Freitag, 10. Oktober 2014, 14:26 Uhr

Ex-MDR-Intendant Udo Reiter tot aufgefunden

Udo Reiter, der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ist tot. Entsprechende Informationen der ‘Bild’-Zeitung bestätigte die Polizei am Freitag in Leipzig. Weitere Details nannte die Polizei zunächst nicht.

Laut ‘Bild’-Zeitung wurde der 70-Jährige leblos auf der Terrasse seines Hauses in Gottscheina (Sachsen) gefunden. In der Nähe des Leichnams sei eine Waffe gefunden worden. Die Kripo gehe von Selbstmord aus, ein Fremdverschulden sei aber auch nicht auszuschließen, schrieb das Blatt. Reiters Tod dürfte die heute Abend stattfindende Gala ‘Goldene Henne’ – Deutschlands größten Publikums-Award – in Leipzig überschatten.

Reiter war der Gründungsintendant des MDR, schweißte über 20 Jahre bis zum seinem Ausscheiden 2011 die Drei-Länder-Anstalt (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) zusammen. Seit einem Autounfall 1966 saß der gebürtige Lindauer im Rollstuhl. Reiter lebte seit 2912 mit seiner zweiten Ehefrau, der ehemaligen MDR-Moderatorin und erfolgreichen Autorin Else Buschheuer, zusammen.

Mit tiefer Bestürzung hatte der Mitteldeutsche Rundfunk auf die Nachricht vom Tod seines Gründungsintendanten Professor Dr. Udo Reiter reagiert. “Die deutsche Medienlandschaft, wie wir sie heute kennen, verliert mit Udo Reiter einen ihrer Gründungsväter, der MDR einen Kollegen und väterlichen Freund”, sagte MDR-Intendantin Karola Wille in Leipzig. Gerade in diesen Tagen mache der Tod von Udo Reiter besonders betroffen. Wille: “Er war in den Tagen nach der friedlichen Revolution einer der großen Gestalter einer neuen demokratischen Mediengesellschaft im wiedervereinigten Deutschland. Ein Visionär, der mit Kraft, Überzeugung und politischem Geschick den gerade erst formierten neuen politischen Strukturen in den neuen Bundesländern eine publizistische Stimme gegeben hat”.

Die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ schrieb 2008 über Reiter: “Er hat das MDR-Fernsehen zum Marktführer der dritten Programme gemacht, der Sender wirkt identitätsstiftend. Aus der Ferne mag das Programm ostalgisch wirken, es bindet das Publikum in einer Weise, die andere beneiden.“

Eine seiner größten Leistungen fiel in seine Zeit beim Bayerischen Rundfunk: Beim Lauschen des Verkehrsfunks wurde Reiter auf eine gut gelaunte Stimme aufmerksam: Der junge Thomas Gottschalk verlas Staumeldungen und machte seine Späßchen – dank Reiter machte er Karriere.

Im Januar war Reiter Gast der ARD-Talksendung ‘Günther Jauch’ zum Thema: “Mein Tod gehört mir! Gibt es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben?”.

In seinem im Frühjahr 2013 erschienen Buch ‘Gestatten, dass ich sitzen bleibe’ schrieb er u.a.: “Ich habe trotz Rollstuhl ein schönes und selbstbestimmtes Leben geführt. Ich möchte nicht als Pflegefall enden. Ich möchte mir nicht den Nahrungsersatz mit Kanülen oben einfüllen und die Exkremente mit Gummihandschuhen unten wieder herausholen lassen. Ich möchte nicht allmählich vertrotteln und als Idiot vor mich hindämmern”. (dpa/KT)

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