Mittwoch, 03. Dezember 2014, 21:08 Uhr

Filmkritik "Paddington": Ein tollpatschiger Bär erobert jetzt das Kino

Kinderfilme im 21. Jahrhundert sind oft laut, bunt und glitzernd, vollgestopft mit Technik und Effekten. Kann ein harmloser, trotteliger Braunbär aus dem dunkelsten Peru da noch mithalten? “Ja, er kann”, findet Paul King, (Foto ganz unten rechts im Bild) Regisseur der ersten Realverfilmung der Kinderbuchreihe über den Bären Paddington.

Filmkritik "Paddington": Ein drolliger Bär erobert das Kino

Kings Film, mit einer Starbesetzung um Golden-Globe-Gewinnerin Sally Hawkins, Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman und “Downton-Abbey-Star” Hugh Bonneville gedreht, feierte kürzlich am Hauptschauplatz London Weltpremiere und kommt nun in Deutschland in die Kinos. Dort war auch die deutsche Stimme Elyas M’Barek dabei. Überraschung: Kaum einer nahm von dem dort unekannten Star Notiz . Aber das ist eine andere Geschichte…

Die Geschichte ist schnell erzählt: Nach einem Erdbeben im Bärenwald von Peru muss der kleine Bär als einer der wenigen Überlebenden auswandern. Als blinder Passagier auf einem Frachtschiff, ausgestattet mit reichlich Orangenmarmelade zum Überleben, kommt er nach London. Die Familie Brown trifft am Bahnhof Paddington auf das arme, einsame Geschöpf, dessen Tante ihm in Anlehnung an die Kinderverschickung in Kriegszeiten ein Schild um den Hals hängte: “Bitte kümmern Sie sich um diesen Bären – Danke!”.

Die Browns werden weich, auch dank der guten Manieren des Bären, der stets freundlich und zuvorkommend grüßt – wie er es einst von einem englischen Entdecker in Peru gelernt hatte. Sie taufen ihn auf den Namen des Bahnhofs und nehmen ihn mit nach Hause. In dem gutbürgerlichen Haus stellt Paddington allerlei Blödsinn an und erlebt mit den Browns so manches Abenteuer. Mit der Dusche kommt er nicht zurecht und flutet das gesamte Badezimmer. “Diese Szene hat uns bei den Dreharbeiten Wochen gekostet”, erinnert sich Hugh Bonneville.

Als er unfreiwillig einen Taschendieb stellt, wird Paddington zum Helden. Schließlich gelingt es mit vereinten Kräften auch noch, die böse Tierpräparatorin Millicent (Nicole Kidman) mit ihren miesen Tricks abzuwehren. Kidman glänzt in der Rolle, für deren Zuschlag der Hollywood-Superstar nach den Worten von Regisseur King nur eine Nacht gebraucht hat. “Sie war sofort begeistert, weil die Paddington-Bücher ein Teil ihrer Kindheit waren.” Kidman outete sich bei der Weltpremiere in London als Paddington-Fan. “Als ich sechs oder sieben war, träumte ich davon, meinen eigenen Paddington auf der Straße zu finden.”

Filmkritik "Paddington": Ein drolliger Bär erobert das Kino

Paul King hat mit Paddington einen Film gemacht, der Kinder lauthals zum Lachen bringen wird – und Erwachsene zum Schmunzeln. Neun Jahre läuft das Vorhaben bereits. Es ist das erste Mal, dass der Stoff von Michael Bonds, der im Film kurz als Statist auftaucht, fürs Kino aufbereitet wird. “Wir waren der Meinung, dass jetzt die Technik so weit ist, das Thema vernünftig umzusetzen”, sagte Karen Jankel, Bonds Tochter und Wächterin über die Rechte an der Figur. Im Film wirkt der animierte Paddington wie eine Art Mischung aus echtem Tier und Teddy-Bär.

Autor Michael Bond, heute 88 Jahre alt, hatte 1956 einen Bären im Kaufhaus Selfridges kurz vor Weihnachten als Geschenk gekauft. Darauf baute er seine Kindergeschichten auf, die inzwischen in über 40 Sprachen übersetzt worden sind. Er zog ihm einen Hut an und einen Duffle-Coat, wie er ihn selber gerne trug. Die Geschichten um die Abenteuer des drolligen Fellträgers elektrisieren noch heute die Kinderwelt.

Filmkritik "Paddington": Ein drolliger Bär erobert das Kino

In Japan gibt es ganze Themenparks rund um den Paddington-Bären. Ob es nach dem ersten Film noch Fortsetzungen von Paddington auf der Kinoleinwand geben wird? “Warten wir’s ab”, sagt Autoren-Tochter Jankel.

Natürlich kommt der Film, wie auch viele britische Theaterkomödien für Kinder, nicht ohne eine Verkleidungsszene aus. Weil Hugh Bonneville sich da in der Verkleidung einer Putzfrau ins Museum schleicht, schlugen englische Sittenwächter Alarm und erkannten einen “leicht sexuellen Bezug” in dem Werk. Hugh Bonneville konterte auf seine Art: “Ich habe den Film mit ein paar Fünfjährigen gesehen – das einzige Problem, das sie hatten war, dass sie beinahe in die Hosen gemacht hätten, vor Lachen.” (Michael Donhauser, dpa/KT)

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Fotos: Studiocanal