Dienstag, 07. Oktober 2014, 20:52 Uhr

"Coming In": Alles über Kostja Ullmann als gebeutelter Starfriseur

Am 23. Oktober startet n den deutschen Kinos ‘Coming In’, eine besonders originelle romantische Komödie von Marco Kreuzpaintner. Darin spielt Frauenschwarm Kostja Ullmann Tom, “Berlins bekanntesten Friseur” und Star der Schwulenszene.

Und darum geht’s in ‘Coming In’: Seine Kosmetikprodukte erobern halb Europa – aber eben nur halb, denn bisher verkauft er lediglich Shampoo für Männer. Nun will er herausfinden, was Frauen wollen. Seine Feldstudie führt ihn in den Salon der selbstbewussten Heidi (Aylin Tezel) in Berlin-Neuköln. Kiez trifft Glamour – das kann nicht gut gehen. Wider Willen ist der eingebildete Tom schwer beeindruckt von Heidis frecher Direktheit. Und die entdeckt hinter Toms gestylter Fassade einen verblüffend einfühlsamen Kollegen. Wie jetzt? Verliebt Heidi sich etwa in einen Schwulen? Tom weiß selbst nicht, wie ihm geschieht. Eine Frau? Toms erste Gehversuche in der Welt der Heteros bleiben nicht ohne Komplikationen.

Natürlich bekommt Tom von seinem Freund Robert (herausragend wie immer: Ken Duken) und seiner Clique Vorwürfe zu hören. Aber er weigert sich, ihrem Schubladendenken zu entsprechen. Die Clique unter Führung von Salvatore startet zum Gegenangriff: Gemeinsam konfrontieren sie Heidi und erklären ihr, dass Tom landesweit ein Leitbild für Schwule darstellt. Was auch immer zwischen Heidi und Tom derzeit passiert – es wird seinem Ruf nachhaltig schaden…

„Liebe hat nichts mit Schubladen zu tun“, weiß Aylin Tezel, die Darstellerin der Heidi. „Liebe setzt sich über Beurteilungen hinweg. Sie passiert einfach. Deshalb muss man sie annehmen und leben.“ Dazu sagt Produzent Christoph Müller: „In dieser Situation war die Konstellation der Filmemacher die beste Vorraussetzung für unser Projekt. Produzentin Gabriela Bacher ist eine Frau, ich ein Mann, und Marco Kreuzpaintner ist ein schwuler Mann. So gelingt es uns, Tendenzen zu vermeiden, die die Geschichte in eine bestimmte Richtung schieben würde. Wir haben alle unsere Haltung, und wir bringen alle Perspektiven des Themas ein.“

Kreuzpaintner (Foto unten): „Ich freue mich, wenn ich beobachte, dass es zwar noch Schwulen-Discos gibt, aber doch eine Vermischung stattfindet; die Männerwelt wird metrosexueller, heterosexuelle Jungs übernehmen einiges von der Schwulen-Ästhetik. Ich komme selbst vom Dorf und weiß, dass dort die Realität auch heute noch eine andere ist. (…) Wir dürfen uns also nicht zurücklehnen. Doch es ist schön, dass ich mit ‚Coming In‘ einen Beitrag dazu leisten kann: Wir können dieses Thema aus den Schlagzeilen verdrängen, erwachsener damit umgehen, auch weil es inzwischen in fast jeder Vorabendserie einen ‚Quotenschwulen‘ gibt.“

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Kreuzpaintner sagt über seine Hauptdarsteller: „Was ich nicht inszenieren kann, müssen die Schauspieler mitbringen. Entscheidend war, dass die Chemie zwischen Kostja Ullmann und Aylin Tezel stimmt. Möglich wird das durch die Offenheit der beiden, aber auch durch eine emotionale Intelligenz, die sie mitbringen. Sie sind Schauspieler, die sich nicht mit irgendwelchen Eitelkeiten oder Auffassungen über Notwendigkeiten ihrer kritikerrelevanten Leistungen im Wege stehen. Mich interessiert vor allem das, was beiden gelingt: Sie lassen sich bei ihrem Spiel bis auf den Grund ihres Herzens schauen.“

Kostja hat für seinen Auftritt als Tom Herzner natürlich ausführlich recherchiert: „Ich habe mich mit Marco Kreuzpaintner intensiv vorbereitet und das Konzept meiner etwas weicheren Körperbewegungen in dieser Rolle nicht nur entwickelt, sondern auch schon zwei Monate vor Drehbeginn konsequent umgesetzt. Denn vor der Kamera darf mein Verhalten nicht überlegt wirken – es muss spontan, intuitiv sein. Das Schöne an meinem Beruf: Immer wieder arbeite ich mich in neue Themen ein. Diesmal durfte ich lernen, wie kreativ man sich als Friseur austoben kann. Etwa zwei Monate vor Drehbeginn bin ich bei unserer Maskenbildnerin Charlotte Chang in die Lehre gegangen, habe gelernt, wie man Kundinnen das Haar wäscht und wie man die Haare dann abteilt, um sie zu schneiden. Die Übungen habe ich zu Hause an einer Puppe fortgesetzt. Endlich durfte ich dann auch richtig schneiden: Spitzen schneiden, Stufenschnitt, Fassonschnitt, Dauerwelle.“

