Donnerstag, 21. August 2014, 18:00 Uhr

MC Fitti ist wieder da: Das ist das neue Video "Mama Halblang"

MC Fitti hat ein zweites Album gemacht. ‘Peace’ handelt von einer Reise in die Ferne und führt direkt ins Hier und Jetzt.

Es erzählt von unserer eigenen Suche nach Freiheit und zeigt, dass diese manchmal näher ist als das Telefon in unserer Tasche. Es atmet den Geist der Sechziger und klingt damit umso mehr nach Heute. Willkommen in der neuen alten Welt von MC Fitti.

Der deutsche Hip-Hop hat viele erstaunliche Geschichten hervorgebracht in den letzten Monaten. Die des Berliner Rappers MC Fitti aber ist die Erstaunlichste von allen. Sie geht so: vom Kunst-Experiment zum Internet-Phänomen zum waschechten Superstar einer neuen Generation – und das alles in weniger als einem Jahr.

Eigentlich wollte MC Fitti nur Musik für eine Kunstausstellung machen und sich damit einen lange gehegten Traum erfüllen. Einmal in einer Galerie sein, so mit Happening und Häppchen und all den anderen Insignien der heiligen Hochkultur. Dann wollte er fröhlich in die irre aufgeregte Meute winken und sich schnell wieder etwas ganz anderem zuwenden, wie immer in seinem an irren Wendungen nicht eben armen Leben. So entstand 2013 “#Geilon” – als Steinchen in einem wahrhaft multimedialen Mosaik eines notorischen Machers. Aus dem Steinchen aber wurde ein Stein, der gar nicht mehr aufhören wollte zu rollen.

Mehr zum Thema: McFitti – Vom selbsternannten Teilzeitstar zum Superstar?

“#Geilon” schaffte es auf Platz 2 der deutschen Charts. Und hielt sich. Und hielt sich. Und brachte seinen Schöpfer an Orte, von denen er zuvor nicht einmal geträumt hatte. Fitti im Fernsehen. Fitti aufm Festival. Fitti aufm Walkman deiner kleinen Schwester. Er räumte bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest ab. Er bekam seine eigene TV-Show auf Joiz.

Er arbeitete mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen: mit dem Leipziger Dancehall-Don Ronny Trettmann und den Hamburger HipHop-Veteranen Fettes Brot; mit dem Fabelwesen Marsimoto und der Comicfigur Spongebob; mit den Straßenrappern Celo & Abdi aus Frankfurt und den Comedy-Stars Y-Titty aus YouTube.

Wenn das neue Album “Peace” erscheint, haben sich die Rahmenbedingungen also fundamental geändert. MC Fitti ist nicht mehr der Handwerker aus Friedrichshain mit dem großen Herzen für Graffiti und den tausend Ideen. Er ist jetzt einer der wichtigsten Rapper des Landes, und er ist auch eine Projektionsfläche. Die Leute greifen ihm in den Rauschebart, wenn sie ihn sehen, oder sie stylen sich einfach selbst wie er: Fake-Fittis gibt es mittlerweile überall. Slogans wie “Bestello” oder “Übelstweltraum” gehören längt zum Alltagsvokabular, wie einst “derbe” oder “Dicker”, Der Songtitel “Du willst so sein wie Fitti” ist so auf irrwitzige Weise vom Späßchen zur Self-Fulfilling Prophecy geworden.

Es wäre für MC Fitti ein Leichtes, diese WWWelle zu reiten, noch mehr Hashtags zu hashtaggen und den ganzen Irrsinn des Internets immer weiter zu treiben. “Aber wenn man immer das Gleiche macht, kann man nicht weiterkommen im Leben”, so MC Fitti. “Und ich will weiterkommen.” Also entschied er sich für einen anderen Weg. Und dieser Weg führte ihn in die Freiheit. Mit all seinen Kumpels und Kreativkumpanen zog er für sechs Wochen nach Kalifornien.

In einer Villa in L.A. (“Die Amis nennen es ‘Villa’, ich als Handwerker würde eher ‘ganz normale Bruchbude’ sagen”) suchte er neue Inspiration, zwischen Whirlpool, ausgiebigen Grill-Sessions und noch ausgiebigeren Studio-Sessions. Die fand er im Geist der Hippie-Bewegung. “Ich war immer schon ein riesiger Fan von Jimi Hendrix und vor allem Bob Marley. Einfach chillen. Kein Stress. Peace. Diesen Vibe wollte ich mal auf modern polieren und sehen, was dabei raus kommt.”

Der Spaß geht ihm dabei selbstverständlich nicht verloren. Nur kennt sein schillerndes Farbspektrum mittlerweile eben allerlei Zwischentöne zwischen Neonschwarz und Neonweiß. “Mein Vater war in Woodstock, meine Mutter ist auf Love & Happiness und wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich Fitti Hendrix. Ganz einfach.” So schlägt MC Fitti der Aufmerksamkeitsökonomie des Smartphone-Zeitalters ein gänzlich unerwartetes Schnippchen – und erweist sich gleichzeitig abermals als ihr wahrer Meister.