Montag, 14. Juli 2014, 22:51 Uhr

"Mistaken for Stranger": Ein abgefahrener Film über die Indie-Band "The National"

Matt Berninger (43) ist Leadsänger der schwer erfolgreichen Indie-Rockband ‘The National’: berühmt, begehrt und verdammt angesagt.

Sein neun Jahre jüngerer Bruder Tom ist Amateur-Horrorfilmer, findet Indie-Rock eine ziemliche Angeberei und würde in jedem Fall Heavy Metal vorziehen. Doch begeistert sind beide von der Idee, Tom könne die High-Violet-Tour von ‘The National’ – der Lieblingsband von Barack Obama – begleiten und einen abgefahrenen Dokumentarfilm über die Band drehen. Eine Gelegenheit für die Brüder, sich mit ihrer Kreativität und ihren Ambitionen gegenseitig zu inspirieren.

Wenn da nicht Toms gepflegter Chaotismus wäre und das schleichende Gefühl, trotz Splatter-Ästhetik irgendwie im Schatten des Bruders zu stehen.

In das kühle Understatement der Band führt Tom zwar eine wunderbare Rotzigkeit ein. Doch er verliert sein eigentliches Vorhaben bald aus dem Blick, feiert die Nächte durch, versinkt im Chaos – und geht der Band gehörig auf die Nerven. Schließlich wird Tom gefeuert und muss versuchen, aus dem Durcheinander der letzten Monate so etwas wie einen Film zu machen.

‘Mistaken for Stranger’ über die Band ‘The National’ ist eine filmische Ausnahmeerscheinung, die viel Humor und noch mehr Sturheit im selben Tourbus zusammenzwingt. Ein vergnügtes, radikales Porträt über ungleiche Brüder, über fatale Ambitionen und über eine der aufregendsten Indie-Rockbands der Stunde. Der Film läuft derzeit in den Kinos.

Im Interview mit dem Magazin ‘Neon’ (ab 14. Juli im Handel) sprachen beide Brüder über ihr Verhältnis. Matt sagte dazu: “Als ich aufs College ging, bin ich ausgezogen. An den Wochenenden war ich natürlich trotzdem oft zu Hause bei Tom und meinen Eltern. Ich habe versucht, ihm die Smiths oder Filme wie ‘Harold und Maude’ nahezubringen. Aber an dem Punkt hat er sich schon für andere Dinge interessiert.”

Matt hat versucht ihm Ratschläge zu geben, allerdings nicht in Liebessachen: “Es war ja nicht so, dass ich damals ein aufregendes Liebesleben hatte. (…) Man kämpft um die Aufmerksamkeit der Eltern. Man vermeidet Dinge, die die Geschwister tun oder tun wollen, weil man einzigartig sein will. Man muss eine eigene Identität generieren. Man will keine Kopie sein.”

Wenn Matt auf Tour war, hat er Tom oft angerufen: “Meistens nach Mitternacht nach einem Konzert, wenn ich so richtig deprimiert war, weil irgendwas nicht gut lief. Ich liebe es, mit Tom zu reden. Ich glaube aber, er hat das gar nicht so realisiert.”

Als beide zusammen auf Europa-Tour waren, hat Tom seinen Bruder Matt oft zum Lachen gebracht: “In jedem Club und jeder Bar auf der Welt gibt es ja diese Penis-Graffitis. Wir haben die immer abgefilmt. Einmal stand Matt nahe an der Wand. Im Kamerafokus sah man ein Herzchen, ein Peace-Zeichen, aber dann zoomte ich raus und sah, dass Matt ahnungslos vor einem gigantischen Penis stand.”

Fotos: Neue Visionen