Donnerstag, 16. Oktober 2014, 20:14 Uhr

Bürger Lars Dietrich über (s)eine Reise in die Vergangenheit

Bürger Lars Dietrich hat mit ‘Dietrichs Demokratische Republik’ ein neues Album am start. Auf diesem neuen Werk refkelktiert er musikalisch seine unbeschwerten Kindheit in der DDR auf besondere Art und Weise. Mit klatsch-tratsch.de sprach der sympathische Moderator, Sänger und Schauspieler (auf dem Foto mit Gattin Tuerkiz Talay) über das Gestern und Heute auf seiner neuen Platte.

Bürger Lars Dietrich, dürften wir Sie noch duzen? Woher kommt eigentlich das “Bürger”?
Aus dem Bürgerlichen. In der DDR wurde man offiziell auch oft so angesprochen. Und da ja jeder einer ist können wir uns ruhig auch mal Duzen.

Der Vollbart macht Dich älter und warum trägst du seit ungefähr einem Jahr (erstmals seit zwei Jahrzehnten) volles Haupthaar? Ist der Lars jetzt Biedermann geworden?
Ich glaube, dass ich ohne Bart auch nicht viel jünger aussehe, da ich nun mal auch älter geworden bin. Immerhin ist er noch nicht total weiss und auf meinem Kopf ist auch noch alles dicht und dunkel. Nach zwanzig Jahren Glatze wollte ich es einfach mal ausprobieren und bekomme darauf überwiegend positive Reaktionen. Das dadrunter ist auch nicht biederer als vorher, keine Sorge.

Gerade ist das neue Album “Dietrichs Demokratische Republik” erschienen. Das ganze klingt ja wie eine Fernsehshow? Warum und für wen hast du das gemacht und was gibt’s denn darauf zu hören?
Das Ganze war in der Tat am Anfang als Soundtrack zu meinem gleichnamigen Bühnenprogramm gedacht und hat sich zu einem sehr authentischen, musikalischen Zeitzeugendokument entwickelt. Bei der Lesereise zu meinem Buch “Schlecht Englisch kann ich gut” habe ich auch schon kleine Anekdoten bebildert oder mit Originalsounds aus meiner Kindheit untermalt, was die Lesungen sehr lebendig machte und beim Publikum gut ankam. Daraus entstand dann die Idee für ein Bühnenprogramm, wo ich all diese Geschichten, die ich in “meiner” DDR erlebt habe, in Form von Sketchen und Einspielern veranschauliche. Dazu wird auch viel gesungen und getanzt. Auf meinem Album erzähle ich in musikalischer Form von meinem Leben in der DDR, und zwar auf unterschiedliche Weise: Es gibt Songs mit dem von mir gewohnten Sprechgesang, aber auch legendäre Hits der DDR, die ich neu interpretiert habe. Ich freue mich, dass ich für das Projekt Legenden von damals wie z.B. die Puhdys, Angelika Mann oder Frank Schöbel gewinnen konnte. Das Album soll aber keineswegs nur für “Ossis” gedacht sein: Ich möchte zum einen jene Menschen, die ebenfalls in der DDR aufgewachsen sind, auf eine Reise in ihre Vergangenheit mitnehmen. Zum anderen hoffe ich aber auch, dass ich all jenen, die die DDR nicht kannten, einen kurzweiligen Einblick geben kann, wie ich die Zeit damals empfunden habe.

Das Kinderlied “Komm wir malen eine Sonne” von Frank Schöbel war ja ein Riesenhit in der DDR. Welche Erinnerung hast du daran und wie ist Deine Songauswahl entstanden?
“Komm wir malen eine Sonne” war die Hymne zum grossen Mal- und Zeichenwettbewerb “Asphalt und Kreide” auf der Potsdamer Freundschaftsinsel. Ausserdem habe ich auch auf sämtlichen Kindergeburtstagen kräftig dazu abgefeiert. Frank war und ist auch heute noch ein cooler Typ. Meine Version ist vor allem eine Huldigung an ihn.

