Sonntag, 12. Oktober 2014, 11:45 Uhr

Xavier Naidoo: Popakademie geht auf Distanz zu ihrem Mitinitiator

Wenden sich jetzt immer mehr von Xavier Naidoo ab? Nach der Rede des 43-Jährigen vor einem rechtspopulistischen Publikum in Berlin hat die Popakademie Baden-Württemberg die Zusammenarbeit mit ihrem Mitinitiator auf Eis gelegt.

„Wir distanzieren uns von den fragwürdigen und irritierenden politischen Äußerungen und dem Auftritt Xavier Naidoos“, erklärte Geschäftsführer Udo Dahmen in Mannheim. Der Sänger hatte am Tag der Deutschen Einheit in Berlin bei einer Demonstration der sogenannten Reichsbürger gesprochen. Diese lehnen die staatliche Ordnung in Deutschland ab.

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Der Sänger habe in den vergangenen Jahren an je zwei bis drei Tagen als Gastdozent Workshops zum Thema Songwriting gegeben, sagte Dahmen. „Die für die Zukunft geplanten Termine sind von der Direktion der Popakademie ausgesetzt worden bis mit Xavier Naidoo persönlich zum Sachverhalt gesprochen werden konnte.“ Die Popakademie schätze Naidoo als langjährigen Förderer und Dozenten. „Irritiert haben wir die mediale Berichterstattung über seine Auftritte in Berlin zur Kenntnis genommen. Wir kennen ihn als geradlinigen und sozial engagierten Menschen.“

Im Kommentar des ‚Pro-Medienmagazins‘ heißt es u.a: „Nach seinem Besuch bei den ‚Reichsbürgern‘ trat Naidoo auch noch auf einer antisemitischen ‚Mahnwache‘ vor dem Kanzleramt auf. ‚Erhebt euch gegen die Plutokratie der Zionisten‘, war dort unter anderem auf Transparenten zu lesen. Nach einer kurzen Ansprache Naidoos über Frieden und Liebe skandierten Teilnehmer: ‚Israel bombardiert, USA finanziert, Deutschland toleriert‘. Rechts- und linksextreme Positionen verschwammen hier wie so oft im Israel-Hass zu einer unschönen Suppe.“ Die Managerin des Mannheimer Sängers habe am Dienstag erklärt, „Naidoo sei zu den Kundgebungen nicht eingeladen gewesen. Das mag sein – umso schlimmer, dass er die Versammlungen aufgesucht hat.“

Der ‚Musikexpress‘ holte derweil ein Interview aus der Schublade, das Naidoo 1999 mit dem Blatt geführt hatte. Darin sagte er u.a. auf eine entsprechende Frage: „Mir ist Gott und danach der Mensch als seine Schöpfung heilig. Und bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim.“ Einwurf des Magazins: „Sieh an: Xavier, der Rassist?“ Naidoo: „Ja. Aber ein Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner das auch ist.“ (dpa/KT)

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