Sonntag, 27. Juli 2014, 18:55 Uhr

Jonathan Rhys Meyers: Smart, mysteriös und manchmal unheimlich

Im letzten Jahr war in der Kunsthalle Rostock die Ausstellung ‘Traumfrauen/Traummänner’ zu sehen, in der Starfotografen ihre Vision vom Ideal präsentierten. Na klar, auch ein Foto von Jonathan Rhys Meyers war darunter.

Den irischen Schauspieler mit den sinnlichen Lippen umgibt eine Aura des Geheimnisvollen – smart und mysteriös und manchmal unheimlich erscheint er. Das macht ihn perfekt für die Rolle des Dracula, den er 2013 in einer britischen TV-Serie spielte. Im viktorianischen England ist der Blutsauger auf Rache aus und verführt reihenweise Frauen.

Auch wenn die Serie nicht so erfolgreich war wie gedacht, sie wurde nach einer Staffel bereits eingestellt, war sie Jonathan Rhys Meyers auf den Leib geschneidert.

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Den Meisten dürfte der Schauspieler, der heute seinen 37. Geburtstag feiert, noch gut als König Heinrich VIII. aus der preisgekrönten britischen TV-Serie «Die Tudors» in Erinnerung sein. Den charismatischen Herrscher mit dem unstillbaren Verlangen nach Frauen, von denen er sich teilweise durch den Tod trennte, spielte er mit faszinierender Verve.

Als ein Wiedergänger David Bowies wurde Jonathan Rhys Meyers mit dem Film ‘Velvet Goldmine’ (1998) bekannt. Darin beschreibt der amerikanische Independent-Regisseur Todd Haynes die Glam-Rock-Ära exemplarisch am kometenhaften Aufstieg von Brian Slade (Jonathan Rhys Meyers) und an den Ereignissen, die dazu führen, dass der Superstar seinen eigenen Tod inszeniert.

Ein weiterer Meilenstein war Woody Allens elegantes Krimidrama ‘Match Point’ (2005). Darin spielt er einen jungen, ehrgeizigen Tennislehrer, der alles daran setzt, in die besseren Kreise aufzusteigen. Der blendend aussehende und aufschlagende Typ wird schließlich zum geachteten Schwiegersohn in einer steinreichen Dynastie – auch um den Preis von zwei Morden. In diesem Film konnte man einen Charakterdarsteller entdecken. Rhys Meyers verlieh diese Figur unheimlich-abgründige Züge. Den Burschen hätte Patricia Highsmith nicht besser erfinden können.

Der gebürtige Dubliner kommt selbst aus bescheidenen Verhältnissen. Als er drei Jahre alt war, verließ sein Vater die Familie. Jonathan, seine Mutter und die drei jüngeren Brüder mussten allein klarkommen. Eine Zeit lang war der Älteste im Waisenhaus. Mit 16 verließ er die Schule und wurde von dem Agenten einer Agentur in einer Pool-Halle entdeckt. Dies führte zunächst dazu, dass der Nobody in einem landesweit ausgestrahlten Werbespot für Suppen auftrat.

Filme mit Michael Jordan (‘Michael Collins’), das Fußball-Feel-Good-Movie ‘Kick It Like Beckham’ oder der Action-Blockbuster ‘Mission Impossible III’ mit Tom Cruise gehören ebenfalls zu seiner Filmographie. Keine schlechte Bandbreite für einen Autodidakten, der kühn behauptet: “Die Schauspielerei ist der leichteste Job. Du musst nur deinen Text sagen”, hat er mal gesagt. “Ich war nie auf einer Schauspielschule und ich werde nie eine besuchen, so lerne ich das Handwerk von den Leuten am Set. Es scheint mir so, als würde ich gar nicht arbeiten. Und das Unbekannte ist immer aufregend.”

Fern des Sets hat sich Jonathan Rhys Meyers den Ruf eines Partylöwen erworben, was ihm aber gepflegt auf die Nerven geht. “Dieses ganze Rabauken-Zeug ist absoluter Blödsinn. Niemand weiß irgendetwas über mein Leben, um ehrlich zu sein. Die Leute erfinden einfach Geschichten über dich”, sagte Meyers dem britischen Magazin ‘Short List’. “Ich hasse es, wenn solche Geschichten über mich veröffentlicht werden, weil ich die meiste Zeit ein ganz ruhiges Leben führe.”

In dieser ruhigen Zeit malt er, macht Musik, liest viel, sammelt japanische und moderne Kunst oder schaut sich auch mal «einfach etwas Sinnloses im Fernsehen an», wie der Schauspieler dem ‘Cosmopolitan’ verriet.

Ab 4. September ist Jonathan in dem Thriller ‘Another Me – Mein zweites Ich’ (siehe Szenenfoto) zu sehen. (dpa)

Fotos: WENN.com, FOX