Montag, 06. Oktober 2014, 22:17 Uhr

Zach Braffs "Wish I Was Here" kommt: Lachen und Weinen in L.A.

Vor zehn Jahren inszenierte Zach Braff mit ‘Garden State’ einen der definitiven Kultfilme der Nullerjahre. Jetzt kehrt der ‘Scrubs’Star zurück mit seiner zweiten Regiearbeit, in der er erneut die Hauptrolle spielt und für die er mit seinem Bruder Adam auch das Drehbuch schrieb.

Wieder ist ihm eine bittersüße Komödie gelungen über Lachen und Weinen in L.A., die von einer Lebenskrise der ungewöhnlichen Art erzählt und mit warmherzigen Situationen für Emotionen und mit schrägen Momenten für Lacher sorgt. An Braffs Seite spielen Kate Hudson („Almost Famous“), Mandy Patinkin („Homeland“), Josh Gad („Prakti.com“) und der gefeierte ‘The Big Bang Theory’-Star Jim Parsons.

‘Wish I Was Here’ feierte seine umjubelte Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival. Aber schon davor schlug das Projekt hohe Wellen, weil es Zach Braff gelungen war, auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter mehr als die Hälfte des Sechs-Millionen-Dollar-Budgets einzusammeln.

Und darum geht’s: In seinen Tagträumen ist Aidan Bloom (Zach Braff) immer der Held seiner eigenen Science-Fiction-Geschichte. Bereits als Kind hat er sich mit seinem Bruder Noah (Josh Gad) vorgestellt, einst einmal der Retter der Welt zu sein. Doch mittlerweile geht Aidan bereits auf die 40 zu und so langsam stellt sich ihm die Frage, ob nicht tatsächlich er es ist, der gerettet werden müsste.

Er mag zwar mit seiner Familie – seiner Frau Sarah (Kate Hudson) und ihren Kindern, die zwölfjährige Grace (Joey King) und der sechsjährige Tucker (Pierce Gagnon) – idyllisch in einem hübschen Vorstadthäuschen in Südkalifornien wohnen – mit seinem restlichen Leben ist Aidan aber längst nicht zufrieden.

Als Schauspieler ist er so erfolglos, dass er sich in seiner Verzweiflung, nach Monaten endlich wieder einen Job zu bekommen, sogar um Rollen bemüht, die er unmöglich bekommen kann, wie einen Schauspielpart als waschechter Afroamerikaner. Bei seinen unzähligen Versuchen ist Aidan aber zumindest nicht allein. Wo immer er vorspricht, taucht der gleiche Leidensgenosse auf, Paul (Jim Parsons). Geteiltes Leid ist halbes Leid – und so verdrängt Aidan vorerst mal den Gedanken, dass er sich womöglich doch nach einer anderen Berufung umsehen sollte.

Sein Bruder (Josh Gad) ist auch keine große Hilfe – er ist zwar ein Genie, hat sich aber in seinen Wohnwagen verkrochen und surft als Kobold durchs Netz.

Und als Aidans Vater (Mandy Patinkin) ihm zu all seinem „Glück“ auch noch unterbreitet, dass er nicht länger für die Privatschule seiner beiden Enkel aufkommen kann, sieht Aidan nur einen Ausweg: er beschließt spontan, die Kinder selbst zu unterrichten. Das Ergebnis ist ein familiäres Chaos – zunächst. Als Aidan aber aufgrund eigener Wissenslücken nicht ganz freiwillig damit beginnt, immer weiter vom Lehrplan abzuweichen, beginnt selbst er noch etwas zu lernen – über das Leben und seinen Platz in der Welt…

Zach berichtete, dass der Ursprung der Geschichte daher rührte, dass „viele Menschen aus unserem Bekanntenkreis mit der Überlegung spielten, ihre Kinder von zu Hause aus zu unterrichten, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Die einen waren mit dem Zustand der staatlichen Schulen unglücklich, andere konnten sich die teure Ausbildung ihrer Kinder einfach nicht mehr leisten. Ich selbst habe keine Kinder, aber Adam ist seinen Kids ein cooler, sehr unkonventioneller Vater. Ich dachte mir also, wie es wohl wäre, wenn ein Typ wie mein Bruder oder ich – nicht wirklich wir, aber so wie wir – versuchen würde, seine Kinder zu Hause zu unterrichten, und dabei völlig versagen würde, bis er feststellt, dass er es einfach so machen muss, wie er es für richtig hält – und nicht, wie es ihm von einem Lehrbuch vorgeschrieben wird. Das war für uns der erste Baustein, um den herum wir die Geschichte aufbauten.“

Fotos: Wild Bunch