Freitag, 22. August 2014, 22:59 Uhr

Preview "Mommy": Grandios-hysterisches Familiendrama im Quadratformat

Mit ungeheurer Wucht erzählt ‘Mommy’ von einer außergewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, in der Zärtlichkeit und Brutalität nur einen Herzschlag voneinander entfernt sind.

Mit großem stilistischen Wagemut, mitreißender Musik und viel Liebe zu seinen Figuren feiert das erst 25-jährige kanadische Regiewunderkind Xavier Dolan in seinem bereits fünften Film die Möglichkeiten des Kinos. Gerade läuft in den deutschen Kinos sein Thriller ‘Sag nicht, wer du bist!’

‘Mommy’ ist so intensiv, dass er fast die Leinwand sprengt und direkt unter die Haut geht. In Cannes begeisterte der Film Kritiker und Publikum gleichermaßen und wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Deutscher Kinostart ist am 13. November 2014!

Und darum geht’s: Die resolute Diane liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. Seit dem Tod seines Vaters hat Steve, der unter einer besonders schweren Form von ADHS leidet, eine Reihe von Heimen für schwer erziehbare Kinder durchlaufen. Nun kommt er zurück zu seiner Mutter, weil niemand sonst mit ihm fertig wird.

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Mit seinem fordernden Anspruch auf die Rolle des Mannes im Haus und seiner überbordenden Liebe zu ihr stellt er sie auf die Probe. Dabei ist Diane auch ohne ihren unbändigen Sohn längst überfordert mit sich und der Welt.

In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla, der es gelingt, eine Balance in der Mutter-Sohn-Beziehung zu schaffen und eine zarte Hoffnung auf eine vielleicht doch noch glückliche Zukunft aufkeimen zu lassen.

Hanns-Georg Rodek, Kritiker bei ‘Die Welt’, ist jedenfalls begeistert von der 4:3-Format-Idee: “In ‘Mommy’ (…) verändert er mitten im Film dessen Format, von einem nahezu quadratischen Bild (wie im Stummfilm) auf Breitwand. Er lässt seine Hauptfigur – einen Teenager mit Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität und schmutzigem Mundwerk das Bild wortwörtlich auseinanderschieben, in einem Moment des Glücks, wenn er die ganze Welt umarmen möchte. Und schwindet das Glück, schrumpft Dolan das Bild wieder. Welch Verbindung von Inhalt, Emotion und Form! Brillantissimo!”

Andreas Borchote vom ‘Spiegel’: “Der Kanadier Xavier Dolan zeigt mit ‘Mommy’ eine grandios-hysterische Mutter-Sohn-Tragödie. (…) Wie sich Steve und Diane gegenseitig mit übelsten Schimpfwörtern eindecken, um sich im nächsten Moment wieder zärtlich zu versöhnen, ist virtuos in Szene gesetzt. Auch visuell zeigt der 1989 geborene Regisseur, dass er weiterhin gerne Genre-Rahmen sprengt und unorthodoxe Metaphern wählt.”

Fotos: Weltkino Filmverleih