Mittwoch, 30. Juli 2014, 20:39 Uhr

Filmkritik "Jersey Boys": Musical von Clint Eastwood über die "Four Seasons"

Keine Spur von Glamour: Der junge Frankie Castelluccio wächst in einem ärmlichen Arbeiterviertel von New Jersey auf. Es ist das Jahr 1951, er jobbt als Friseur.

Die Mafia gibt den Ton an. Seine Freunde sind kleine Gauner und Diebe, die vom großen Geld träumen. Er werde einmal so berühmt sein wie Frank Sinatra, trumpft der Italo-Amerikaner beim ersten Date mit seiner späteren Frau in einem schummrigen Diner auf. Er legt sich den Künstlernamen Frankie Valli zu und wird als Leader der Band The Four Seasons tatsächlich berühmt.

Die Popgruppe zählte zu den wenigen Bands, die in den frühen 60er Jahren den Beatles Konkurrenz machte und die Hitparaden stürmte. Wem der Name Valli heute nichts mehr sagt, der kennt vielleicht noch seine extrem hohe Falsettstimme und den Jukebox-Sound von Ohrwürmern wie ‘Sherry’, ‘Big Girls Don’t Cry’, ‘Walk Like A Man’, ‘Working My Way Back To You’ und ‘Can’t Take My Eyes Off You’.

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Hollywoods Ex-Revolverheld und “Dirty Harry”-Cop Clint Eastwood (84) hat sich von dieser Musik erweichen lassen. Das Film-Musical ‘Jersey Boys’ über den Aufstieg, die Freundschaft, den Ruhm und den Frust der Bandmitglieder um Valli ist Eastwoods 33. Regiewerk. Der vierfache Oscar-Preisträger hat sich mit Filmdramen wie ‘Mystic River’, ‘Erbarmungslos’, ‘Million Dollar Baby’ und ‘Invictus – Unbezwungen’ längst als sensibler Regisseur etabliert.

Der Jazzliebhaber und Klavierspieler komponierte die Musik für einige seiner Werke, darunter ‘Der fremde Sohn’ und ‘J. Edgar’. Sein filmisches Porträt ‘Bird’ (1988) über das Leben der Jazz-Legende Charlie Parker zählt zu seinen Regie-Highlights.

Als Glanzstück geht ‘Jersey Boy’» nicht in Eastwoods Lebenslauf ein, dazu gerät der Regisseur zu oft aus dem Takt. Er wechselt zwischen Crime- und Freundschaftsdrama, zwischen leichtem Musical-Ton und den tiefergehenden Schicksalsschlägen seiner Figuren. Doch Eastwood fesselt die Zuschauer mit seiner Liebe zu der Musik und mit seinem szenischen Gefühl für die 50er und 60er Jahre, vom pastellfarbenen Dekor der Nachtclubs bis zu den rauchverqualmten Plattenstudios.

Vorlage für ‘Jersey Boys’ ist das gleichnamige Musical, das 2005 am Broadway in New York Premiere feierte. Ein Jahr später wurde es mit dem angesehenen Tony-Award zum besten Musical des Jahres gekürt. John Lloyd Young holte damals die Trophäe als bester Hauptdarsteller in einem Musical.

Eastwood macht den in Hollywood kaum bekannten Broadway-Star Young erneut zu Frankie Valli. Auch die anderen Darsteller sind Leinwandneulinge. Vincent Piazza spielt den Gitarristen Tommy DeVito, der die Band in Schulden stürzt. Michael Lomenda verwandelt sich in den Sänger und Bassgitarristen Nick Massi. Bob Gaudio, der die meisten Hits der Four Seasons komponierte, wird von Erich Bergen dargestellt.

Nur einen Leinwandstar stellt Eastwood seinem talentierten Ensemble zur Seite. Oscar-Preisträger Christopher Walken glänzt in der Rolle des Mafioso Gyp DeCarlo, der sich als Mentor hinter Valli stellt.

Frankie Valli ist heute 80 Jahre alt und steht immer noch singend auf der Bühne. Als ausführender Produzent mischte er bei der Filmversion von «Jersey Boys» mit. Auch das Broadway-Stück habe Vallis Zuspruch gefunden, sagte Musical-Schauspieler Peter Gregus kürzlich der Nachrichtenagentur dpa. Valli sei nach seinem ersten ‘Jersey Boys’-Besuch in die Garderobe gekommen und habe sich mit einem knappen «Thank You» bei den Künstlern bedankt.

“Später fanden wir heraus, dass er von der Show so gerührt war, dass er buchstäblich nicht sprechen konnte”, erzählte Gregus. (Barbara Munker, dpa)