Freitag, 17. Oktober 2014, 18:35 Uhr

Stephan Bindella: Alles über den singenden Züricher Millionärssohn

Eigentlich schienen Karriere und Glück Stephan Bindella in die Wiege gelegt. Papa und Gastronomiekönig Rudi führt in der heimischen Schweiz ein gut geöltes, seit mittlerweile mehr als hundert Jahren in Familienhand liegendes Großunternehmen aus Gastronomie, Weinbau und Immobilenhandel.

Von seinen vier Söhnen haben drei Wirtschaft studiert und sind somit gerüstet, den Karren bis weit ins 21. Jahrhundert zu ziehen. Drei von vier Söhnen. Alle bis auf Stephan, der seinrn muskalischen Einstand schon vor fünf Jahren in seiner Heimat gab, sich aber erst jetzt anschickt Deutschland zu erobern.

Bindella stand schon als kleiner Junge eher auf Gitarre und Schlagzeug, schlug sich so tapfer wie erfolgreich durch Nachwuchswettbewerbe und ließ schließlich als Teenager die Sekundarschule sausen, um sich ganz auf seine Karriere als Musiker zu konzentrieren. Leider orientierte er sich auch danach an den Biografien seiner Helden: Zweifel, Exzess, ein inniger Flirt mit dem inneren Ruin. Doch was ein echter Lebenskünstler ist, der kommt noch aus dem tiefsten Tal gestärkt zurück.

Und so ist „Greenlove“ (kommt am 7. November raus) denn auch ein Album geworden, dem man die Reife seiner Einflüsse ebenso anhört wie die ganz persönliche Lebensgeschichte, die Bindella durchgemacht hat. Vielleicht kein Song bringt das besser zum Ausdruck als das bittersüße „Beautiful Mess“, das Bindella fraglos aus gutem Grund gleich zu Beginn des Albums platziert hat: „How was I still living? / How was I not dying?” heißt es da etwa.

Und auch wenn sich viele Songs auf ‘Greenlove’ um die Thematik drehen, wie man seines Geschicks wieder Herr wird, so kommt doch lange nicht jedes Stück mit so viel Gewicht auf den Schultern daher – viele sind einfach pures Vergnügen! Etwa die erste Single ‘A Night To Remember’, eine sorgenfreie Tanznummer über die perfekte Partynacht; der soulige’ mit seinen Anklängen an Train und, dank Bindellas wundem Falsett, auch ein wenig Coldplay.

Fotos: Sven Sindt