Sonntag, 17. August 2014, 20:42 Uhr

"Maps To The Stars": Der extrem abscheuliche Irrsinn in Hollywood

David Cronenberg gelingt mit seinem neuen Film eine Gratwanderung zwischen bissiger Satire und emotionalem Psychothriller.

Großartig gespielt, bitterböse, entlarvend. ‘Maps To The Stars’ lief im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes 2014. Julianne Moore wurde auf dem Festival sogar für Ihre großartige Darstellung als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Deutscher Kinostart ist am 11. September 2014.

Cronenberg sagte dazu: “Wir finden uns in einem postmodernen ‘Boulevard der Dämmerung’ wieder, in dem Hollywoodstars, die für immer auf Film verewigt sind, sich inzestuös vermehren wie die alten Pharaonen. ‘Maps To the Stars’ beschreibt mit hysterischen Töchtern von Schauspielerinnen und Kinderstars, die im Alter von neun Jahren bereits Drogen nehmen, und dem Schwarm von Geistern, der ständig von Filmen erzeugt wird, eine überlebensgroße Welt, die ihre eigene Mythologie erzeugt und ihre eigenen Kinder frisst.”

In dem Film sehe er “die Geister, die in den Kinos lauern, den Stand der gegenwärtigen Psyche, den Bilderkult der Stars, und den unkontrollierbare Drang ein virtuelles, gewalttätiges und künstliches Leben zu führen”, fügt Cronenberg hinzu. “Der Titel ist ein Hinweis auf die Karten, die man erwerben kann, um die Häuser der Stars im Labyrinth von Beverly Hills zu finden, aber er erinnert uns auch an die Vorstellungen, die unsere Vorfahren vom Himmel und dessen Einfluss auf die Welt hatten.”

Der Film blickt in das schwarzhumorige Herz einer abscheulich extremen Hollywoodfamilie, die auf der Jagd nach Ruhm, sich selbst und den gnadenlosen Geistern der Vergangenheit ist.

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Mia Wasikowska, die im Teenageralter nach Hollywood kam, erinnert sich an „eine komplett fremde Welt, die in ein sehr besonderes Licht getaucht war und mir ein sehr starkes Gefühl vermittelt hat.“ Als sie Bruce Wagners Drehbuch gelesen hat, fand sie, dass ihm die Verschmelzung zwischen dem Komischen und dem Anziehenden gelungen war.

„Die Geschichte stellt das Leben hier zwar sehr übertrieben dar, aber trotzdem beunruhigte sie mich. Es sind nämlich genau die Charaktere, die so wirken als hätten sie alles unter Kontrolle, die sich am Ende als komplett verkorkst herausstellen. Es ist eine Stadt der verlorenen Engel.“

Mädchenschwarm Robert Pattinson war eines der ersten Mitglieder des Casts, der für seine Rolle zusagte und laut Produzent Martin Katz damit geholfen hat, das Projekt anzutreiben. „Roberts Begeisterung für ‘Maps to the Stars’ war einer der Gründe, weshalb das Projekt ins Rollen kam. Jerome mag zwar keine große Rolle sein, aber er ist sehr wichtig für die Handlung und Robert Pattinson war eine großartige Bereicherung für den Cast.“, sagt der Produzent. „Auf eine gewisse Art spielt er Bruce Wagner selbst, der auch ein Chaffeur war und als Autor nicht genug Geld verdiente.“

Cronenberg war begeistert, nach ‘Cosmopolis’ erneut mit Robert Pattinson in einer ganz anderen Rolle zusammenzuarbeiten. „Ich denke, dass Rob sich sehr gefreut hat Teil des Ensembles zu sein.“, sagt er. „Aber ich denke auch, dass Jerome ein wichtiger und wunderbarer Charakter ist, und es war eine Chance für Robert, eher naturalistisch zu arbeiten. Ich wusste, dass er seinen Job wunderbar machen würde und er hat mich nicht enttäuscht.“

Und darum geht’s: Familie Weiss ist mittendrin im ganz normalen Hollywood-Wahnsinn: Kinderstar Benjie (Evan Bird) kann mit seinen dreizehn Jahren schon auf eine Drogenkarriere zurückblicken.

Tochter Agatha (Mia Wasikowska) hat vor Jahren das Haus der Familie in Brand gesteckt. Frisch aus der Psychiatrie entlassen, stürzt sie sich in eine Affäre mit dem Chauffeur Jerome (Robert Pattinson) und sucht Benjies Nähe, sehr zum Missfallen ihres Vaters Stafford (John Cusack). Der Guru arbeitet gerade an seinem neuen Buch. Nebenbei behandelt er die alternde Schauspielerin Havana (Julianne Moore), die vom Geist ihrer Mutter verfolgt wird, seit sie in einem Remake unbedingt die Rolle spielen will, die ihre Mutter einst berühmt machte.

Fotos: Daniel McFadden