Sonntag, 03. August 2014, 21:24 Uhr

Kiesza: Die Durchstarterin des Sommers packt aus

Sie ist die Durchstarterin des Sommers: Die kanadische Sängerin Kiesza (gesprochen: Kaiser) Rae Ellestad hat mit „Hideaway“ nicht nur einen der möglichen Sommerhits des Jahres geliefert.

Sie belebt mit der Mode und ihrem Tanz im dazugehörigen Video auch gleich noch die Neunziger-Dekade! Was wir diesen Herbst noch von ihr erwarten können, erzählt die 25-Jährige im klatsch-tratsch.de-Interview!

Kiesza, wie fühlt es sich an, mit „Hideaway“ ganz oben in den Hitlisten Europas zu sein?
Ganz ehrlich: Es hat mich total überrascht! Ich habe definitiv nicht damit gerechnet, dass der Song so schnell durch die Decke gehen würde. Aber ich bin sehr dankbar dafür.

Hast du Angst, als One-Hit-Wonder zu enden?
Überhaupt nicht! Zum einen habe ich schon vorher Songs für Rihanna, Kylie Minogue und Icona Pop geschrieben und mich bewährt. Zum anderen finde ich die nächste Single, die wir veröffentlichen, auch ziemlich stark: ‘Giant In My Heart’ erscheint Ende August! Und ich arbeite gerade an meinem ersten Album, das dann im Herbst erscheint. Meine eigene Modelinie „SteamPop“ kommt Ende des Jahres auch noch in die Läden. Ihr werdet noch viel von mir hören!

Dein Klamottenstil wirkt ziemlich retro!
Auf jeden Fall. Vieles von dem, was ich trage, nimmt direkt Bezug auf die Neunzigern – da muss man sich nur das Video zu „Hideaway“ angucken, das quasi meine Hommage an die Dekade ist, die mich am meisten beeinflusst hat. Ich bin aber generell sehr experimentierfreudig mit meinen Klamotten – es ist immer ein Hybrid aus alt und neu, Street und High Fashion. Sachen, die normalerweise nicht zusammen gehören. Manche finden mein Outfit aus dem Clip zu „Hideaway“ ja scheußlich – aber ich liebe die Neunziger nun mal, natürlich auch die Musik.

„Hideaway“ klingt nach Deep-House der Neunziger. Willst du uns ein Revival bescheren?
Wir sind ja schon mittendrin! Schämen muss ich mich dafür nicht. Ich liebe den tiefen Bass daran. Ich selbst war noch ein Kleinkind, als diese Musik angesagt war. Ich bin also nicht Schuld. Meine Mutter hörte Lieder wie „Finally“ von Ce Ce Peniston rauf und runter – und ich fand diese Art von Diven toll. Wenn ich nun Songs kreiere, die davon beeinflusst ist, klingen diese aber geradezu automatisch anders. Sie haben einen modernen Dreh, weil sich auch andere Musikstile daruntermischen, die mich beeinflusst haben.

Welche denn?
Ich komme aus Kanada, da sind Folk und Rock sehr groß. Außerdem habe ich eine klassische Klavierausbildung genossen. Beethoven und Mozart – das war früher meine Welt!

Die Art, wie du dich im Low-Budget-Clip zu „Hideaway“ bewegst, der in einem Take aufgenommen wurde und schon über 64 Mio. Klicks auf Youtube hat, gibt auch so ein Neunziger-Statement!
Absolut! Da sind viele Tanzbewegungen, die an damals erinnern. Die Sequenz, wenn ich auf der Stelle laufe, ist eine ziemlich eindeutige Hommage an MC Hammer. Viele Leute finden das lustig. Wenn man das macht, fühlt es sich so an, als würde man entgegengesetzt laufen. Es sieht leicht aus, ist aber richtig schwer. Wir haben das drei Tage lang geprobt. Wir nehmen aber auch Bezug auf andere Tänzer in dem Video: Janet und Michael Jackson zum Beispiel, mit ihnen bin ich aufgewachsen. Und dann ist da noch ein Funk-Tanz namens „Locking“ zu sehen, der eigentlich aus den Siebzigern stammt.

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Du bist ausgebildete Balletttänzerin. Wie passt das zusammen?
Gar nicht! Balletttanz war immer meine Leidenschaft, aber das ist ein sehr kontrollierter Tanz. Streetdance ist hingegen lose und frei – das war ziemlich neu für mich. Vor dem Videodreh hatte ich kaum Berührung damit – außer vielleicht in der Clubszene von New York, wo ich gerne mal Feiern ging. Heute liebe ich den Streetdance und möchte mehr davon.

