Donnerstag, 23. Oktober 2014, 16:15 Uhr

Filmkritik "Hin und weg": Florian David Fitz und eine Radtour ans Sterbebett

Die Suizide Prominenter wie des Fußballstars Robert Enke oder der Schauspiel-Ikone Robin Williams haben die öffentliche Diskussion zum Thema “selbstbestimmtes Sterben” immer wieder stark angeheizt. Nun überrascht der Spielfilm ‘Hin und weg’ mit einer tragikomischen Wortmeldung zum schweren Thema.

Erfolgsschauspieler und Frauenschwarm Florian David Fitz führt die mit Hannelore Elsner und Jürgen Vogel prominent besetzte Tragikomödie ‘Hin und weg’ an. Er spielt den sterbenskranken Hannes, der seinem eigenen Tod entgegen eilt. Dazu nutzt er die alljährliche Radtour mit Freunden. Für ihn wird es die letzte sein. Doch das wissen außer ihm zunächst nur wenige, etwa seine Frau Kiki (Julia Koschitz).

Am Anfang steht die Verwunderung der Freunde, so der ruppige Michael (Jürgen Vogel), dass Hannes ausgerechnet nach Belgien will. Doch ein Essen bei Hannes’ Mutter (Hannelore Elsner) erklärt warum: der Mittdreißiger ist todgeweiht. Er leidet wie einst der Vater an der unheilbaren Krankheit ALS. Anders als der Vater aber will er kein langes Sterben erleiden – und in Belgien ist Selbsttötung auf Wunsch möglich. Deshalb die Reise ins westliche Nachbarland.

Florian David Fitz, Hannelore Elsner und vor allem Julia Koschitz haben große Momente. Es sind Momente der Stille, in denen die Angst und der Schmerz im Banne des Unvermeidbaren spürbar werden. In diesen Szenen setzt die Regie ganz auf das Können der Darsteller. Überzogenes Pathos bleibt aus. Dem Tod wird mit einem leisen Lächeln Paroli geboten.

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Leider aber gibt es immer wieder lustige Nummern, deren Witz arg gezwungen wirkt. Anlass dazu geben insbesondere Scherzaufgaben für die Teilnehmer der Radtour. Da muss dann etwa Jürgen Vogel im Glitzerfummel als Transvestit auftreten. Vogel macht das mit Grandezza.

Doch die Szenenfolge mündet gerade mal in einen krampfigen Kalauer. Die Chance, die Figur des als Macho angelegten Michael von einer anderen, sensiblen Seite zu zeigen, wird hier verschenkt. Das gelingt Vogel als ganzem Kerl ganz nebenbei mit einer Umarmung.

Zum Ende wird’s leider sentimental. In einem konstruiert anmutenden Epilog versammeln sich die Hinterbliebenen. Die Erinnerung an den Toten wird zu einem Augenblick weichgespülter Gefühlsduselei. Da geht aller Anspruch, der vorher oft in kluger Balance von Tragik und Komik erreicht wurde, in sehr schlichter Friede-Freude-Eierkuchen-Banalität unter.

Über Strecken aber kommt die Fahrradtour ans Sterbebett gehörig in Fahrt und weit über den Durchschnitt deutschen Humors der üblichen (Un-)Art hinaus. (Peter Claus/dpa)

Fotos: Ennenbach/Majestic