Mittwoch, 13. August 2014, 11:32 Uhr

Peter Plate plaudert über sein Musical "Romeo & Julia"

Für den Ex-Rosenstolz-Sänger Peter Plate ist Shakespeares Liebestragödie ‘Romeo und Julia’ aus dem 16. Jahrhundert hochaktuell. Am Freitag hat Plates erstes Musical, geschrieben mit seinem Ex-Lebensgefährten, dem Hit-Produzenten Ulf Sommer, Premiere. Hauptdarsteller sind Maxine Kazis und Johannes Merz (Foto unten).

Ihn fasziniere der überhaupt nicht zynische Umgang mit dem Thema Liebe, sagt Plate nun im Interview der Deutschen Presse-Agentur. “Wir Deutsche haben das Problem, alles in Frage zu stellen oder zynisch heranzugehen. Wir haben Angst vor Kitsch und Pathos – die habe ich nicht!”. Bei der Weltpremiere seiner Musicalversion am Samstag – eine Open-Air-Produktion der Kieler Bühnen – ist der 47-Jährige selbstverständlich dabei.

Ist es ein durchkomponiertes Musical oder Musiktheater mit Songs?
Eher Musiktheater, wobei ich mich frage, warum wir Deutschen immer Schubladen brauchen – am Broadway ist alles Musical.

Mehr zum Thema: Die Rosenstolz-Masterminds präsentieren neues Album “Romeo & Julia”

Hat Ihre Musik eine dienende Funktion fürs Stück oder ist die Musik die Hauptsache?
Handlung und Musik – das Eine funktioniert nie ohne das Andere, das muss immer Hand in Hand gehen. Text und Musik müssen zueinander passen.

Haben Sie vor dem Komponieren sich als Inspiration Bernsteins «West Side Story» oder das 2001 uraufgeführte französische Musical ‘Roméo et Juliette – de la Haine à l’Amour’ von Gérard Presgurvic angehört?
Ich habe mir überhaupt nichts angehört, ich glaub’, dann wäre ich nervös geworden….

…weil mit Bernstein die Messlatte arg hoch liegt?
Plate (lachend): Ja natürlich und man will auch nicht kopieren, sondern seinen eigenen Stiefel durchzuziehen.

Erwartet die Zuhörer typische Rosenstolz-Musik?
Ich denke schon, dass die Handschrift von Ulf (Sommer) und mir zu erkennen ist. Die Schauspieler singen bei den Aufführungen, dazu spielt jeden Abend live eine echt gute Rock-Popband des Theaters – besetzt mit Gitarren, Keyboard, Bass, Schlagzeug. Das Album erscheint am 22. August.

Sind es eigene Liedtexte oder umformulierte Shakespeare-Passagen?
Natürlich haben wir uns von Shakespeare inspirieren lassen, aber größtenteils dafür eigene Worten zu finden versucht. Einzige Ausnahme ist der wunderbare Text ‘Natur’ von Pater Lorenzo. Das ist 100 Prozent Shakespeare, da haben wir gesagt, das muss so bleiben.

Bereits vor der Uraufführung am Samstag sind alle 16 Aufführungen ausverkauft? Hat die Marke Rosenstolz mitgeholfen?
Das Kieler Theater macht seit Jahren exzellente Arbeit. Auch ein paar Rosenstolz-Fans werden kommen – insofern ist es ein Zusammenspiel von allem: Shakespeare, das weltberühmte Stück, das Theater, unsere Musik und die Open-Air-Location direkt am Wasser.

Welche Hoffnungen haben Sie für das Musical?
Ich würde mir wünschen, dass andere Theater es auch inszenieren oder es viele Jahre in Kiel läuft.

Schauen Sie sich die Premiere an?
Ja klar, die ganze Familie kommt. Dabei möchte ich betonen wie viel Spaß wir Berliner hier in Kiel haben. Es sind so tolle Leute, mit denen wir zusammenarbeiten dürfen und es steckt so viel Liebe in diesem ganzen Unternehmen.

ZUR PERSON: Peter Plate (47), Sänger und Komponist, stammt aus einer Diplomatenfamilie und wurde in Neu Delhi geboren. Mit drei Jahren kam er nach Hamburg, heute lebt er in Berlin. Mit der Sängerin AnNa R. gründete er 1991 das erfolgreiche Popduo Rosenstolz. Seit 2012 ist erst einmal eine unbefristete Pause. Mit seinem Freund, dem Produzenten Ulf Leo Sommer, lebte der homosexuelle Künstler 20 Jahre zusammen. Die künstlerische Kooperation hält an, beide sind weiterhin Freunde. Neben vielen Musikpreisen hat Plate das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement gegen Aids erhalten.

Fotos: Ferran Casanova, Theater Kiel