Sonntag, 20. Juli 2014, 22:41 Uhr

Erbarmungslos auf Droge: Scarlett Johansson ist "Lucy"

Ab 14.  August ist in  den deutschen Kinos Scarlett Johansson an der Seite von Morgan Freeman erstmals in einer Blockbuster-Hauptrolle zu sehen.

Lucy (Scarlett Johansson) wird gewaltsam in einen gefährlichen Handel verwickelt und gezwungen, ihren Körper als Depot für eine heikle Ware einzusetzen. Als sie sich einem der Kidnapper widersetzt, geraten die mysteriösen Drogen in ihren Blutkreislauf und lassen Lucy zu einer erbarmungslosen Einzelkämpferin mit übermenschlichen Kräften mutieren.

Frankreichs derzeit berühmtester Regisseur und Produzent Luc Besson realisierte nach Action-Filmen wie ‘Leon – Der Profi’, ’96 Hours’, ‘Taken’ und ‘Transporter’ mit ‘Lucy’ ein neues und visuell beeindruckendes Projekt.

Besson gefiel der Gedanke einer „durchschnittlichen jungen Frau“, wie er sie beschreibt, die übermenschliche mentale und körperliche Fähigkeiten entwickelt, als ihr Verstand sozusagen freigeschaltet wird. „Lucy hat Probleme, wie jeder andere auch“, sagt der Regisseur. „Sie weiß nicht recht, was sie aus ihrem Leben machen soll. Aber trotzdem gelangt sie schließlich zum ultimativsten Wissen, das sich in unserem Universum erreichen lässt.“

Produzentin Virginie Besson-Silla, die mit Besson bereits bei ‘Malavita – The Family’, ‘The Lady’ und ‘Adèle und das Geheimnis des Pharaos’ zusammengearbeitet hatte, berichtet, dass der Regisseur und Autor das Konzept für den Film letztlich zehn Jahre lang mit sich herumtrug: „Die Basis der Geschichte war da, aber ich glaube, Luc war noch nicht bereit. Er wollte die Sache wohl reifen lassen. Und so dauerte es all die Jahre, bis er sich des Projekts wieder annahm.“

Besson fand zwar auf Anhieb, dass das Konzept der erweiterten Hirn-Kapazitäten erstklassiges Material für einen Action-Thriller sei. Doch es ging ihm auch darum, dass die Geschichte von ‘Lucy’ zumindest teilweise auf wissenschaftlichen Tatsachen basiert. Der Filmemacher berichtet: „Nachdem ich mich mit einigen Wissenschaftlern getroffen hatte, war ich erstaunt, was sie mir alles erzählten: über Krebs, über Zellen und etwa die Tatsache, dass wir aus Milliarden von Zellen bestehen, die untereinander kommunizieren. Anscheinend sendet jede Zelle ungefähr 1000 Signale pro Sekunde. Das Internet ist nichts dagegen! Angesichts solcher Informationen brauchte ich ein paar Jahre, um die richtige Balance zwischen Realität und Fiktion zu finden.“

„Es ist eine Kombination aus Faktoren, die diese Geschichte möglich macht, nicht zuletzt wirklich böse Menschen und eine neue Art von Droge“, erklärt Besson den Plot des Films.

„Wobei es nicht eigentlich eine Droge, sondern eine natürliche Substanz namens CPH4 ist, die schwangere Frauen in der sechsten Woche entwickeln. Dazu kam mir diese Idee, die zumindest laut einiger Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, nicht vollkommen unlogisch ist. Wenn es einem gelingt, die Kapazitäten seines Gehirns zu öffnen und 20 Prozent zu nutzen, dann schafft man es auch, noch die nächsten zehn Prozent anzuzapfen. Und wenn man einmal 30 Prozent nutzt, dann hat man auch die Möglichkeiten, das auf 40 zu steigert. Und so geht das immer weiter, wie in einem Domino-Effekt. Lucy kolonialisiert also ihr Gehirn und kann diese Entwicklung gar nicht aufhalten. Sie will das letztlich gar nicht, und weiß eigentlich auch nicht, was sie damit machen soll.“

Für die Rolle wandten sich Produzentin Virginie Besson-Silla und Besson sich an Scarlett Johansson, die mit kleinen Filmen wie ‘Lost in Translation’ oder ‘Her’ (hier nur in einer Off-Sprechrolle) ebenso Erfahrung hat wie mit Action-Blockbustern wie ‘Iron Man 2’, ‘Marvel’s The Avengers’ oder zuletzt ‘The Return of the First Avenger’.

Ihre Disziplin beeindruckte den Regisseur, denn sie war von Beginn an stets präzise und professionell, wie Besson betont: „Als wir uns das erste Mal trafen, hatte Scarlett das Drehbuch bereits gelesen und mir gefiel, wie sie darüber sprach. Sie war aus genau dem richtigen Grund von dem Projekt begeistert, nämlich wegen der Geschichte. Für mich war die Sache von diesem Moment an geritzt. Sie war ohne Frage die Richtige für den Job!“

Johansson selbst erklärt, dass einer der Gründe, warum sie sich für die Rolle der Lucy interessierte, die Tatsache war, dass die Figur sich „in einer Übergangsphase ihres Lebens befindet, als wir sie kennenlernen. Sie findet gerade heraus, wer sie eigentlich ist, und hat das Gefühl, dass es an der Zeit ist, ihr Leben auf die Rolle zu bekommen.“ Doch die Schauspielerin begeisterte sich nicht nur für das Material, sondern auch für Bessons Vision. „Der Film stellt einige sehr komplexe existenzialistische Fragen“, meint Johansson.

„Es ist verdammt schwer, ihn sich losgelöst von Lucs Vision vorzustellen. Alles, was ich bezüglich des Looks des Films nach dem Lesen der Beschreibungen im Drehbuch im Kopf hatte, verblasst im Vergleich zu dem, was Luc tatsächlich aus dem Projekt gemacht hat.“

Fotos: Universal Pictures