Angelika Mann hat mit Dir nochmal ihren einstigen, wundervollen Hit “Champuslied” im fetten Bigband-Sound aufgenommen. Wie ist es dazu gekommen?
Das Champuslied ist ein sehr schöner DDR-Song, der immer wieder im Radio und im Fernsehen gespielt wurde, und ich bin sehr stolz, dass ich seine original Interpretin für ein Duett gewinnen konnte. Angelikas Stimme klingt vertraut und wie in den alten Zeiten. Die BigBand hat mich schon auf meinem Swing Album “Damenwahl” begleitet, und so wurde ein hochkarätiger Schuh daraus.

Was sagst du eigentlich denen, die das Kürzel “D.D.R.” einfach nicht mehr hören können? Denen dürfte ja deine Platte ziemlich Wurst sein.
Wer grundsätzlich kein Interesse an diesem Thema hat, muss sich nicht damit beschäftigen. Ich kann nur sagen, dass ich die DDR in keinster Weise auf diesem Album beschönige, sondern eher einen Blick hinter die Kulissen gebe und vom Leben des normalen Durchschnittsbürgers berichte.

Ein Rap-Song heißt “Meine DDR”. Rap und DDR – das ist ja lustig. Erklär und das mal.
Hip Hop kam über das Westfernsehprogramm in unsere Wohnzimmer und war anfangs nicht gern gesehen. Nicht zuletzt weil diese Kultur aus Amerika kam. Es als Hobby leidenschaftlich zu betreiben war darum sehr beschwerlich, da es weder die richtige Musik, noch die dafür nötigen Klamotten gab. Wir fanden aber trotzdem Mittel und Wege, um die es in diesem Song geht, und das war ein sehr einschlägiges Kapitel in “meiner DDR”.

Du hast ja eine klassische Ballett-Ausbildung. Warum das denn? Und was davon ist geblieben?
Ich habe aufgrund meiner Breakdance Leidenschaft von meiner Cousine den Tip bekommen, mich mal auf der “Pallucca-Schule” in Dresden zu bewerben. An so einer renommierten Schule Bühnentanz studieren zu können, war etwas ganz Besonderes und es hat geklappt. Nach einer Eignungsprüfung wurde ich angenommen. Bis heute spielen Tanz und Bewegung eine grosse Rolle bei all meinen künstlerischen Aktivitäten.

In der Öffentlichkeit sieht man Dich nur als Strahlemann. Was bringt Bürger Lars Dietrich so richtig in Rage?
Rücksichtslose Menschen und Elektro-Geräte, die nicht funktionieren.

Mit “Dietrichs Demokratische Republik” gehst du auf Tour. Was wirst Du dem Publikum bieten? Wird das die große Bigband-Show?
Ich war als Kind schon begeistert von den Shows der 70er und 80er Jahre wie “Ein Kessel Buntes” oder “Die Peter Alexander Show”. In diesem Stil haben wir die Anekdoten aus meiner Kindheit und Jugend im Osten als Bühnenprogramm adaptiert. Gemeinsam mit meinem Ensemble bestehend aus Mathias Schlung, Tanja Wenzel und Volker Zack Michalowski bieten wir dem Publikum ein buntes Potpurri aus Sketchen, Gesang und Tanz rund um den absurden DDR Alltag. Mehr wird nicht verraten!

Sehen wir Dich auch mal wieder als Schauspieler?
Ich spiele Theater und bin neben meinem eigenen Stück auch noch mit der Komödie “Machos auf Eis” unterwegs, was nicht nur mir, sondern auch den Zuschauern sehr viel Spass macht.

Worüber hast du zuletzt am meisten gelacht?
Über Volker “Zack” als ABV. (sirhe Video oben – die Red.)

Fotos: WENN.com/Hoffmsann, Promo