliebt.

Der Erfolg der Produktion, in Deutschland als ‘The Bridge – America’ (u.a. mit Franka Potente) im Bezahlsender Fox zu sehen, ist auch der Erfolg von Diane Kruger. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt sie, wie die Deutschen gesehen werden, wie sie selbst wirklich ist – und wie differenziert Frankreich sie sieht.

Frau Kruger, ‘The Bridge’ ist wie so viele erfolgreiche Serien ein Krimi, ein Thriller. Warum läuft Mord und Totschlag so gut?
Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Aber vielleicht ist der Grund, weil wir so etwas normalerweise nicht sehen. Es ist doch faszinierend, was so im Underground alles passiert, wie das System funktioniert. Und wozu Menschen fähig sind.

Ist das nur ein amerikanisches Phänomen?
Das glaube ich nicht. Aber das Thema Grenzstädte finde ich hochinteressant. Das war auch der Grund, warum ich dabei sein wollte. Die gewaltigen Unterschiede zwischen zwei benachbarten Städten und die daraus resultierenden Konflikte, das finde ich absolut faszinierend. In Europa haben wir diese großen Unterschiede wie zwischen den USA und Mexiko natürlich nicht.

‘The Bridge’ gehört zu einer Reihe von Serien, die mit einem Aufwand produziert werden, denn man sonst nur von Kinofilmen kennt. Warum gibt es so etwas in Deutschland nicht?
Ich weiß gar nicht, ob es so etwas in Deutschland nicht gibt. Aber der Hauptgrund könnte natürlich sein, dass amerikanische Serien und Filme auf der ganzen Welt gesehen werden. Aber was aus Deutschland ist schon weltweit zu sehen? Wenn man also nur für einen kleinen Markt produziert, muss sich auch der Aufwand in Grenzen halten. Da hat man in Amerika einfach mehr Freiheiten.

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Ihre Figur ist sehr reserviert, geradezu unterkühlt. Sind Sie auch so?
Nein, die Rolle ist sehr weit weg von mir. Sonya Cross kann zum Beispiel alles um sich herum völlig ausschalten, das kann ich nicht. Ich halte mich im Gegensatz zu ihr allerdings auch für einen sehr herzlichen Menschen, auch wenn meine Freunde und Bekannten immer wieder betonen, dass ich sehr deutsch sei.

Ist das ein Kompliment? Oder gerade nicht? Die Deutschen gelten in Amerika ja als sehr effizient, aber eben nicht gerade spontan und humorvoll. War das auch ein Grund, warum Sie die Rolle bekommen haben?
Das kann ich mir gut vorstellen. Wir Deutschen sind ja auch sehr reserviert. Wir sind anders, wie gehen nicht sofort auf jeden zu und sagen, hey, wie geht es Dir. Wir sind etwas distanzierter. Vielleicht hat man das auch bei mir gesehen.

Werden Sie denn noch als Deutsche wahrgenommen? Oder absorbiert Amerika solche Unterschiede?
Wenn man einen Akzent hat, schränkt das natürlich ein. Aber ich bemühe mich sehr und ich glaube, mittlerweile muss man schon ziemlich genau hinhören. Obwohl das richtig Arbeit ist! Ich versuche sogar regionale Akzente, gerade zum Beispiel in einer Rolle als eine Frau aus Kentucky. Aber natürlich werde ich von vielen immer noch als die Deutsche gesehen.

Wie deutsch sind Sie denn noch?
Ach, das bleibt immer drin. Ich bin nach wie vor gerne in Deutschland. Ich bin allerdings in vielerlei Hinsicht auch eher Französin. In ein paar Tagen fliege ich nach Hause nach Paris. Der Lebensstil liegt mir mehr. In Frankreich sieht man das bei mir übrigens sehr differenziert: Wenn ich in einem guten Film mitspiele, dann bin ich francoallemand, ist der Film schlecht, dann bin ich nur Deutsche.

Sie sprachen gerade von Paris als Ihr Zuhause. Können Sie sich auch vorstellen, wieder in Deutschland zu leben?
Ehrlich gesagt nicht so richtig. Ich liebe Deutschland, und meine Eltern und Geschwister leben da, meine Großeltern sogar immer noch in meinem kleinen Dorf, in dem ich aufwuchs. Ich habe aber die größte Zeit meines Erwachsenenlebens im Ausland verbracht. Mittlerweile habe ich mehr in Frankreich als in Deutschland gelebt. Ich fühle mich im Ausland immer als die Deutsche. Aber trotzdem fühle ich mich in Deutschland inzwischen fremd.

ZUR PERSON: Diane Kruger wurde 1976 als Diane Heidkrüger in Algermissen bei Hildesheim geboren. Nach Anfängen beim Ballett wurde sie bald Model in Paris und nahm auch Schauspielunterricht. Ihren Durchbruch hatte sie 2004 als schöne Helena in Wolfgang Petersens ‘Troja’. In ‘Das Vermächtnis der Tempelritter’ spielte sie an der Seite von Nicolas Cage und in Quentin Tarantinos ‘Inglourious Basterds’ neben Brad Pitt. ‘The Bridge – America’ ist eine US-Adaption der dänisch-schwedischen Serie ‘Die Brücke’.

Fotos: WENN.com