Regisseur Marco Kreuzpaintner sagt dazu: „Schauspieler sind im Grunde hochgezüchtete Rennpferde, die losgaloppieren wollen, sobald die Box geöffnet wird. Wenn sie das nicht dürfen, werden sie nervös und neurotisch. Doch obwohl Aylin und Kostja auch Rennpferde sind, haben sie sich die nötige Gelassenheit bewahrt – was beide besonders auszeichnet. Aylin würde ich im internationalen Bereich am ehesten mit Julia Roberts vergleichen. Sie kann ernste und auch sehr romantische Töne anschlagen, ohne dass man sie deswegen als eine zu einfache oder voremanzipatorische Frauenfigur einstufen würde. Trotz ihrer natürlichen Stärke wirkt sie sehr weiblich. Das ist wichtig, weil ich Kommentare wie ‚Natu?rlich verliebt sich Tom in eine burschikose Frau!‘ ausdru?cklich vermeiden will. Mir geht es darum, in den männlichen Zuschauern den Wunsch auszulösen, sich Heidi als Gefährtin zu wünschen, ja, sie sogar beschu?tzen zu wollen.“

Die Rolle von Toms Lebensgefährten und Mitarbeiter Robert übernimmt Ken Duken. Über ihn sagt der Regisseur: „Ken haben wir besetzt, weil er mit seiner technischen Brillanz beiden Aspekten des Robert gerecht werden kann: Er ist Toms Freund, aber auch sein Manager, er steht sich emotional selbst im Wege. Wir spüren, dass er ein großes Herz hat, aber er zeigt es zu selten. Dadurch bildet er einen starken Kontrast zu Heidi. Tom liebt Robert zwar, aber er vermisst in dieser Beziehung das Herzliche, das Heidis besondere Stärke ist. Ken ist als Schauspieler sich selbst gegenüber sehr hart und unnachgiebig, und wie er das in die Figur des Robert einbringt, war genau das, was ich mir für diese Figur vorgestellt habe.“

Kostja Ullmann ergänzt: „Bei meinen Kussszenen mit Ken war ich anfangs nervös, aber die Hemmungen habe ich schnell verloren, weil es letztlich gar nicht so anders war als mit einer Frau, schon gar nicht schlimm – zumal mit einem so bezaubernden Partner wie Ken Duken. Wir hatten viel Spaß bei der Arbeit und verstehen uns auch privat hervorragend.“ Er fügte hinzu: „Marco dreht nur Projekte, die ihm besonders am Herzen liegen. Ich freue mich sehr, jetzt wieder mit ihm arbeiten zu du?rfen, weil ich vor zehn Jahren bereits ‚Sommersturm‘ mit ihm gemacht habe – das war mein erster Kinofilm und eine meiner schönsten Erfahrungen u?berhaupt. Der Film bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, mit welcher Hingabe und wie genau Marco arbeitet. Insofern habe ich nicht lange u?berlegt, als er mir die Rolle des Tom Herzner anbot.”

Natürlich gibt es auch jede Menge Musik in ‘Coming In’ zu hören. Hauptsänger ist Chris Schummert, der bei der zweiten Staffel von ‘The Voice Of Germany’ Zweiter wurde. Die ‘Rosenstolz’-Produzenten Peter Plate und Ulf Leo Sommer sagten dazu: „Wir wollten einen Soundtrack schaffen, auf dem sämtliche wichtigen Songs, die die Handlung begleiten, ausschließlich von einer weiblichen und einer männlichen Stimme gesungen werden. Dafür haben wir mit Chris Schummert und Maxine Kazis zwei großartige Talente gefunden, in die wir uns regelrecht verliebt haben und mit denen wir weiter zusammen arbeiten werden.“

Über den Soundtrack sagt Marco Kreuzpaintner: „Mit Peter Plate habe ich bereits bei ‚Sommersturm‘ zusammengearbeitet – damals steuerte seine Gruppe Rosenstolz den Schlusssong ‚Willkommen‘ bei. Plate und seine Partner Ulf Sommer und Daniel Faust sind die erfolgreichsten Songschreiber/-produzenten Deutschlands. Für unseren aktuellen Film liefern sie acht Songs zu einem sehr ungewöhnlichen Score. Ich möchte das große Orchester vermeiden, wünsche mir eher einen leichten Pop-Charakter, aber nicht einen Fleckenteppich aus 25 verschiedenen Künstlern. Mein konkretes Vorbild war der Film ‚Magnolia‘, bei dem die Sängerin/Songschreiberin Aimee Mann den gesamten Soundtrack gestaltet hat. Plate, Sommer und Faust schreiben nur selten fu?r den Film, haben aber gerade mit ‚Bibi & Tina – Der Film‘ einen großen Film- und Soundtrack-Hit gelandet.“

Fotos: Warner Bros., AEDT/WENN.com