Donnerstag, 24. Juli 2014, 20:57 Uhr

Filmkritik: "Feuerwerk am helllichten Tage" - China kann auch Tarantino

Er war der Überraschungssieger der diesjährigen Berlinale. Jetzt kommt der mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Thriller “Feuerwerk am helllichten Tage” in die Kinos.

Der chinesische Regisseur Yinan Diao erzählt darin eine brutale Crime-Story um Liebe, Rache und sexuelle Gier – gleichzeitig aber auch viel über die Lebensverhältnisse in seinem Heimatland.

Und darum geht’s: Als im Jahr 1999 im Norden Chinas auf mehreren Kohlehalden menschliche Leichenteile gefunden werden, sind die Verdächtigen schnell ausgemacht. Doch bei ihrer Festnahme kommt es zu einer Schießerei, bei der die vermeintlichen Täter und auch zwei Polizisten ums Leben kommen. Der leitende Kommissar Zhang Zili wird schwer verletzt. Fünf Jahre später hat er den Polizeidienst quittiert und ist dem Alkohol verfallen. Als ein ehemaliger Kollege ihm von einem Fall erzählt, der erstaunliche Parallelen zu den damaligen Morden aufweist, ermittelt Zhang auf eigene Faust. Die Spur führt ihn zu der mysteriösen Wu Zhizhen, die mit allen bisherigen Opfern in Verbindung stand. Zhang taucht immer obsessiver in den Fall ein und verliebt sich schließlich in die schweigsame Schöne.

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Fan Liao, bei den Berliner Filmfestspielen für seine Rolle in dem harten Krimi als bester Schauspieler ausgezeichnet, spielt in ‘Feuerwerk am helllichten Tage’ den auf eigene Faust ermittelnden Ex-Polizisten Zhang. Die grausame Mordserie, deren Folgen ihn zum Alkohol haben greifen und depressiv werden lassen, holt den früheren Kommissar wieder ein.

Der Regisseur erzählt seine in viele Handlungsstränge verästelte Geschichte im Stil des Film noir. Kalte Winterbilder herrschen vor. Die Figuren agieren äußerst kühl, die Dialoge sind knapp und pointiert.

Vom Alltag im gegenwärtigen China zeichnet der Film ein düsteres Bild: In der harten Arbeitswelt ist der Umgangston rau. Gefühle und Mitmenschlichkeit zählen oft wenig. Das zeigt sich zum Beispiel in der Szene, als dem betrunkenen, sichtbar hilflosen Ex-Kommissar sein teures Motorrad geklaut wird. Der Täter lässt aber immerhin sein altes, klapperiges Moped zurück.

Die gnadenlosen, expressiv inszenierten Gewaltszenen erinnern an Werke von Quentin Tarantino. Yinan Diao nimmt Anleihen auch bei Claude Chabrol – ohne dabei aber dessen inhaltliche Stringenz zu erreichen. Am Ende läuft der Zuschauer Gefahr, sich im Gestrüpp der Handlungsfäden zu verheddern. (Elke Vogel, dpa)

Fotos: Weltkino