Sonntag, 21. September 2014, 12:33 Uhr

Revolverheld: Mit Megashow und Radiohit zum BuViSoCo-Sieg "manipuliert"?

Mit ihrem Auftritt gestern Abend beim Bundesvision Song Contest dürften Revolverheld nun endgültig im Olymp der großen deutschen Bands angekommen sein. Was für eine Show! Mit deutlicher Mehrheit hatte die hervorragende Band für Bremen den von Stefan Raab vor zehn Jahren initiierten Wettbewerb gewonnen.

Die Gruppe um Sänger Johannes Strate überzeugte die Zuschauer mit ihrem Song ‘Lass uns gehen’, der zum Aufbruch aus der Großstadt aufs Land aufruft. Damit galt der Titel, der im Radio allerdings schon seit einiger Zeit rauf und runter läuft, am Samstagabend in Göttingen an einen der Favoriten.

Die vier Musiker von Revolverheld ernteten auch von den 3500 Zuschauern in der Lokhalle Göttingen den meisten Applaus. Zu Beginn ihrer Show bewegten sie sich wie Marionetten an von der Decke hängenden Seilen. Dann befreiten sie sich und stürmten ins Publikum. Dazu gab’s noch Konfettiregen aus Kanonen, als hätten die Jungs den Sieg schon längst in der Tasche! Noch weitgehend unbekannt war Revolverheld bereits 2006 für Bremen angetreten und hatten damals den zweiten Platz erreicht.

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Revolverheld bekam gestern Abend 180 Punkte, gefolgt von der Band Jupiter Jones aus Rheinland-Pfalz (124 Punkte) und Newcomer Teesy, der für Sachsen-Anhalt 102 Punkte holte. Allerdings gab es auch harte Kritiker. Einer schrieb auf der Facebook-Seite von Revolverheld: “Wirklich ein Witz, wie euch die Favoritenrolle quasi durch den Auftritt, der schon wie ein kleines Finale aufgezogen wurde, aufgedrückt wurde! Sowas nennt man Manipulation der Zuschauer! Noch dazu ward ihr die einzigen, die zu feige waren, einen komplett neuen, für die Leute eher unbekannten Song zu spielen. Mit einem Song, der schon wochenlang im Radio gespielt wird, ist es mehr als leicht, die Leute zu überzeugen.” Womit der junge Mann nicht ganz unrecht hätte…

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Und der ‘Stern’ lästerte: “Platte Texte und austauschbare Songs: Der 10. Bundesvision Song Contest war keine Werbung für die deutsche Musikszene. Mit Revolverheld gewinnt eine der etablierten Bands. (…) Revolverheld sind auf dem besten Weg, die deutschen Maroon 5 zu werden. Weibliche Fans konzentrieren sich zumeist auf das Aussehen des Sängers (hot). Männer ignorieren die Band zumeist.”

Und im Kommentar von ‘Die Welt’ heißt es: “Der Sieg war wohl eher der Tatsache geschuldet, dass mit dem letzten Startplatz im Teilnehmerfeld ein opulenter Konfettiregen verbunden ist und der Show-Kniff, bei “Lass uns gehen” tatsächlich durchs Publikum zu gehen, so etwas wie Partystimmung in der Lokhalle hervorgerufen hat.”

Wie dem auch sei, Entertainer Stefan Raab präsentierte den Wettbewerb megasouverän, extrem gut gelaunt und vor allem festlich in dunklem Anzug und Krawatte! Wieder einmal traten etablierte Stars wie Andreas Bourani oder Jupiter Jones gegen junge Talente an. Nach dem Vorbild des Eurovision Song Contest startet für jedes Bundesland ein Musiker oder eine Band. Voraussetzung war, dass die Songs auf Deutsch gesungen wurden. (dpa/KT)

Fotos: ProSieben/Willi Weber