Samstag, 19. Juli 2014, 13:53 Uhr

Marlon Roudette über sein Comeback und Ohrfeigen aus dem Publikum

Nachdem Marlon Roudette (31) vor wenigen Jahren mit seinen Hits ‘New Age’ und ‘Anti Hero’ Hits abgeliefert hat, die in den deutschen Radios ununterbrochen hoch- und runterliefern, ist es um den charismatischen Briten ruhig geworden. In der Zwischenzeit hat der Londoner ein neues Album aufgenommen, das jetzt in den Startlöchern steht.

klatsch-tratsch.de-Stsrreporter Dennis hat sich mit Marlon Roudette über sein neues Album, die Schattenseiten des Fames – inklusiver schlagender Fans und Stalker- sowie seiner Liebe zu Berlin unterhalten.

Am 8. August August erscheint Dein neues Album …
Ja, es heißt „Electric Soul“ und ich habe 18 Monate daran gearbeitet. Ich habe versucht ,die bestmöglichen Songs zu schreiben, um ein tolles Album abzuliefern. Ich wollte soviel Wahrheit und Gefühl wie möglich darauf packen. Ich habe wieder mit dem Team gearbeitet, die auch das London Grammar-Album gemacht haben. und wir haben sehr viel hier in Berlin für das Album aufgenommen. Ich denke es ist mein bisher reifstes Album.

Hast Du Features auf dem Album?
Nein, ich kann Dir auch eigentlich gar nicht sagen warum das so ist. Ich finde, dass Kollaborationen natürlich entstehen sollten. Um ehrlich zu sein, finde ich den Gedanke auch seltsam, dass mein Manager den Manager von einem anderen Künstler anspricht und die sich dann über eine mögliche Zusammenarbeit unterhalten. Ich bin eher so der Typ: Man ist in einem Raum und wenn die Chemie stimmt, dann macht man was zusammen.

Mehr zum Thema: Hier ist sein neues Video “When The Beat Drops Out”

Die beiden Hit-Singles von deinem letzten Album waren sehr erfolgreich in Deutschland. Wie hoch war für Dich der Druck mit Deiner neuen Musik an die alten Erfolge anzuknüpfen?
Ich bin schon lange in diesem Geschäft. Dadurch weiß ich wie ich am besten durch diesen Druck komme. Mein Label ist aber auch Gott sei Dank so locker, was diese Sache betrifft. Dadurch, dass die sehr viele erfolgreiche Künstler haben, sind die nicht so verbissen, wie andere. Denen ist auch bewusst, dass es etwas dauern kann, um ein fantastisches Album zu machen. Das steht für die auch im Vordergrund. Die sind so: Wenn du ein paar tolle Singles auf dem Album hast, dann ist das cool, aber wichtig ist das gesamte Album. Den größten Druck habe ich mir selbst gemacht. Ich bin auf dem Zenit meiner bisherigen Karriere, ich will gute und wichtige Alben machen. Deshalb kam jeglicher Stress echt von mir selbst.

Worum geht’s in deiner neuen Single ‘When The Beat Drops Out’?
Wenn du bekannt wirst oder Geld hast, dann fragen dich die Leute ständig, ob du dich da irgendwie verändert hat. Oft kommt „nein“ als Antwort. Aber es verändert in Wahrheit oft die Leute um dich herum. Es ändert deine Umstände und wie die Leute dich behandeln. In dem Song geht es um eine Beziehung in der ich die Person frage, ob sie noch bei mir ist, wenn all das positive um mich herum nicht mehr da ist. Ich glaube das ist eine Sache, die schon viele Musiker erlebt haben. Ich denke, dass HipHop und R&B die Bereiche sind, in denen es das am meisten gibt. Wenn du mal auf Drake guckst, der thematisiert das auch offen. Der sagt: Ich sitze auf 25 Millionen, ich sitze in einer krassen Villa, trinke Champagner mit meinen Jungs, aber ich denke nur an sie und sie ist nicht hier. Ich mag diese Sentimentalität. Frank Ocean macht das auch viel. Das ist so in etwa die Bedeutung.

Was war dein schrägstes Bühnenerlebnis?
Bei einem Auftritt im letzten Jahr bin ich von der Bühne runtergekommen und in den ersten 20 Reihen waren nur Mädchen. Die sind alle total ausgeflippt und haben herumgeschrien. Und da war ein Typ – ich weiß nicht ob er mit seiner Freundin da war oder so –  jedenfalls ist er von ganz hinten nach vorne gerannt und hat mir eine schallende Ohrfeige gegeben. Und weil ich das Mikrofon in der Hand hatte, hat man das in der ganzen Halle gehört (lacht).

