Samstag, 12. Juli 2014, 15:00 Uhr

Y’akoto: Diese Soulgranate muß man 2014 auf dem Schirm haben

Hamburg entwickelt sich womöglich zur neuen deutschen Soulmetropole. Nach Oceana kommt mit Y’akoto eine neue heiße Granate aus der Hansestadt.

Im Leben von Jennifer Yaa Akoto Kieck alias Y’akoto ist in den vergangenen zwei Jahren unglaublich viel passiert. Und die Transformation in die Künstlerin, die sie heute ist, war so aufregend und abwechslungsreich und groß, dass man sich im Strudel der Ereignisse schon mal kurzfristig verlieren kann.

Immerhin ist ihr gefeiertes Debütalbum ‘Babyblues’ in Deutschland wahnsinnig gut aufgenommen worden, wurde von der Musikpresse zum neuvertonten Vermächtnis verdienter Voll-Vokalistinnen wie Billie Holiday und Nina Simone erklärt und hat mit seiner Mischung aus Folk, Pop und Singer/Songwriter-Soul mit Afro-Approach mal kurzerhand ein neues Genre namens Soul Seeking Music aus der Taufe gehoben.

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Nicht zu vergessen die erfolgreiche Veröffentlichung der Platte in den USA, das Avancieren ihrer Single ‘Without You’ zum Radio-Hit in Italien und die unzähligen Shows, die Y’akoto mit so gestandenen Künstlerinnen wie Erykah Badu, Nneka und Joy Denalane bestritten hat.

Jetzt veröffentlichte sie die erste Single ‘Perfect Timing’ aus ihrem am 22. August erscheinenden Album ‘Moody Blues’. Die Hamburger Sängerin macht in dem Stück zugleich deutlich, dass dieses “Perfect Timing“ weniger ein einzelner Moment ist, sondern vor allem ein Gefühl.

„Ich habe irgendwann aufgehört, immer zwanghaft zu versuchen, diesen einen Zeitpunkt zu erwischen und mich von der Angst leiten zu lassen, ihn zu verpassen“, erklärt Y’akoto. „Es geht vielmehr darum, sich davon frei zu machen; sich einfach treiben zu lassen. Denn dann entstehen solche besonderen Momente ganz von selbst.“

Und ‘Perfect Timing’ ist das formvollendete und in Töne getünchte Ergebnis dieser Erkenntnis; ein relaxter Soul-Tune, dessen instrumentierte Lockerheit sich bewusst gegen die gehetzte Rastlosigkeit unserer Zeit stellt – und gerade deshalb überhaupt erst jenen Moment kreiert. „Now I have stopped trying to beat the rush to be ahead of my game for the perfect timing/I’ll just stay here/let go of my fear/of being in control“, singt Y’akoto – und lässt das Stück durch die treffende Verbalisierung ihrer Sichtweise binnen dreieinhalb Minuten zur selbsterfüllenden Prophezeiung anwachsen.

Thema des Stücks ist eigentlich eine unglückliche Liebesgeschichte, die durch die einnehmende Allgemeingültigkeit im Refrain jedoch fast ein wenig in den Hintergrund gerät.

Die naturgegebene Dringlichkeit von Y’akotos einzigartiger Stimme, ihr eingängiges Songwriting sowie die mitreißende Produktion von Mocky tun ihr übriges, um das Stück bereits nach dem ersten Durchlauf fest im Gehörgang zu verankern – und bis auf Weiteres dort zu belassen.

Fotos: Bob Pixel