Montag, 14. Juli 2014, 16:14 Uhr

Mario Götze, der Erlöser: Darum ist die Sportskanone jetzt eine Legende

Jogi Löw hatte ja so eine Vorahnung: “Jetzt zeig der Welt, dass du besser bist als Messi”, gab der Bundestrainer Mario Götze mit, als er in der 82. Minute für den etwas glücklosen Miroslav Klose im Finale der Weltmeisterschaft am Sonntagabend eingewechselt wurde.

Und in der 113. Minute der Verlängerung machte Götze das, was ihn auszeichnet, was wir bei der WM zu selten gesehen haben. Ein Geniestreich: raffinierte Annahme des Balles mit Brust, seinen Oberkörper zur Seite lehnend und per Volleyschuss an dem argentinischen Schlussmann vorbei in die Maschen. Dieses Tor brachte den vierten deutschen Stern und der Torschütze wird fortan in einem Atemzug mit den anderen WM-Siegtorhelden Helmut Rahn (1954), Gerd Müller (1974) und Andreas Brehme (1990) genannt.

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Marios Turnier war es bis zu der Einwechslung im Finale allerdings nicht. Anfangs in der Startformation, sogar als Torschütze in der Partie gegen Ghana gefeiert, verlor Götze wegen ungenügender Vorstellungen zu Recht seinen Stammplatz.

Und er rückte in die Kritik, wegen der Leistungen auf dem Feld und seines Verhaltens außerhalb. Gemeinsam demonstrierte der Hochbegabte mit seiner Freundin Ann-Kathrin Brömmel auch schon mal Arroganz und Lustlosigkeit. Götze war auf bestem Weg, als die große WM-Enttäuschung 2014 in die Geschichte einzugehen.

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Als Marios Stern einst bei Borussia Dortmund aufging, wurde er “Götzinho” genannt. Seine Spielfreude war brasilianisch, sein Talent atemberaubend. Dieser Spieler, so hieß es damals, sei ein Jahrhunderttalent; einer, der die Nationalmannschaft über Jahre prägen kann. Jedoch “Götzinho” rief den 22-Jährigen bei dieser WM keiner mehr – dabei würde das doch gerade zur Weltmeisterschaft am Zuckerhut ganz gut passen. Stattdessen kursiert immer öfter ein anderer Spitzname: “Pummelfee”. So riefen ihn die Kollegen einst, als er nach einer Verletzung ein paar Pfunde zu viel mit sich herumschleppte.

Auch bei dieser WM wirkte der gebürtige Bayer nie ganz so austrainiert und gehörte zu den umstrittensten Spielern im aktuellen DFB-Kader. Nicht wegen seines unbestrittenen Könnens am Ball, wohl eher wegen seiner Einstellung war er beim Bundestrainer nicht immer erste Wahl.

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Dann dieser eine Momemt gestern Abend, der goldene Moment, der ihn zur Legende macht. Schließlich hat mit seinem Tor erstmals eine europäische Mannschaft in Südamerika gewonnen! Über ein Was-wäre-wenn-nicht braucht man einer dieser Stelle echt nicht mehr nachdenken. Mit diesem Tor lässt Mario Götze alles bisherige verschwimmen, egal was er in seiner sportliche Karriere noch erreichen wird. Jogi Löw nach dem Spiel: “Götze ist ein Wunderkind, der immer so ein Spiel entscheiden kann.“

Jetzt wird wohl als nächstes die Werbeindustrie mit den Hufen scharren. (FE)

Fotos: SIPA/WENN.com, ATP/WENN.com, Martin Rose, Julian Finney/Getty Images for Sony