Sonntag, 28. September 2014, 14:38 Uhr

Das hier sind "Heinrich": Diskopop-Synthies und jede Menge Knutschereien

Vor einem Dreivierteljahr landete das Leipziger Geschwister-Trio mit der Diskopop-Hymne ‘Lieber Allein’ einen kleinen Überraschungshit und spielte sich nicht nur ins Herz vieler Hörer, sondern auch in die Rotationen der Sender Fritz und Sputnik.

Letztere schickte das Trio (Susanne, Stefan und Michael sind wirklich Geschwister mit dem Familiennamen Heinrich) zum New Music Award, wo sie Anfang September ihr Können unter Beweis stellten. Seit zwei Monaten gibt es ihre mit Benjamin Bistram (Prinz Pi, Casper) produzierte ‘Solang wir tanzen’-EP, die sie vor wenigen Tagen auf dem Reeperbahnfestival vorstellten. In ihrem dritten Musikvideo zur neuen Single ‘Fake’ küssen Paare gegen den Zweifel an.

„Ich bin so froh ich bin so froh ich bin zum sterben froh / bitte schwör mir jede Nacht es geht dir ganz genau so“ – so beginnt ‘Fake’, der Song über die Angst davor, dass alles nur Oberfläche ist und der Lack schon blättert. Ein paar Takte später heißt es: „Wir ziehn Pyjamas an und legen Dirty Dancing ein / alles wie früher, nur ist die Fanta jetzt Wein“ – ein Satz, den Regisseur Clemens Purner in seiner Mischung aus Nostalgie und Trotz so inspirierte, dass er ihn zum Programm machte. Früher Fanta, heute Wein. Oder: Früher Kuli-Spickzettel auf der Hand, jetzt Tattoos auf dem Arm. Früher Gummibärchen, heute Ecstasy auf der Zunge. Früher Riesenrad, heute Bürofahrstuhl.

Im Splitscreen werden im Dok-Style gefilmte Szenen gegenübergestellt und erzählen in urbanen, klaren Bildern Geschichten zwischen jugendlicher Naivität und Großstaft-Zynismus, erster Liebe und letzten Beziehungsversuchen. Im Refrain knutschen zu warmen Gitarren und strahlenden Diskopop-Synthies drei Paare um die Wette: auf dem Dach, im Auto, auf dem Lieblingsteppich im Zimmer. Als wollten sie sagen: Das hier ist die Antwort auf alles.

David, einer der Hauptdarsteller, hat für den Musikvideodreh seine langjährige On-off-Beziehung wiedergetroffen und vor laufender Kamera geküsst – nach über einem halben Jahr Funkstille. „Das Video war der perfekte Rahmen, um herauszufinden, was da noch zwischen uns ist.“ Wie David hat auch Arash, der zweite Hauptdarsteller, schon im letzten Musikvideo der Band mitgespielt. „Unser Geschwistersein ist der Kern unserer Identität als Band. Und unsere Freunde sind unsere Wahlfamilie, unsere ,Bande‘. Sie schenken uns ihr Vertrauen und ihre Geschichten, warum sollten wir also welche erfinden?“, so die Heinrichs, die für die letzte Szene selbst auf die Straße gingen, um Passanten um einen Kuss vor der Kamera zu bitten.