Mittwoch, 30. Juli 2014, 21:29 Uhr

Die Fernbedienung feiert in Deutschland 60. Geburtstag

Die Fernbedienung wird in Deutschland 60 Jahre alt. Darauf machte heute die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) in Frankfurt aufmerksam.

“1954 sorgten die ersten Kabel-Fernbedienungen für Aufsehen”, erläuterte GFU-Sprecher Roland Stehle die ersten Schritte bei Radio- und Fernsehapparaten.

“Zunächst als Schöpfung modernster Technik gefeiert, erhielten sie allerdings schon schnell überlegene Konkurrenz: 1956 erschienen erste drahtlose Ultraschall-Modelle.”

Da die ARD bis zum Sendestart des ZDF 1963 die einzige TV-Kette der Bundesrepublik war, gab es am Fernseher erst nicht viel zu schalten. “Für den deutschen Markt war diese Erfindung völlig widersinnig”, sagte Museologe Bernd Kießling vom Technoseum in Mannheim der Nachrichtenagentur dpa. “Die deutschen Hersteller lieferten aber sehr viel in die USA.” Dort gab es schon mehrere landesweite TV-Sender und auch regionale Stationen. Deutschland brauchte lange Zeit, um da aufzuholen. Bis dahin ging es um Ein und Aus und laut und leise. Das Phänomen des Herumzappens zwischen den Sendern sei hier erst mit dem Kabelfernsehen in den 80er Jahren aufgekommen, sagte Kießling.

Genau auf den Tag lasse sich die Geburtsstunde der Fernbedienung in Deutschland nicht ermitteln, sagte der GFU-Sprecher. Erste Modelle hatte es 1948 in den USA gegeben. Deutschland war in diesen ersten Nachkriegsjahren noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt. “1954 gab es viele neue Entwicklungen», ergänzt Rundfunk-Experte Kießling. “Es lag in der Luft. Es war wieder Geld da, solche Artikel zu kaufen.”

Fernbedienungen gehörten in den frühen Jahren freilich nicht zur Standardausstattung. Sie wurden separat verkauft. Erst im Jahr 1975 kamen die ersten Fernsehgeräte auf den Markt, die serienmäßig mit Fernbedienungen ausgestattet waren, erinnert die GFU.

In den allerersten Jahren habe es bemerkenswerte Experimente mit Ultraschall gegeben, schilderte Kießling. Bei einem Modell sei der Fernseher ein- und ausgeschaltet worden, indem Zuschauer in “eine Art Hundepfeife” pusten mussten. “Die noch nicht sehr zuverlässige Ultraschall-Technik gehörte schnell zum alten Eisen”, sagt auch Stehle. “Sie wurde durch Infrarot- und Funk-Übertragung abgelöst.”

Die GFU-Experten gehen davon aus, dass sich in Deutschlands Haushalten aktuell weit mehr als 125 Millionen Geräte der Unterhaltungselektronik mit Fernbedienung befinden – für Fernseher, Videorekorder, HiFi-Anlagen, DVD-Spieler und Festplatten-Receiver. (dpa)

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