Samstag, 06. Dezember 2014, 13:21 Uhr

Take That im großen Interview: "Der Ruhestand muss warten!“

An Take That führt am kommenden Wochenende kein Weg vorbei Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen werden am Freitag (12.12.) bei Helene Fischer in der O2 World Berlin zu Gast sein (TV-Ausstrahlung am 2. Weihnachtstag), am Sonnabend spielen sie eine intime Radioshow über den Dächern der Hauptstadt, und am Freitag krönen sie dann erstmal das Finale von „The Voice“.

Sorgen machen muss man sich um die nach dem Weggang von Robbie Williams und Jason Orange jüngst zum Trio geschrumpfte Popband also nicht. Mit „III“ haben die Briten gerade eine Platte mit Gute-Laune-Popsongs herausgebracht. Das Werk hat in Großbritannien den Rekord gebrochen für das am häufigsten vorbestellte Album des Jahres. Ihre neue Single „These Days“ schoss dort direkt auf Platz 1. Und dass immer noch genug Eye-Candy bei Take That vorhanden ist, davon konnte sich klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers beim Gespräch in einer Penthouse-Suite im Londoner Edition Hotel überzeugen.

Dort erzählten Take That von den Vorzügen des Trio, guten Körpern, stinkenden Bräunungsduschen, Waschzwängen, Robbie Williams, Helene Fischer und der für September geplanten Arenentour durch Deutschland.

Am 12.12. seid ihr zu Gast in der „Helene Fischer Show“, die in der O2 World Berlin aufgezeichnet und am 1. Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird. Kennt ihr sie?
Howard Donald: Alles, was ich weiß, ist, dass sie eine berühmte Sängerin ist. Ihr nennt das Schlagersängerin, richtig?
Gary Barlow: Ich habe noch nie von ihr gehört. Aber das ist ja typisch für uns Briten: Wir lieben es, in anderen Ländern unsere Musik zu verbreiten. Wir selbst lassen nicht viele Künstler, mal abgesehen von amerikanischen, in unserem Land zu. Es ist ein recht geschlossener Markt in Großbritannien. Wir sind da sehr versnobt. Es ist also nicht die Schuld von Helene Fischer.

Ihr seid jetzt das erste Mal als Trio unterwegs. Im September musstet ihr den Ausstieg von Take-That-Mitglied Jason Orange verkünden. Vermisst ihr ihn?
Mark Owen: Sehr sogar! Manchmal, in stillen Momenten, schaut man sich um und registriert, dass Jay nicht da ist, und es ist komisch und merkwürdig. Das fällt natürlich umso mehr auf, weil auch Robbie diesmal nicht da ist.

Mehr zum Thema: Wir verlosen das neue Take-That-Album ‘III’

Kam euch kurz mal der Gedanke, Take That ganz aufzulösen?
Gary Barlow: Die Vorstellung, alles hinzuschmeißen, hätte sich nicht richtig angefühlt. Wir haben uns gefragt: „Können wir immer noch gute Alben machen? Wollen wir das immer noch? Wollen wir wieder auf Tour gehen? Und haben wir den Ehrgeiz, unsere letzte Tour noch toppen zu wollen? Wollen wir ein frisches Kapitel Take-That-Geschichte schreiben?“ Und die Antwort auf alle diese Fragen war: Ja, genau das wollen wir tun! Denn wir lieben Take That nun mal.

Ist die Band-Chemie als Trio anders?
Gary Barlow: Nein, ich bin immer noch der Leadsinger. (alles lacht)
Howard Donald: Ich glaube nicht, dass sich die Chemie verändert hat. Selbst als Jason noch in der Band war, haben wir zu zweit oder zu dritt gearbeitet. Wir sind es also gewohnt, auch in kleineren Einheiten im Studio zu sein.
Mark Owen: Es hat auf jeden Fall Einfluss auf die Dynamik der Band. Wir müssen erstmal wieder unseren Platz finden und uns überlegen, wo wir stehen auf der Bühne. Es gibt so Dinge, die wir fast schon automatisch gemacht haben, und jetzt fällt uns manchmal auf, dass da eine Lücke ist – und wir uns erst noch an die Situation anpassen müssen. Aber es entwickelt sich langsam.

Gibt es denn Hoffnungen, dass Take That irgendwann wieder komplett sind?
Gary Barlow: In ein paar Jahren können wir hoffentlich als Quartett mit Robbie oder vielleicht sogar wieder als Quintett mit Robbie und Jason auf diese Zeit zu dritt zurückblicken und betrachten sie als ein weiteres Kapitel in unserer Bandgeschichte. Unser Publikum und auch wir müssen uns daran gewöhnen, dass Take That eine Drehtür hat, durch die Mitglieder immer wieder rein- und rausgehen. So lange das einer von uns fünf ist und es keine neuen Leute sind, hat das auch etwas Großartiges: Es verändert die Dynamik, lässt die Fans rätseln und hält es spannend.

Und Robbie Williams für ein Duett in die neue Platte miteinzubinden war keine Option?
Gary Barlow: Es geht nicht darum, ihn für einen Song zurückzuholen. Wir haben ja ganze Alben mit ihm gemacht. Alles oder nichts. Und so wird es auch in Zukunft sein.

Take That haben auch ohne Robbie Williams Ticketverkaufsrekorde gebrochen. Ist bei euch der Ehrgeiz geweckt, es der Welt nun als Trio zeigen zu wollen?
Gary Barlow: Schon. Auch wenn wir uns nicht mehr so unbesiegbar fühlen wie mit 19, als wir hinaus in die Welt zogen und die ganzen Rockbands uns zu verstehen gaben, dass sie uns für Müll halten. Es ist nicht mehr diese Art von Energie. Es ist eher ein Gefühl von: Wir wissen, dass wir immer noch gute Songs schreiben können. Bei dieser Platte geht es nur um uns drei. Wir kennen uns seit Teenager-Tagen und sind wie Brüder.
Howard Donald: Selbst wenn Jason noch in der Band wäre, hätten wir nach vier Jahren und in neuer Konstellation ohne Robbie nicht erwartet, wieder diesen riesigen Erfolg zu haben. Wir hätten so oder so gekämpft und noch härter gearbeitet als bei der „Progress“-Tour.

Gibt euch das ein Gefühl von Unsicherheit?
Gary Barlow: Das ist ein interessanter Aspekt. Denn Take That war für jeden von uns immer ein sehr sicherer Platz. Egal, was sonst noch so in deinem Leben passiert, da ist einfach ein Gefühl von Geborgenheit, dass dir Take That gibt. Diese Band besteht nun mal aus Leuten, die sich alle seit Jahrzehnten kennen. Ich weiß, dass Robbie das auch so empfunden hat, als er zur Band zurückkam. Als alles anfing zu bröckeln, hatte ich zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, dass diese Sicherheit schwindet. Das war beunruhigend. Und es wird wohl bis zum nächsten Jahr dauern, bis wir uns wieder richtig sicher fühlen als Take That. Auf der anderen Seite sind solche Momente, in denen sich die Welt um dich herum verändert, auch immer gut für das Team, weil es uns noch mehr als bisher zusammenschweißt.

Apropos: Es gibt eine Take-That-Tribute-Band, die nun auch überlegt, ob sie ihren Jason feuern soll. Ihr zerstört also noch eine zweite Band!
Gary Barlow: Ich sag ja immer: Das Showbusiness ist ein Haifischbecken. Auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden. (lacht)