Sonntag, 07. Dezember 2014, 12:09 Uhr

"Mein bester Feind" ist wie "Wetten, dass..?" - nur ohne Lanz

Die neue ProSieben-Abendshow ‘Mein bester Feind’ hat am Samstagabend Premiere gefeiert. Doch die Quoten lagen unter den Erwartungen. Die Moderatoren Joko Winterscheidt (35) und Klaas Heufer-Umlauf (31) erledigten die Arbeit in geschlagenen vier Stunden brutto – das jedoch stand schon vorher fest, denn die Sendung, die am Samstag ab 20.15 Uhr zu sehen war, war aufgezeichnet.

In der Show ging es darum, dass ein Mensch seinem besten Freund zeigen muss, dass er wirklich zu ihm steht. Dafür hat er einige riskante Spiele zu absolvieren. Sieger wurde das Kumpelpaar Tim und Max. Zur Belohnung gab es einen 30 Jahre alten Porsche 911. So ein Ding kann auch heute noch einen Preis zwischen 20.000 bis 80.000 Euro bringen.

Als Härtetests musste zum Beispiel der Kandidat Michi, bester Freund von Daniel, über einer knapp 1000 Meter tiefen Schlucht schaukeln und ein Gedicht aufsagen. Nina ließ sich wegen ihrer besten Freundin Franziska in einem Auto per Bungee-Sprung nach unten fallen, und Marcel musste sich unter einem Eisberg bei Spitzbergen für seinen Freund Nils entlanghangeln. Max hatte in Dresden bei einem Rap-Konzert das Publikum zu beschimpfen.

Max und Tim gewannen, weil Max nach seiner Härteprüfung als Rapper (er mußte bei einer Kollegah-Live-Show einen Disstrack gegen ihn vortragen, dafür durfte der Rapstar sein neues Fitnessprogramm “Bosstransformation” bewerben) einen zusätzlichen Spezialparcours am schnellsten durchlief. Dabei musste er unter anderem trotz Ablenkung korrekt rechnen, bei lustigen Filmchen nicht ins Lachen geraten und sich ein Tattoo nach einem Motiv von Klaas Heufer-Umlauf stechen lassen (einen besoffenen Esel auf Skates).

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Joko und Klaas könnten sich nach Einschätzung von Experten nach dem Ende von ‘Wetten, dass..?’ im ZDF in die Herzen des deutschen TV-Publikums spielen. Die Zuschauer im Netz reagierten zumindest schon einmal weitgehend positiv: “‘Mein bester Feind’ ist wie ‘Wetten, dass..?’ – nur moderner und ohne Lanz, schrieb ein Twitterer. Ein anderer schlug das Format bereits für die Goldene Kamera vor. Ein gewisser “Mark Twain” jedoch kritisierte zu Recht die leicht zu durchschauende Dramaturgie: “Es ist spannend zu sehen, wie Menschen Prüfungen bestehen, von denen klar ist, dass sie die bestehen.”

Genau diese Vorausschaubarkeit ist allerdings das Problem und könnte der Show auf Dauer den Spaß verderben. Denn gestern gewannen ausnahmslos alle Teilnehmer ihre Challenges in den Einspielfilmen. Würden sie diese nämlich nicht tun, wären sie gar nicht für die Live-Wettbewerbe im Studio qualifiziert…

Dass in den Werbeblöcken auffallend oft Spots für Jochen Schweizers (dem Wegbereiter des Bungeesports in Deutschland) Abenteuer-Eventfirma liefen, dürfte einen einfachen Grund haben: ‘Der Spiegel’ schreibt dazu: “Alle Außenwetten beziehungsweise ‘Challenges’ wirkten wie aus dem Programm des Ereignismaklers Jochen Schweizer.”

Der ‘Stern’ bilanziert: “Es gehört zum Konzept einer guten Samstagabendshow, dass Spannung, Spaß und Spiel vereint werden. Dieses Rezept haben Joko und Klaas für ‘Mein bester Feind’ beherzigt. Eine riesige Halle, die sofort Assoziationen zum Film ‘Tron’ weckte, gab es auch. Solche Aufbauten kennt man sonst nur aus Sendungen von Stefan Raab oder Markus Lanz.”

Und bei ‘Quotenmeter’ heißt es: “Im Schnitt sahen gerade einmal 1,40 Millionen Menschen den Neustart, was einem minimal unterdurchschnittlichen Marktanteil von 5,4 Prozent entsprach. Damit platzierte sich das Format weit hinter dem ‘Duell um die Wel’», selbst das weitaus weniger erfolgreiche ’17 Meter’ war deutlich stärker unterwegs”. (dpa/KT)

Fotos: ProSieben