Montag, 21. Juli 2014, 22:30 Uhr

Tiemo Hauer besser als je zuvor: Drittes Album "Camille" kommt

„Mit meiner Stimme aus Rost und meinem Herzen aus Blei, steh ich im Auge des Sturms und alles zieht an mir vorbei.“

Nur ein Satz. Ein kleiner Auszug aus dem dritten Studioalbum ‘Camílle’ von Tiemo Hauer. Unbeeindruckt von Erwartungen, Trends und Konventionen der Musikindustrie, steht Tiemo Hauer stets zu seinen Prinzipien und lässt sich nicht verbiegen. Er entwickelte sich selbstbestimmt vom einst 18-jährigen Jungen am Klavier, der mit eingängigen Pop-Balladen und blonden Locken der Mädchenwelt den Kopf verdrehte, zu einem ernstzunehmenden Musiker und Songwriter. Auf seinem eigenen Label „green elephant records“ lebt Hauer diese Konsequenz aber nicht nur in seiner eigenen Musik, sondern geht den nächsten logischen Schritt und unterstützt junge Bands wie ‘Kids of Adelaide’ oder ‘The Sunday Promise’, um auch anderen Künstlern den selben kreativen Freiraum zu geben, den er sich selbst mit dem eigenen Label geschaffen hat.

Musikalische Vielschichtigkeit und Texte, die unverschnörkelt und ehrlich die Höhen und Tiefen des Lebens beleuchten, zeichnen Tiemo Hauer aus. Eine Stimme mit enormem Wiedererkennungswert, die immer bewegt und nie nervt oder langweilt.

Der Sound des neuen Albums ist modern und neu für ihn. Mal ist er laut, mal leise, mal dramatisch inszeniert und dann aufs Minimum reduziert. Riesige Noise-Pop Arrangements laufen mit rauchig- melancholischen Indie-Balladen Hand in Hand durch die Stuttgarter Kneipenviertel, in denen man mal unvernünftig, mal traurig, mitunter viel zu besoffen, mal ehrlich zu sich selbst, mal voller Wut und mal voller Liebe ist. Ein Album zum Nachdenken, zum Laut-aufdrehen, zum Luft-ablassen und zum Träumen.

Tiemo Hauer ist mit seinen 24 Jahren endlich mal wieder ein Künstler, an dem man die natürliche Entwicklung im Laufe der Jahre hautnah miterleben darf. Hier lässt sich niemand von den Maschinerien der „Großen“ an die Spitze der Charts schießen, um ein Jahr später im Dschungelcamp pürierte Maden zu schlürfen.

Hier ist jemand älter geworden und hat sich entwickelt – hörbar entwickelt.

Fotos: Fabian Pfister