Montag, 06. Oktober 2014, 19:21 Uhr

Das hier ist Julius Gale mit seinem beachtenswerten Elektro-Debüt

Es ist Nacht und alles liegt im Nebel. Umrisse von Körpern tanzen an Schatten vorbei. Sie blitzen im Strobolicht auf. Julius Gale beobachtet diese Ekstase, die Menschen, den Club. Er nimmt alles wahr – in Zeitlupe. Der Produzent und Songwriter Julius Gale erschafft aus diesen Eindrücken den Soundtrack für den Moment zwischen Rausch und Ruhe.

Elektronische Club-Musik ist „so mathematisch und kompromisslos“, dass Julius Gale genau davon immer wieder aufs Neue fasziniert ist. Den präzisen, elektronischen Sound verbindet er in seiner Musik mit emotionaler Tiefe. Sein Gesang verleiht dem kühlen Klangbild, das er mit Beats und Synthesizern malt, eine große Melancholie, die die Club-Euphorie einfangen aber auch brechen kann. Julius gewinnt mit dieser Mischung nicht nur die Fans für sich sondern auch Elektro-Acts wie M83 und Delphic, die ihn beide mit auf Tour nahmen.

Auch auf dem Berlin Festival erspielte sich Julius die Achtung von Kritikern und dem Publikum, das ihn unter die Top Ten Acts wählte. Mit dem Produzenten Leander Bauer vollendete Julius Gale jetzt sein Debüt: die *acapulco EP. Sie bildet seine Live- Energie und seine bedachte Art zu musizieren ab. Die träumerischen Songs trägt man mit in die reale Welt – so wie die Erinnerung an die Nacht, wenn die Clubtüren schließen.

Die *acapulco EP ist ein reflektierter, kontrollierter, durchdachter Ausbruch sowohl von Julius Gale als auch von seiner Musik.

Der „große Endgegner“ wird aber musikalisch und gedanklich nicht besiegt, weder Mensch noch Musik brechen am Ende wirklich aus. Auf beiden Ebenen bleibt man ge- und befangen zurück. Julius Gale stellt sich, mit einem gesunden Maß an Selbstironie, ganz grundsätzliche Fragen: Was bedeutet Freiheit in den Augen der Gesellschaft? Wer ist wirklich frei? Er beschreibt Menschen, die auf ihrer Flucht vor sich selbst nie von sich loskommen.

PS: Da sich die neuzeitlichen Elektro-Produzenten gerne mit wundersamen Pseudonymen schmücken und als Homebase exotische Orte wie London oder Lops Angeles angeben – im Falle von Julius Gale Mexiko – sei angemerkt: Julius kommt eigentlich aus Mannheim, wurde in Stuttgart geboren. Das Video ‘So He Stood’ wurde in Brandenburg gedreht. In die Musikmetropole Berlin wolle er jedoch nicht umziehn, wie er jüngst dem Blog ‘Musik muss mit’ anvertraute: “Ich kenne da halt auch viele Musiker, die ich auch für mein Projekt oder für eventuelle Live-Auftritte fragen kann oder wenn was im Studio eingespielt werden muss. Da würde ich auch in Berlin Leute kennen, aber Mannheim liegt mir einfach auch von den Freundschaften her im Herzen.” Hoffen wir also bald auf mehr, mehr, mehr!

Fotos: Simon Schaller