Mittwoch, 15. Oktober 2014, 19:36 Uhr

Benedict Cumberbatch: Schwulsein in Hollywood ist ein Hindernis

In ‘The Imitation Game’ (ab 22. Januar in den deutschen Kinos) spielt Britenstar Benedict Cumberbatch (38) die Rolle des Mathematikers Alan Turing, der während des zweiten Weltkrieges den Enigma-Code der Nazis knackte. In der Öffentlichkeit erlangte das brilliante Genie aber nicht durch seine wissenschaftlichen Leistungen Bekanntheit, sondern durch seine Homosexualität.

Turing wurde nämlich 1952 wegen “schwerer Unzucht” angeklagt. Im Interview mit dem amerikanischen Schwulen-Magazin ‘Out’ sprach der ‘Sherlock’-Star jetzt darüber, warum der Mathematiker bis heute für ihn ein Held und ein Vorbild darstellt: “[Zur Zeit des zweiten Weltkrieges] warst du sofort eine Gefahr für die nationale Sicherheit, wenn du intellektuell oder homosexuell warst oder irgendwelche liberalen Ideen hattest. […] Turing war einfach ein tolles Vorbild für alle, die ‘anders’ sind oder sich ‘anders’ fühlen.”

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Wie er im Interview mit dem Magazin ‘Out’ berichtet, hat er schon als Jugendlicher an seiner Schule Erfahrungen damit gemacht, wie extrem Menschen auf Personen reagieren können, die ihrer Meinung nach nicht “der gesellschaftlichen Norm entsprechen”: “Da waren diese Kinder, die diesen armen [schwulen] Jungen [durch die Straßen] hetzten und sie kamen in mein Haus, atemlos – ein Sikh, ein jordanischer Prinz, ein Inder und ein Nigerianer. Ich rief ‘Stop, stop, stop, stop’, weil sie alle wie die Wilden hinter dem Jungen herjagten und ich fragte ‘Was ist passiert?’ Und sie haben es mir erzählt und sagten: ‘Das ist ekelig, stimmt’s?’ Und ich antwortete: ‘Nein, euer Verhalten ist verdammt ekelhaft. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr gejagt würdet, weil ihr einen Turban aufhabt oder weil ihr eine andere Hautfarbe habt oder wegen eurer Religion? Es geht darum, individuell zu sein. Ihr könnt das nicht tolerieren? Seid ihr krank im Kopf? Und sie sagten: ‘Was? Nein. Warum, bist du schwul? Und ich antwortete: ‘Nein, aber ich kann ganz klar sehen, das ihr Tyrannen seid. Ihr seid einfach fiese Menschen.”

Die gleichen Vorurteile sieht Benedict Cumberbatch heute auch noch in Hollywood, ein Thema, das er schon mit seinem schwulen ‘Star Trek’-Schauspielkollegen Zachary Quinto (37) diskutiert habe: “Ich glaube, wenn du in Hollywood Hauptrollen spielen willst, ist es traurigerweise immer noch ein großes Hindernis, wenn du zugibst schwul zu sein. Wir alle kennen Schauspieler, die es sind und die nicht darüber sprechen wollen oder es abstreiten. Ich weiß wirklich nicht, wie sie damit umgehen können.” Was für irre Ausmaße Intoleranz haben kann, zeigt sich, wie Cumberbatch findet, gerade in den aktuellen Entwicklungen im Irak: “Menschen werden momentan wegen ihres Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung geköpft. Es ist schrecklich. Es ist mittelalterlich – eine Enthauptung! Ich würde mit Waffengewalt gegen jemanden vorgehen, der mir vorschreiben möchte, dass ich an das glauben soll, an was sie selbst glauben oder sie würden mich töten. Ich würde gegen sie kämpfen. Ich würde bis zum Tod gegen sie kämpfen. Und ich glaube, dass man je älter man wird, eine Vorstellung von dem haben muss, was richtig und falsch ist. Man kann keine einseitige Toleranz haben. Man muss einen Standpunkt haben, der lautet: Religiöser Fundamentalismus ist falsch.” (CS)

Fotos: WENN.com, Out Magazin