Dienstag, 02. Dezember 2014, 22:40 Uhr

Hier ist Lagerfelds opulenter Musikfilm mit Pharrell Williams und Geraldine Chaplin

Karl Lagerfeld landete bereits am Sonntag  mit einem Privatjet in Salzburg und präsentierte gestern Abend (1. Dezember) einer Auswahl von prominenten Gästen seinen Fashion-Film ‘Reincarnation’. Die Vorführung war ein gebührender Auftakt zu der großen Chanel-Show, die heute in der viertgrößten Stadt Österreichs veranstaltet wurde.

Unter den rund 500 illustren Gästen aus alter Welt waren unter anderem bekannte Gesichter, wie die Schauspielerinnen Iris Berben und Rooney Mara, sowie Sängerin Lily Allen. Der Film, den der Modeschöpfer für seine neue Chanel-Kollektion ‘Métiers d’art‘ gedreht hat, zeigt neben dem singenden  und schauspielernden Topmodel Cara Delevingne, als Kaiserin Sissi, und Pharrell Williams, als Kaiser Franz, auch die – nun ja – legendäre Geraldine Chaplin in der Rolle der Coco Chanel.

Lagerfeld erklärte: “‘Reincarnation’ ist die Geschichte der Jacke eines Liftboys, die als zeitloses Kleidungsstück der weiblichen Garderobe wiedergeboren wird.” Allgemein erinnert das Video an die Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die heiß ersehnte ‘Mètiers d’Art’-Show des französischen Haut Couture-Hauses findet heute Abend im Salzburger Schloss Leopoldskron statt.

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Eigentlich wären die Räume des Rokoko-Schlosses Leopoldskron alleine schon prachtvoll genug, doch die Dekoration für die Chanel-Modenschau ‘Métiers d’Art’ in Salzburg verlieh ihnen am Dienstag noch mehr Eleganz.

Ungewohnt erlesen trat dann auch der von Karl Lagerfeld entworfene moderne Trachtenlook auf. Die lodengrünen Capejacken mit aufwändigen Paspeln, die grauen Strickjoppen mit Borte, die schimmernden Federkielmotive, die folkloristisch bestickten Kleider, ja selbst die dicken Wollstrümpfe wirkten kostbarer als die meisten Abendroben. Passende weiche Alpenhüte rundeten sich in einem perfekten Schwung und waren mit kühnen Federn geschmückt.

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Die ‘Métiers d’Art’-Präsentation ist keine “gewöhnliche” Schau: Zwar werden auch hier wie bei den etwa zeitgleichen “Prefall”-Präsentationen anderer Häuser Entwürfe für den kommenden Spätsommer gezeigt. Auch handelt es sich um keine Haute Couture in Einzelanfertigung, sondern «Ready-To-Wear»-Entwürfe für die Boutiquen. Doch soll dabei die Expertise der dem Modehaus angegliederten Ateliers im Vordergrund stehen. Dafür scheut man keine Mühe. Die Räume von Schloss Leopoldskron wurden ausgeräumt und wie ein Salon Privé neu eingerichtet.

Die Hüte zum Beispiel stammen von dem Pariser Hutmacher Maison Michel. Einen derartigen Kopfschmuck mit der Hand zu formen, gilt als Kunst für sich. Das Haus übt diese seit Jahrzehnten aus. Für die Federn hingegen zeichnet der Federschmuckmacher Lemarié verantwortlich. Ateliers wie Michel oder Lemarié zählen zu den Preziosen der Modewelt. Ihre Handwerker, die “Petites Mains” – die geschickten “kleinen Hände” – beherrschen Fertigkeiten, die nur noch wenige erlernen. In einer Welt, geprägt von der sogenannten “Fast Fashion”, den ruckzuck mit modernsten Techniken arbeitenden Modeketten, mag oder kann nur eine kleine Zahl von Käufern eine derartige Raffinesse bezahlen.

Seit den 1980er-Jahren hat Chanel nach und nach elf berühmte Ateliers erworben, sie in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst und einigen von ihnen damit auch das Überleben gesichert. Sie arbeiten weiterhin nicht nur für Chanel, sondern ebenso für die Konkurrenz – andere berühmte Häuser wie Dior, Givenchy, Louis Vuitton oder Jean Paul Gaultier.

Neben dem Modisten Michel und dem Federspezialisten Lemarié gibt es da zum Beispiel den Sticker Lesage. Die Wurzeln dieses Hauses reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Lesage hat neue Arbeitstechniken erfunden und führt im Archiv des Hauses über 60 000 Muster mit tonnenweise glitzerndem Strass und feinem Garn in allen erdenklichen Farbnuancen, irisierenden Kristallen oder Perlen. Für Salzburg scheint er ganze Alpenwiesen über die Gewänder gestreut zu haben. In Kleinstarbeit gestickte Blüten aus Kristallen, Plättchen oder Federn finden sich auf vielen der Kleider.

Jedes Jahr wird für die Schau der “Métiers d’Art” ein anderer Ort auf der Welt gewählt, der in irgendeiner Weise mit der Geschichte Chanels in Verbindung steht. In einem Salzburger Hotel soll Coco Chanel Anfang der 1950er-Jahre ihr später weltberühmte Chanel-Jacke der Trachten-Uniform eines Liftboys abgeschaut haben. In den einschlägigen Chanel-Biografien taucht diese Episode allerdings nicht auf. Lagerfeld erzählte am Montag beim Dinner, dass Chanel selbst es so berichtet habe. Lagerfeld selbst hat auf jeden Fall einen eigenen biografischen Bezug zu Salzburg. “Meine Eltern haben schon meine Kindersachen hier gekauft», sagte er nach der Schau. «Ich wollte ja nicht aussehen wie die anderen Jungen.” (Bang/dpa)

Fotos: Barbara Gindl