Dienstag, 15. Juli 2014, 19:24 Uhr

Jason Mraz sucht den Sommerhit: Wie gut ist sein neues Album?

Mit einem Sommerhit kommt auch der Druck, den Erfolg zu wiederholen. Einer, der es gerade noch einmal versucht, ist der amerikanische Pop-Musiker Jason Mraz.

Vor nunmehr sechs Jahren, gehörte sein entspannter Song ‘I’m Yours’ zum Soundtrack des Sommers 2008. Mit ‘Yes!’ bringt er jetzt das zweite Album seitdem heraus. Der vorherige Versuch war recht erfolgreich, aber ein entwaffnender Chartstürmer wie damals war nicht drin.

Auf den ersten Blick fehlt er auch bei ‘Yes!’. Das neue Album ist erneut voll von eingängigen Melodien, Romantik und Ukulele-Klängen, die Musik plätschert vor sich hin, alles klingt sehr nett – aber dadurch auch irgendwie zahm. Die erste Single-Auskoppelung ‘Love Somebody’, die mit mehr Energie hervorsticht, packte Mraz gleich an den Anfang. Danach wird es ruhiger.

Allerdings war auch ‘I’m Yours’ erst ein verkannter Rohdiamant. Mraz versteckte das Lied erst in einer Akustik-Version als Single-Beigabe beim vorherigen Album. Erst die Begeisterung der Zuhörer brachte ihn auf die Idee, dass der Song es zu einem Radiohit bringen könnte.

Wie dem auch sei, Mraz – ein Naturfreund und Vegetarier – steht zu seiner Musik. Er wolle positive Stimmung vermitteln, erzählte der 37-Jährige jüngst in einem Interview mit der Online-Zeitung ‘Huffington Post’. Schon der Albumtitel ‘Yes!’ sei Programm. “Ja ist die Mutter aller positiven Worte. Wenn Sie ‘Ja’ sagen, wird etwas in diese Welt hineingeboren.”

Jason Mraz sagte zu seinem neuen Werk aber auch: “Das Album ist von Anfang bis Ende ebenfalls absolut großartig. Von ‘Rise’ bis ‘Shine’ ist die Platte eine sehr schlüssige Sache, die auf einem einheitlichen Sound basiert. Man erkennt die einzelnen Instrumente wieder, genauso wie die Stimmen der verschiedenen Sänger. Das Album klingt als würde es eine Geschichte erzählen. Es nimmt dich mit auf eine Reise, und es ermutigt dich, die Menschen in deinem Leben wertzuschätzen, Liebe zu verbreiten, dir selbst und anderen zu vergeben, und dich selbst zu akzeptieren. (…) Die Platte sagt dir, wie du anderen durch deine positive Einstellung helfen kannst. Es gibt ein paar konkrete Anregungen auf dem Album, aber im Großen und Ganzen findet darauf schlichtweg eine riesige Feier anlässlich der Großartigkeit des Lebens statt.”

Mraz ist ein Beispiel dafür, dass man es im Musikbetrieb nicht unbedingt ein Rabauke sein muss, sondern es auch mit einer netten Art recht weit bringen kann. Der Songwriter aus der Kleinstadt mit dem wenig poetischen Namen Mechanicsville im Bundesstaat Virginia sang sich erst durch die Kaffeehaus-Szene in San Diego. Sein Debütalbum von 2002 hieß ‘Waiting for My Rocket to Come’ und hatte noch recht überschaubaren Erfolg – aber mit der Zeit holte ihn tatsächlich eine Chart-Rakete ab. Er spielte im Vorprogramm von Alanis Morissette und den Rolling Stones, wurde für mehrere Grammys nominiert, die Alben verkauften sich stets gut.

Erst mit ‘I’m Yours’ gelang ihm aber das Kunststück, einen Song über ein Jahr in den Charts zu halten. Die 14 Titel von ‘Yes!’ klingen jetzt so auf Perfektion poliert, als hätte er sich unbedingt vorgenommen, diesen Erfolg zu wiederholen. (Andrej Sokolow, dpa, KT)

Fotos: Jen Rosenstein