Montag, 27. Oktober 2014, 15:17 Uhr

"Walking Dead": Frauen sehen mehr Splatter- und Horrorfilme als Männer

Blutrünstig und furchteinflößend ziehen die Zombies über den Fernsehbildschirm – und Hunderttausende schauen begeistert zu. Nach einer Zombie-Apokalypse kämpft eine Handvoll Menschen in der Serie ‘The Walking Dead’ ums Überleben. Wie es sich anfühlt, Figuren sterben zu lassen und was die Fans erwartet, erzählt Produzentin Gale Anne Hurd im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Sie waren bei der Serie ‘The Walking Dead’ von Anfang an dabei. Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?
Ich wünschte, ich könnte sagen, ja. Aber so ist es nicht. Es hat uns alle überrascht. Die erste Episode haben sich in den USA fünf Millionen Menschen angesehen. Heute – also vier Jahre später – sind es schon 17 Millionen. Das hätte niemand vorhersehen können. Und hätte es jemand getan, ich hätte ihm nicht geglaubt.

Woher kommt der Erfolg?
Es geht in der Serie eigentlich nicht um Zombies, sondern um die einzelnen Charaktere. Sie treiben die Geschichte voran. Außerdem haben wir großartige Schauspieler, die für die Rolle ihr Leben geben würden – das merken die Zuschauer. Und wir profitieren sehr von den neuen technischen Möglichkeiten.

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Wie meinen Sie das?
Bei ‘The Walking Dead’ darf der Zuschauer keine Folge verpassen, sonst ist er aus der Handlung raus. Online-Portale, bei denen man die Serien später noch schauen kann, ermöglichen den Zuschauern, trotzdem am Ball zu bleiben. Und dann erzählen sie Freunden und Familien von der Serie – und auch die haben immer noch die Chance, die verpassten Folgen aufzuholen.

Bürgerkrieg, Seuchen, Unwetter – die Menschen sind momentan verunsichert. Eigentlich müssten sie sich nach der schönen heilen Welt sehnen. Stattdessen schauen sie sich Horror an.
Horror ist gerade in unruhigen Zeiten beliebt. Auch diejenigen, die in Regionen leben, die gar nicht von Krisen betroffen sind, haben das Gefühl, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis auch ihnen etwas passiert. Horrorfilme und -serien geben ihnen die Möglichkeit, eine erschreckende Situation schon einmal zu erleben. Wenn sie dann das Licht wieder anschalten und sehen, dass sie alles überstanden haben, dann fühlen sie sich plötzlich gut und alles ist in Ordnung.

Schauen eigentlich mehr Männer Ihre Serie?
Nein, da liegen Sie falsch. Generell schauen sich mehr Frauen Splatter- und Horrorfilme an – 60 Prozent zu 40 Prozent. Die Mehrheit dieser Filme hat weibliche Hauptdarsteller. Und sie sind es auch, die am Ende überleben. Denken Sie an die Filme «Halloween» oder sogar an «Terminator»! Eine Frau zerstört am Ende das Monster und überlebt. Das pusht Frauen, gerade weil sie als zarter und verletzlicher gelten als Männer. Dass Frauen in diesen Filmen nicht Opfer, sondern Helden sind, ist fantastisch.

In Deutschland läuft im Free-TV gerade die vierte Staffel an, in den USA und auch beim deutschen Bezahlsender Fox ist bereits die fünfte Staffel gestartet. Was können Sie darüber verraten?
Neu in der fünften Staffel ist, dass die Menschen nicht mehr länger an einem sicheren Ort sind, sondern wieder auf der Straße – das führt zu jeder Menge Problemen mit denen sie klarkommen müssen. Außerdem sind die größte Gefahr nicht mehr die Zombies, sondern eine andere Gruppe von Menschen, die ebenfalls überlebt hat.

Klingt, als würden auch in der neuen Staffel wieder viele Charaktere sterben müssen.
Oh, ja. Wenn sie nicht sterben würden, hätten wir keine Zuschauer mehr. Wir würden uns unglaubwürdig machen. Wer in dieser Welt lebt, ist einfach sehr verwundbar.

Fällt es Ihnen schwer, Figuren sterben zu lassen?
Klar! Alle am Set sind wie eine Familie für mich. Wir verstehen uns, verbringen viel Zeit zusammen. Das ist der schlimme Teil meines Jobs: Einem Darsteller zu sagen, dass seine Figur sterben wird und dass wir uns verabschieden müssen. Lange musste ich diese Gespräch mit den Darstellern führen. Jetzt macht das zum Glück mein Kollege Scott Gimple.

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ZUR PERSON: Grusel und Science-Fiction sind die Themen der US-amerikanischen Hollywood-Producerin Gale Anne Hurd (58). Neben der Serie ‘The Walking Dead’ hat sie unter anderem die Blockbuster ‘Armageddon’, ‘Hulk’ und ‘Terminator’ produziert.

Mit den Wiederholungen der Staffeln 1-3 erzielte RTL II durchgehend sehr gute Quoten. Der Serienhit erreichte durchschnittlich 11,3 % Marktanteil bei den 14-49-Jährigen. Bis zu 1,12 Millionen Zuschauer fieberten mit, wenn es für die Gruppe um Rick Grimes galt, ihr Überleben gegen die Untoten zu sichern. Den besten Wert der drei Staffeln erzielte Episode 32 in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag mit hervorragenden 20,0 % MA in der Zielgruppe.

Nach den Staffeln 1-3 sind ab heute Abend um 23:15 Uhr die 16 neuen Episoden der vierten Staffel von ‘The Walking Dead’ als deutsche Free-TV-Premiere zu sehen.

Interview: Rebecca Krizak, dpa, Fotos: RTL II, Tobias Hase