Dienstag, 28. Oktober 2014, 15:40 Uhr

Hanno Koffler mit Götz George in fesselndem Katz-und-Maus-Spiel

Hanno Koffler zählt seit einigen Jahren zu den hoffnungsvollen Talenten des deutschen Films. Am Samstagabend ist er neben Götz George und Hannelore Elsner in dem brillanten Drama ‘Besondere Schwere der Schuld’ zu sehen. Der 34-jährige ist derzeit im Kino in ‘Coming In’ zu sehen, spielte in dem aufsehenerregenden Polizeidrama ‘Freier Fall’ und kommt aus einem durchaus künstlerisch vorbelastet Hause: Sein Opa Leo Koffler war Schauspieler und Dramaturg unter Regielegende Fritz Lang.

Derzeit dreht Hanno unter der Regie von Rosa von Praunheim die Lebensgeschichte des knallharten Berliner Karatekämpfers, Zuhälters und Frauenhassers Andreas Marquardt. Ein handfester Filmstoff, ganz andwers als seine zurückgenommene Darstellung in ‘Besondere Schwere der Schuld’. Premiere soll auf der Berlinale 2015 sein.

Im aktuellen Gespräch verriet Koffler nun, wie happy er war, mit dem großen Kinomann Götz George drehen zu können.

Doch zunächst: worum geht’s in dem Film? 30 Jahre saß Joseph Komalschek (Götz George) hinter Gittern. Der Grund: Besondere Schwere der Schuld. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Gewohnheitskriminelle seine Nachbarin und ihr neugeborenes Kind mit erbarmungsloser Brutalität ermordete.

Die Tat hat der Beschuldigte allerdings nie gestanden. Pikanterweise wurden auch die Leichen nie gefunden. Nun versetzt die Rückkehr der „Bestie“ seine Heimatstadt, Schauplatz des einstigen Verbrechens, in helle Aufregung. Der junge Polizist Tom Barner (Hanno Koffler) und seine Kollegen observieren den als gefährlich eingestuften Ex-Sträfling rund um die Uhr. Der Aufwand ist enorm. Trotzdem kann der alte Mann, der nach einer Schießerei nur noch ein Bein hat, seinen Bewachern immer wieder entkommen. Sein Weg führt ihn tief unter die Erde, wo er in einem stillgelegten Bergwerk die Wahrheit ans Licht befördern will. Toms Vater Klaus (Manfred Zapatka) und seine pensionierten Kollegen Heinz Braun (Thomas Thieme) und Fritz Reet (Hans-Martin Stier), die seinerzeit für Komalscheks Verurteilung sorgten, werden nervös. Auch in Toms Kopf hat sich eine Frage festgesetzt, die sich nicht mehr ignorieren lässt.

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Hintegrund: Der junge, smarte Polizist Tom Barner hat kein leichtes Erbe angetreten: Schon sein Vater, sogar sein Großvater waren Polizisten. Kein Wunder also, dass er seinen Dienst besonders gut machen möchte. Seine erste große Bewährungsprobe bekommt er, als Joseph Komalschek nach 30 Jahren Haft auf freien Fuß gesetzt wird. Er soll ihn bewachen. Tom lässt sich von dem humpelnden Mann nicht einschu?chtern. Ihm ist wichtig, dass nichts passiert und sich vor allem seine verängstige Mutter sicher fühlt.

Erst als Tom mehr und mehr in den Fall Komalschek eintaucht, wird er misstrauisch und ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Beinahe entwickelt er sogar eine gewisse Zuneigung zu Komalschek. Was verbindet diesen angeblichen Mörder mit ihm?

Herr Koffler, was hat Sie überzeugt, zu diesem Projekt zuzusagen?
Ich habe das Drehbuch nach einem langen Tag am späten Abend als Mail von meiner Agentin bekommen. Ich wollte eigentlich nur mal kurz reingucken, doch dann habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. So spannend war es von der ersten Seite an! Das ist mir, glaube ich, fast noch nie passiert. Das Buch von Sascha Arango hat mich wirklich sofort gepackt. Er hat diese Geschichte fast fragmentarisch erzählt, sehr reduziert, sehr ungewöhnlich. Sie ist so gut entwickelt, dass sie mit relativ wenig erklärenden Dialogen auskommt. Das hat mich einfach sehr angesprochen. Ohne dass ich wusste, wer als Cast vorgesehen war, habe ich noch am selben Abend zugesagt. Das Verrückte war: Am Abend, beim Zähneputzen, stellte ich mir vor, dass es toll wäre, wenn Götz George den Komalschek spielen würde. Ich bewundere Götz Georges Arbeit schon lange, hatte mit ihm aber noch nie gedreht. Als mir meine Agentin dann am nächsten Tag erzählte, dass Götz George tatsächlich den Verbrecher spielen würde, konnte ich es vor Freude nicht fassen!

Worin lag für Sie die Herausforderung, den Polizisten Tom Barner zu spielen?
Für mich hat diese Figur einen großen Spannungsbogen, der sich allerdings sehr subtil entwickelt. Tom Barner geht den Fall – die Bewachung eines entlassenen Schwerverbrechers – zunächst gelassen und eher distanziert an. Emotional berührt ist er dadurch, dass seine Eltern, vor allem seine Mutter, sich bedroht fühlen. Erst allmählich wird Tom im Verlauf der Geschichte in einen Strudel hineingezogen, dem er sich nicht entziehen kann. Er folgt einer Fährte und rutscht immer weiter in eine Sache hinein, dessen Ausgang er nicht kennt. Er spürt unterbewusst, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Aber was? Am Schluss trifft ihn eine emotionale Keule wie aus dem Nichts. Ein Schock für ihn. Diese Entwicklung so reduziert zu spielen, ohne die Emotionalität, also die innerlichen Vorgänge der Figur, plakativ auszustellen und trotzdem den Zuschauer in den Bann zu ziehen, das war mir eine Freude. Außerdem war die Zusammenarbeit mit dem Ensemble für mich eine sehr bereichernde Erfahrung!

Fotos: ARD Degeto/Thomas Kost, WENN.com