Sonntag, 26. Oktober 2014, 18:30 Uhr

Nix mit "Emergency Room": Die schrägsten Stories aus der Notaufnahme

Wenn das Notfalltelefon auf der Station klingelt, dann ist Alarm angesagt und alles muss ganz schnell gehen. Was für einen Patienten man als Nächstes reinbekommt, weiß man nie so genau, und manchmal zählt jede Sekunde, um ein Menschenleben zu retten – das ist Routine in der Notaufnahme.

Und wenn man an den Alltag in der Notaufnahme denkt, dann hat man aber auch Fernseh-Bilder von attraktiven Ärzten und extrem sexy Krankenschwestern im Kopf, die um das Leben ihrer Patienten kämpfen. Auch in der absoluten Ausnahmesituation sitzen die Haare perfekt und die Zeit lässt tiefsinnige Gespräche über das Liebesleben zu. Mit der Realität hat das aber herzlich wenig zu tun, sagen Anna Delegra (28) und Tim Benit (32). Die beiden Krankenpfleger aus Berlin haben ihre beruflichen Erlebnisse in ‘Ich bin aber auch ein Notfall!’ geschrieben. Die gesammelten Notfall-Geschichten gibt es jetzt bei uns zu gewinnen. Ein witzig-anrührendes Lesevergnügen mit einer gesunden Portion schwarzen Humors über den ganz normalen Wahnsinn in der Notaufnahme. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit den beiden Krankenpflegern über ihre Erlebnisse und das Arbeiten am Limit unterhalten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Buch über eure beruflichen Erfahren zu schreiben ?
Anna: Die Entscheidung für das Buch lässt sich auf kein bestimmtes Erlebnis zurückführen. Es kamen einfach so viele Erlebnisse zusammen. Wir haben schon immer unsere Erlebnisse notiert, um unseren anstrengenden Berufsalltag besser zu verarbeiten. Wie üblich will man Erfahrungen über seinen Beruf austauschen. In einem Nachtdienst kamen wir ins Gespräch über unsere skurrilen und ungewöhnlichsten Geschichten und darüber, dass alle immer sagen, man sollte darüber ein Buch schreiben. Dann war auch schon die Idee von einem gemeinsamen Buch geboren. Tim meinte im Spaß, dass wir unsere Geschichten zusammenschmeißen und an einen Verlag schicken sollten. Gesagt, getan. Prompt bekamen wir Antwort.

Wir kennen alle diese Krankenhausserien á la Emergency Room. Wie viel haben die mit dem tatsächlichen Alltag zu tun?
Natürlich schauen auch wir auch solche Serien. Am amüsantesten finden wir, wie viel Zeit die Darsteller da immer für ihre Patienten haben und erstaunlich ist auch der überdurchschnittliche Personaleinsatz. Da kommt man ins Schwärmen. In der Realität sieht das ganz anders aus. Wir haben mächtig unter Personalmangel und dadurch unter Zeitdruck zu leiden. Die Serien haben für uns einen Wiedererkennungswert, jedoch sollte man sie nicht überbewerten. Sie dienen vor allem der Unterhaltung. Leider können Patienten bei einer Erkältung nicht unbedingt eine große Rettungsaktion von George Clooney und seinem Team erwarten (lacht).

Was war euer bisher schlimmstes Erlebnis?
Tim: Als Pflegekräfte in der Notaufnahme sind wir auf die Versorgung von Notfällen eingestellt und müssen immer in der Lage sein, jeden Notfall anzunehmen und zu behandeln. Grundsätzlich ist es für uns vor allem dann schlimm, wenn wir machtlos sind. Leider ist Hilfe nicht in jedem Fall möglich. Grundsätzlich sind alle Sterbefälle traurig, uns gehen aber persönlich Schicksale von jungen Menschen und Kindern besonders Nahe.

Gab es eine besonders emotionale Situation, die euch im Kopf geblieben ist?
Anna: Als eine kräftige Frau in die Notaufnahme kam wusste sie nicht was ihr fehlt. Sie hyperventilierte, war ziemlich aufgeregt. Ich nahm sie mit in den Behandlungsraum, wollte die üblichen Vorbereitungen durc führen und habe sie nach ihrem Krankheitszustand befragt. Sie erzählte mir von Bauchschmerzen, die sie seit einigen Monaten plagen. Sie drehte sich auf der Untersuchungsliege hin und her. Ich ging davon aus, dass sie große Schmerzen haben muss, bereite eine Infusion mit Schmerzmitteln vor. Und plötzlich, ich konnte es kaum fassen, war da ein Kopf zwischen ihren Beinen. Nachdem ich den Säugling zur Welt geholt und an das Team des Kreissaals übergeben habe, musste ich erstmal an die frische Luft. Die Emotionen der letzten Minuten stürzten auf mich ein und eine Träne rollte über meine Wange.

Was nervt Euch an der Arbeit?
Tim: Eigentlich ist es nur der Zeit- und Ressourcenmangel der nervt und unsere Arbeit erschwert. Mit immer weniger Personal muss ein höher werdendes Patientenaufkommen bewältigt werden. Die Menschen gehen oft nicht mehr zu ihren Hausärzten, sondern strömen in die Notaufnahmen. Die Anspruchshaltung der Patienten wächst, sie wollen nicht monatelang auf einen ambulanten Termin beim Facharzt warten, sondern frühzeitiger behandelt werden. Trotz unserer Anstrengungen sind sie manchmal immer noch unzufrieden, obwohl sie, wenn es notwendig ist, innerhalb weniger Stunden sogar von mehreren Fachärzten untersucht werden. Diese Unzufriedenheit finden wir unverhältnismäßig.

Was motiviert euch?
Die Routine in der Notaufnahme nimmt nur einen kleinen Teil ein, somit ist die Arbeit immer abwechslungsreich und spannend. Zu Beginn des Dienstes haben wir keine Ahnung welche Herausforderungen uns an diesem Tag erwarten. Das, was sich in den acht Stunden unserer Schicht abspielt, wird wie beim Kartenspiel täglich neu gemischt. Mal erwischt man ein As, manchmal aber nur den schwarzen Peter. Die Stimmung in der Notaufnahme kann innerhalb kürzester Zeit von freundlich gelassen auf hochexplosiv umschlagen. Wir brauchen auf jeden Fall diesen Adrenalinkick.
Uns motiviert aber natürlich auch die Dankbarkeit der Menschen, die uns entgegen gebracht wird. Wir sind zufrieden, wenn wir in Notsituationen schnell und effektiv helfen können und wesentlich zum Überleben unserer Patienten beitragen konnten.

Plant ihr einen zweiten Teil?
Ein Buch zu schreiben nimmt viel Zeit in Anspruch. Momentan nutzen wir eher die Zeit zum entspannen, notieren uns aber trotzdem unsere Erlebnisse, die uns erwähnenswert erscheinen. Wir werden sehen… auf jeden Fall kribbelt es schon wieder in den Händen.


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Tim Benit & Anna Delegra: ‘Ich bin aber auch ein Notfall!’ – Skurrile Geschichten aus dem Alltag in der Notaufnahme
224 Seiten | Taschenbuch ISBN 978-3-86265-209-9 Originalausgabe | 9,95 EUR (D)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Fotos: Stefanie Brandenburg