Was hast Du Dir mit dem ersten Geld gekauft, das du mit deiner Musik verdient hast?
Eine Gitarre. Damals war ich 20 und habe meinen ersten Vertrag bekommen. Ich war total überwältigt, als ich mit diesem Scheck in der Hand da stand. Ich dachte mir „Wow! Soviel Geld hast du noch nie in deinem Leben gesehen“. Ich hatte auch das erste Mal das Gefühl, dass ich für meinen eigentlichen Job – die Musik – das erste Mal bezahlt wurde. Ich habe dann diese Verantwortung gespürt und mir gedacht: „Ich bin Songwriter und echte Songwriter haben Gitarren“. Damals konnte ich absolut noch gar nicht spielen. Das habe ich mir dann nach und nach beigebracht und dann sogar irgendwann ‘Big City Life’ und Teile von ‘New Age’ auf ihr geschrieben. Die Gitarre habe ich heute übrigens immer noch. Das Geld für die Gitarre ist quasi wieder drin (lacht). Die zweite Sache, die ich mir damals von meinem ersten Geld gekauft habe, war ein paar richtig cooler Jordans.

Liest Du die Kommentare bei Facebook und Youtube?
Ich versuche so viel, wie möglich zu lesen. Alle Postings bei Facebook kommen auch von mir selbst. Man muss dazu aber auch sagen, dass man da sehr viele seltsame Kommentare bekommt. Ich versuche deshalb ein bisschen selektiver zu sein, mit den Dingen, die ich lese, weil ich in der Vergangenheit so viele Stalker hatte. Vor allem bei Youtube bekommt man als Künstler sehr viele verletzende Dinge ab. Für Solokünstlerinnen muss das ja ein absoluter Albtraum sein. Ich bin mir sicher, dass es für Rihanna oder Katy Perry ziemlich heftig wäre, wenn sie diese Kommentare unter ihren Videos lesen würden. Mein einziges Problem mit der Sache ist, dass Leute Youtube als Vorwand sehen sich daneben benehmen zu können, weil sie wissen, dass sie im Vergleich zum realen Leben mit keinen Konsequenzen rechnen müssen. Ich würde mir in den sozialen Netzwerken tatsächlich ein bisschen mehr Respekt voreinander wünschen.

Du hast wegen den Albumaufnahmen sehr viel Zeit in Berlin verbracht. Du bist auch allgemein sehr viel hier …
Ja, das stimmt. Ich liebe Berlin. Diese Atmosphäre und dieses internationale Flair. Es erinnert mich sehr an London, nur ohne diesen Stress und ohne diese überteuerten Mieten. Ich hoffe das bleibt hier auch so, denn billige Mieten ziehen sehr viele Künstler an. Vor allem die, die pleite sind und die können mit ihrer Anwesenheit eine Stadt wirklich bereichern und inspirieren. Das finde ich eine tolle Sache. Ich tauche immer wieder gerne in diese Stadt ein. Also falls ‘When the Beat Drops Out’ auf eins gehen sollte, dann sollte ich mir hier echt eine Wohnung kaufen“.

Also ich höre schon raus: Du könntest dir vorstellen in Berlin zu wohnen …
Definitiv. Ich habe hier auch schon richtig viele Freunde. Meine Lieblingsgegend ist übrigens Prenzlauer Berg. Da wohnen viele tolle Musiker, die ich kenne. Beispielsweise Andreas Bourani. Diese Gegend bietet so viel. Wenn du Leuten über den Weg laufen willst, kannst du sie überall auf der Straße treffen, wenn du deine Ruhe willst, dann kannst du dich in ein kleines italienisches Restaurant oder ein Cafe setzen und bist komplett für dich.

ZUR PERSON: Benannt nach dem großen Marlon Brando, wuchs der heute 31-jährige Singer/ Songwriter als Kind größtenteils mit Soul und Reggae auf. Namentlich Acts wie Sam Cooke, Gregory Isaacs oder Dennis Brown, bis hin zu arrivierten HipHoppern wie Talib Kweli, The Roots und Mos Def. Geboren im Januar 1983 lebte er bis zu seinem 10. Lebensjahr in London, siedelte dann auf die karibische Insel St. Vincent über und kehrte schließlich mit 17 wieder in die britische Hauptstadt zurück. Doch auch moderne Einflüsse finden sich in Roudettes Sound wieder, der sich heute von angesagten R&B-Reformatoren wie Frank Ocean, Drake oder The Weeknd inspirieren lässt. Experimentierfreude, die auch die Vision des Nachfolgealbums zu seinem 2011er Debüt „Matter Fixed“ geprägt hat: Marlon Roudettes klangliche Vorstellungen von einer Art vornehmer Hochglanzdunkelheit; eine in sich geschlossene Einheit samtener Mitternachts-Schwärze, die sich deutlich spürbar über den Sound von „Electric Soul“ gelegt hat.

Fotos: Patrick Hoffmann/klatsch-tratsch.der/WENN.com