Du hast dich beim Dreh aber verletzt, richtig?
Ja, ich habe mir die Rippe geprellt. Im Video sieht man einen Typen, der mich hochhebt. Er hat wohl an einer Stelle zu fest zugedrückt! Ich war danach einen Monat ans Bett gefesselt. Aber während der Aufnahmen hatte ich so viel Adrenalin im Körper, dass mich das nicht vom Tanzen abhalten konnte.

Auf der EP zu „Hideaway“ ist auch dein Haddaway-Cover von „What Is Love“ enthalten. Auch da hattest du offenbar keine Berührungsängste!
Nein, ich finde, dass der Song Spaß macht. Das Energie-Level steigt, wenn das Stück gespielt wird. Normalerweise singen alle mit. Aber wenn man dem Song das ganze Brimborium wegnimmt, bleibt da eine unglaublich schöne Melodie und ein bedeutungsschwangerer Text übrig. In Haddaways Version begräbt die Musik den tatsächlichen Song. Deshalb habe ich ihn als Ballade interpretiert.

Schon Feedback von Haddaway erhalten?
Nein. Aber ich wäre schon gespannt, seine Meinung dazu zu hören.

Im dazugehörigen Video bist du nackt zu sehen – das erinnert ein bisschen an Sinead O’Connor und „Nothing Compares To You“.
Danke! Ich mag simple Konzepte. Ich denke, „What is love“ ist eine vieldeutige Frage. Jeder Mensch hätte wohl eine andere Antwort darauf. Auch in dem Video kann jeder seine eigene Bedeutung finden. Es ist so schlicht, dass man nicht wirklich weiß, was die Botschaft ist. Genauso wollte ich es haben. Manche meinen, dass ich damit dem Club der gebrochenen Herzen beitrete.

Und tust du das?
Mir hat man schon mehrmals das Herz gebrochen. Aber momentan bin ich Single und fühle mich ganz wohl damit!

Stimmt es, dass du mal beim Schönheits-Wettbewerb zur „Miss Kanada“ mitgemacht hast?
Es stimmt, meiner Großmutter zur Liebe. Das war eine seltsame Erfahrung für jemanden mit meiner Persönlichkeit. Ich war nie der Typ, der High-Heels trug. Im Gegenteil: Ich war in Calgary ständig in der Natur und kam mit Matsch an den Stiefeln nach Hause. Aber immerhin weiß ich seitdem guten Schmuck und tolles Make-up zu schätzen.

Du bist in Calgorie aufgewachsen, dann hast du in Boston und New York studiert, und nun lebst du in London. Wie wichtig war der Weg für dich als Künstlerin?
Der Umzug nach New York hat mir das Nachtleben und die tanzbare Musik noch näher gebracht. Denn davor war ich durch mein Klavierstudium voll auf Klassik getrimmt. Ich lernte im Big Apple neue Leute kennen, viele Kollaborationspartner. Das hat mich weitergebracht als Songwriterin.

Schwer vorstellbar, dass du sogar mal Soldatin bei der Marine warst!
Das war eine sehr intensive und herausfordernde Zeit. Das meiste Training habe ich auf dem Festland in enem Bootcamp nahe Toronto absolviert. Sie nennen das zwar Schiff, aber es ist eigentlich ein Gebäude. Dort habe ich dann das Morsealphabet erlernt. Die Zeit, als ich auf den Ozeanen gesegelt bin auf echten Segelschiffen, war viel aufregender als die Zeit bei der Marine. Das vermisse ich jeden Tag! Ich denke ständig daran – zumindest, wenn ich auf das Wasser schaue. Das ist meine große Leidenschaft, und die wird ein Teil von mir sein, so lange ich lebe.

Hast du diesbezüglich konkrete Pläne?
Eines Tages will ich einmal um die ganze Welt segeln. Hoffentlich habe ich irgendwann die Zeit dafür. Von meinem ersten Gehaltsscheck als Musikerin werde ich mir das Segelboot bauen lassen, dass ich schon seit vielen Jahren designe.

Warum hast du denn überhaupt das Singen über das Segeln gestellt?
Weil ich mich über die Musik mit Leuten verbinden kann, und ich das Gefühl hatte, damit das Leben anderer Menschen und mein eigenes Leben zu bereichern. Lustigerweise habe ich das ausgerechnet bei Segeln festgestellt. Denn dort nahm ich öfters abends mal die Gitarre in die Hand.

Interview: Katja Schwemmers. Fotos: Universal Music, WENN.com