Samstag, 13. Dezember 2014, 18:29 Uhr

Nino de Angelo über Downloads, Helene Fischer und das Dschungelcamp

Nino de Angelo hat seit letzten Freitag sein neues Album ‘Meisterwerke – Lieder meines Lebens’ am Start. 30 Jahre nach seinem größten Hit ‘Jenseits von Eden’ hat der gefühlvolle Sänger (auf dem Foto unten mit Gattin Larissa) eine beeindruckende Sammlung von Songs aufgenommen, die die letzten 50 Jahre deutscher Musikgeschichte aufzeigen. Mit klatsch-tratsch.de sprach er auch über Castingshows, Helene Fischer und das Dschungelcamp.

Vor dreißig Jahren waren Sie Bravo-Coverboy, eine Art Sexsymbol und wochenlang mit “Jenseits von Eden” ganz oben in den Charts. Was ist im Showbiz heute anders als damals?
Es ist viel schnelllebiger geworden. Das ist aber auch der Fortschritt der Technik, der das so schnell macht. Die Konkurrenz ist größer aber nicht besser geworden. Eine Platte aufzunehmen, war früher nicht so einfach wie heute. Heute kannst du dir mit kleinstem Equipment ein Homestudio basteln, dann eine Produktion machen, die ins Netz stellen und wenn du Glück hast, wirst du bekannt damit. Es ist alles schneller und billiger geworden.

Mehr zum Thema Nino de Angelo: “Es ist nicht wichtig, wer du gestern warst”

Welche Meinung haben Sie zu Castingshows wie ‘Deutschland sucht den Superstar’?
Das sind Shows, die funktionieren, weil manche das Publikum durch ihr Talent begeistern und manche durch ihre Blödheit und ihr Nichtskönnen. Ich habe eine gespaltene Meinung dazu. Bei vielen Künstlern freue ich mich, dass sie dadurch eine Plattform haben, sich einem Publikum zu zeigen. Bei manchen frage ich mich aber: Was soll das? Mir fehlt manchmal ein bisschen die Ernsthaftigkeit. Gewisse Leute, die sich bis auf die Knochen blamieren, die kann man doch von vornherein aussortieren. Warum muss man denen das antun? Aber es gibt durchaus auch Castingshows, wo fast nur Leute sind, die wirklich ein Talent haben. In Deutschland kommt aber im Gegensatz zum Ausland nie wirklich einer dabei raus, der auch ein richtiger “Star” wird, wie beispielsweise Helene Fischer. Es ist irgendwie komisch.

Apropos Helene Fischer. Was macht nach ihrer Meinung deren Erfolg eigentlich aus?
Sie ist eben außergewöhnlich gut, hat eine unheimliche Bandbreite, sie sieht toll aus, sie singt toll, sie tanzt, sie kann moderieren. Sie ist einfach die geborene Entertainerin. Sie macht natürlich auch sehr viel dafür. Ich kenne sie ja persönlich und weiß, wie fleißig sie ist.

Haben Sie Angst vor Konkurrenz? Vielleicht davor, dass Helene Fischer ihnen die Fans wegnimmt?
Ach was. Nein, um Gottes Willen. Ich habe überhaupt keine Angst vor Konkurrenz. Ich bin außer Konkurrenz. (lacht) Ich bin ich und so was wie mich gibt es nicht noch mal, also gibt es auch keine Konkurrenz. Ich sehe das nicht und Fans gibt es genug. Es gibt sicher einige Helene Fischer-Fans, die sich sicher auch eine Platte von mir kaufen würden. Genauso gibt es Fans von mir, die sich auch eine Platte von Helene Fischer kaufen würden. Konkurrenzdenken hat man eher bei den Leuten, die Ballermann-Musik machen aber bei dem was ich mache nicht.

Dann sehen Sie wohl auch keinen Bedarf, sich da jugendlicher zu präsentieren, also beispielsweise ihre grauen Haare zu färben? Die Branche will ja irgendwie den Eindruck vermitteln, nicht zu altern…
Nein, ich fühle mich wohl so wie ich bin, auch mit meinen grauen Haaren. Ich werde nicht anfangen zu färben, das ist mir viel zu doof und zu anstrengend. Da verbringe ich ja mehr Zeit beim Friseur als im Studio. (lacht) Ich fühle mich wohl in meinem Alter und ich freue mich auch auf die nächsten Jahre. Das wäre nicht authentisch, wenn man hingeht und sagt, ich muss mich jetzt jugendlicher präsentieren.

Welche Musik hören Sie eigentlich privat? Sind sie auch digital “unterwegs” und laden sich Songs von iTunes runter?
Ich habe noch nie was runtergeladen. Ich wollte auch nie wissen, wie es geht. Mittlerweile weiß ich zwar auch, wie es geht aber ich mache es trotzdem nicht. Wenn ich eine Platte höre, die mir gefällt, dann kaufe ich die mir. Ich bin da ganz konservativ. Und ich höre privat gerne Elton John, Ray Charles, Nina Simone, Michael Jackson und von den aktuelleren Künstlern Ed Sheeran und Lana Del Rey.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie mit den Jahren viel ernster geworden sind. Worüber lacht Nino de Angelo heute am liebsten?
Meistens über mich selbst. (lacht)

Und was hat Sie in letzter Zeit am meisten aufgeregt?
Nach dem, was ich hinter mir habe, regt mich nichts mehr auf. Natürlich gibt es aber Dinge in den Nachrichten, Sachen, die passiert sind, die einen aufregen und über die man todtraurig ist. Ernste Dinge, wie das Mädchen, das vor Kurzem gestorben ist, beziehungsweise bei der man die Geräte abschalten musste, einfach nur, weil sie jemandem helfen wollte. Da ärgere ich mich, dass es solche dummen, ignoranten Menschen gibt, die ein Mädchen totschlagen. Die gehören weggesperrt und nicht mehr rausgelassen. Es ärgert mich am meisten, dass die Gesetze teilweise so harmlos sind und solche Leute immer wieder die Chance bekommen, die gleiche Scheiße wieder zu bauen.

Im Januar 2015 fängt die neue Staffel des RTL-Dschungelcamps an. War die Teilnahme daran je eine Option für Sie oder wäre sie das in der Zukunft?
Bis jetzt war es keine Option. Ich weiß es nicht. Wenn dir das Wasser vielleicht irgendwann mal bis zum Hals steht und du nur diese eine Option hast, um danach ein neues Leben zu beginnen, könnte es eine Option werden. Warum nicht? Man muss ja sehen, wie es im Leben weitergeht. Aber solange die Situation nicht da ist, wird es keine Option für mich sein.

Wenn Sie drei Wünsche in beruflicher oder auch privater Hinsicht frei hätten, was wäre das dann?
Privat würde ich mir Gesundheit wünschen, beruflich viel Glück und dann, falls beide Wünsche nicht in Erfüllung gehen als dritten Wunsch noch mal drei Wünsche. (lacht)

Interview: Clelia Schena/KT. Fotos: WENN.com